Umfrage – Mehrheit fordert zusätzliche Massnahmen an Schulen
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UmfrageMehrheit fordert zusätzliche Massnahmen an Schulen

60 Prozent sind in einer exklusiven Umfrage der Meinung, dass Schulen weitere Mittel gegen das Coronavirus ergreifen sollen. Auch ein Impfobligatorium für Lehrpersonen trifft auf breite Unterstützung.

von
Bettina Zanni
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Insbesondere Schulen kämpfen seit Tagen mit unzähligen Ansteckungen.

Insbesondere Schulen kämpfen seit Tagen mit unzähligen Ansteckungen.

20min/Michael Scherrer
60 Prozent halten zusätzliche Massnahmen laut einer 20-Minuten-/Tamedia-Nachbefragung für nötig oder eher nötig. Die meisten der Befragten befürworten regelmässiges Testen an Schulen (76 Prozent).

60 Prozent halten zusätzliche Massnahmen laut einer 20-Minuten-/Tamedia-Nachbefragung für nötig oder eher nötig. Die meisten der Befragten befürworten regelmässiges Testen an Schulen (76 Prozent).

20min/Taddeo Cerletti
 An zweiter Stelle folgt eine Maskenpflicht ab der vierten Klasse (66 Prozent).

An zweiter Stelle folgt eine Maskenpflicht ab der vierten Klasse (66 Prozent).

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • «In den Schulen läuft die Situation seit bald zwei Monaten aus dem Ruder», sagt Edith Leibundgut von der Gruppe «Kinder schützen – jetzt!».

  • 60 Prozent erachten laut einer 20-Minuten-/Tamedia-Nachbefragung zusätzliche Massnahmen als nötig.

  • Sie befürworten regelmässige Tests, aber auch ein Impfobligatorium für Lehrpersonen.

  • Der Lehrerverband schliesst sich den Forderungen teilweise an.

Das Coronavirus zirkuliert bei den Zehn- bis 19-Jährigen am stärksten. Deren Inzidenz sei im Vergleich zu den älteren Altersgruppen fast doppelt so hoch, sagte Patrick Mathys, Krisenmanager beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) an einer Medienkonferenz am Montag. Insbesondere Schulen kämpfen seit Tagen mit unzähligen Ansteckungen. Zusätzliche Massnahmen an Schulen stossen auf breite Unterstützung, wie eine 20-Minuten-/Tamedia-Nachbefragung zeigt. 60 Prozent halten solche für nötig oder eher nötig.

Die meisten der Befragten, die sich für Massnahmen an Schulen aussprechen, befürworten regelmässiges Testen an Schulen (76 Prozent). An zweiter Stelle folgt eine Maskenpflicht ab der vierten Klasse (66 Prozent). Mit 58 Prozent unterstützt auch eine Mehrheit ein Impfobligatorium für Lehrpersonen. 54 Prozent halten CO2-Messungen und Luftfilter in den Schulen für nötig.

«Situation läuft aus dem Ruder»

Verschiedene Elterngruppen drängen die Kantone bereits seit Wochen, Massnahmen zum Schutz der Kinder umzusetzen. Am Freitag forderte auch die SP Kanton Zürich Silvia Steiner (FDP), Zürcher Bildungsdirektorin und Präsidentin der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), in einem offenen Brief zum Handeln auf. Die Partei wirft Steiner vor, untätig zu bleiben, obwohl die Fallzahlen explodierten und Impfdurchbrüche zunähmen. Bei Eltern ist der Unmut gross:

«In den Schulen läuft die Situation seit bald zwei Monaten aus dem Ruder», sagt Edith Leibundgut von der Gruppe «Kinder schützen – jetzt!». Schülerinnen und Schüler hätten ein riesiges Beziehungsgeflecht, in dem das Virus innert Kürze verbreitet werden könne. «Zusammen mit dem Sport- und Musikverein, Freunden und Familie und wiederum deren Kontakten können sich locker 100 Leute anstecken.» Die Familien stünden von allen Seiten massiv unter Druck. «Sie werden vom Virus geknechtet und von Behörden, die sie verpflichten, ihre Kinder in die Schule zu schicken.»

«Pooltests zweimal pro Woche»

Zum Schutz der Kinder und deren Umfeld fordert die Gruppe regelmässige Pooltests. «Ab Kindergarten sollten mindestens zweimal pro Woche Pooltests durchgeführt werden», sagt Leibundgut. Ab der fünften Klasse brauche es eine generelle Maskenpflicht. «Sobald eine Infektion auftaucht, sollte die Maskenpflicht auf sämtliche Klassen eines betroffenen Schulhauses ausgeweitet werden.»

Ein Impfobligatorium für Lehrpersonen fordere sie nicht explizit, sagt Leibundgut. «Stattdessen müssten sich ungeimpfte Lehrpersonen täglich testen und im Unterricht FFP2-Masken tragen.» Mit den Massnahmen würde die Gesundheit und Psyche von Kindern und deren Familien geschützt. «Bleiben die Kantone weiterhin tatenlos, droht eine Seuche und Überlastung der Spitäler.»

«Fordern das schon lange»

Der Lehrerverband schliesst sich den Forderungen teilweise an. «Der LCH fordert schon lange das flächendeckende Testen in den Schulen», sagt Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH). Dies bedinge aber auch eine möglichst hohe Anzahl von Schülerinnen und Schülern, die an diesen Tests teilnähmen. Auch noch immer als sinnvoll erachte der LCH CO2-Messgeräte sowie Luftfilter.

Laut Rösler muss das Verschärfen der Massnahmen auch in der Schule immer auch im Zusammenhang mit den Fallzahlen stehen. «Ausserdem ist es das Fachpersonal, das über weitere Massnahmen entscheidet.»

Die EDK macht darauf aufmerksam, dass die Aufrechterhaltung des Präsenzunterrichts das gemeinsame Ziel der Kantone sei. Zahlreiche Kantone hätten in den letzten Tagen die Massnahmen bereits verstärkt oder prüften aktuell verstärkte Massnahmen. Dies betreffe insbesondere die Maskenpflicht.

Der Bundesrat sah nach seiner Krisensitzung am Dienstag von zusätzlichen Massnahmen ab. Einzig will er alle obligatorischen Schulen und Schulen der Sekundarstufe II verpflichten, repetitive Tests anzubieten.

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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