Umstrittene Tierhaltung: Mehrheit ist für ein Verbot der Delfinhaltung
Aktualisiert

Umstrittene TierhaltungMehrheit ist für ein Verbot der Delfinhaltung

Der Tod zweier Delfine im Connyland hat die Diskussionen über Sinn und Zweck von Delfinarien neu entfacht. Jetzt sprachen sich in einer Umfrage über 60 Prozent für ein Verbot aus.

von
Jean-Claude Gerber

Nicht erst seit den jüngsten Todesfällen im Connyland in Lipperswil TG ist die Haltung von Delfinen in der Schweiz umstritten. Bereits 1999 musste sich der Kinderzoo des Zirkus Knie in Rapperswil SG dem öffentlichen Druck beugen und seine Delfinhaltung aufgeben. Seither gibt es die intelligenten Meeressäuger nur noch im Thurgauer Freizeitpark zu sehen.

Auch das Connyland sieht sich andauernder Kritik ausgesetzt. Besonders die auffällige Häufung von Delfintodesfällen – acht seit 2008, die jüngsten Fälle mitgerechnet - lassen die Haltung der Meeressäuger in einem schlechten Licht erscheinen. Tierschützer bemängeln, dass die Tiere ausserhalb ihres natürlichen Lebensraums nicht artgerecht gehalten werden können. Unterstützt von 50 Nationalratskollegen hat die Bündner BDP-Nationalrätin Brigitta Gadient deshalb im Parlament einen Vorstoss eingereicht, der den Import von Delfinen verbieten will. Noch weiter will die Organisation OceanCare gehen und zuhanden der eidgenössischen Räte eine Petition einreichen, die zusätzlich ein generelles Verbot von Delfinarien fordert.

Ein solches Verbot hätte im Volk zurzeit gute Chancen. In einer Umfrage von 20 Minuten Online mit 8011 Teilnehmern haben total 60,6 Prozent der Teilnehmer auf die Frage «Sind Sie für ein Verbot von Delfinarien in der Schweiz» mit Ja geantwortet. Damit bestätigt sich die ablehnende Tendenz, die sich bereits in den Leserkommentaren der letzten Tage gezeigt hatte. «Gefangenschaft = Folter», betitelte beispielweise Leserin Anni ihr Feedback, während Yolanda schrieb: «Delfine gehören ins Meer und nirgendwo sonst hin.»

Nationalrätin Gadient, die sich erfreut über die deutliche Unterstützung ihres Anliegens zeigt, glaubt zwar, dass das die Todesfälle im Connyland die Meinungen in der Bevölkerung beeinflusst haben. Ausschlaggebend für die Mehrheit sei aber, dass nun eine Plattform entstanden ist, auf der die Bevölkerung breiter informiert werden könne. «Die Kenntnis der Situation überzeugt die Leute, dass das nicht mehr geht, auch in der Schweiz nicht», erklärt sie und fügt an, dass zurzeit in ganz Europa Bestrebungen laufen, Delfinimporte zu verbieten.

Tote Delfine im Connyland

Kaum Potenzial für neue Besucher

Mit Blick auf das deutliche Votum für ein Verbot fällt auf, dass Delfinschauen den Schweizern keineswegs fremd sind. Von den Umfrage-Teilnehmern haben 65,4 Prozent schon einmal eine Delfinschau besucht. Knapp zwei Dritteln hat das dort Gebotene gefallen, den restlichen 38 Prozent taten die Tiere leid. Von den Befragten, die noch nie eine Delfinschau gesehen haben, gaben lediglich 13,5 Prozent an, dass sie definitiv einmal eine solche Vorstellung besuchen möchten (siehe Grafik unten). Diese eher kleine Zahl an potenziellen «Neubesuchern» könnte auf ein eher geringes Bedürfnis nach Delfinarien in der Bevölkerung hinweisen und eine mögliche weitere Erklärung für die breite Unterstützung eines Verbots liefern.

Artgerechte Tierhaltung in Delfinarien?

Doch obwohl das Connyland in der Kritik steht, konnte den Betreibern bisher in keinem Fall ein Verstoss gegen das Tierschutzgesetz nachgewiesen werden. So sieht der Direktor des Bundesamts für Veterinärwesen, Hans Wyss, «keinen Handlungsbedarf» im Bereich der Haltung von Delfinen in der Schweiz. Die Haltung der Tiere entspreche «den strengen Vorschriften», erklärte er der «NZZ am Sonntag». 47,1 Prozent der Umfrageteilnehmer halten die Gesetze für die Haltung von Wildtieren in der Schweiz allerdings für zu lasch. 34,2 Prozent finden dagegen, dass sie genau richtig sind:

Umstrittene Zirkusse

Die Haltung von Wildtieren ist auch ausserhalb der Delfinarien nicht unumstritten. Während lediglich 22,4 Prozent die Wildtierhaltung in Zoos ablehnen, ist eine knappe Mehrheit von 52,7 Prozent für ein Verbot von Zirkussen mit Wildtieren (siehe nachstehende Grafik). Dazu ist anzumerken, dass wie bei den Delfinarien Tierschützer seit längerem gegen Tiere im Zirkus mobil machen und immer wieder öffentlichkeitswirksam für ihre Anliegen demonstrieren. Diese Anstrengungen scheinen angesichts der Ergebnisse dieser Umfrage Früchte zu tragen.

Alle Ergebnisse der Umfrage finden sie hier.

Zur Umfrage

Die nichtrepräsentative Umfrage zur Haltung von Delfinen und anderen Wildtieren in der Schweiz wurde von 20 Minuten Online am 14. und 15. November durchgeführt. Insgesamt haben 8011 Leser teilgenommen (5268 Männer und 2743 Frauen). Alle Ergebnisse der Umfrage finden sie .

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