Leserumfrage: Mehrheit reicht Ja zu Abzocker-Initiative nicht
Aktualisiert

LeserumfrageMehrheit reicht Ja zu Abzocker-Initiative nicht

Trotz Annahme der Abzocker-Initiative glauben die Leser von 20 Minuten Online nicht daran, dass überrissene Gehälter der Vergangenheit angehören. Sie fordern gerechte Löhne für alle.

von
J. Pfister

Das Ja zur Abzocker-Initiative lässt die Leser von 20 Minuten Online nicht ruhen. Genauso wie Initiativ-Vater Thomas Minder befürchtet die Mehrheit, dass Bundesrat und Parlament das Anliegen verwässern, wie unsere Umfrage zeigt. Rund 68 Prozent der Teilnehmer glauben, dass der Gesetzestext abgeschwächt wird. Nur gerade 17 Prozent - hauptsächlich FDP-Wähler - vertrauen der Landesregierung, die Vorlage rasch und klar umzusetzen.

Für die Mehrheit der Leser ist klar: Bundesbern soll die Vorlage so umsetzen, wie es der Verfassungstext vorsieht. Rund 30 Prozent wünschen sich - wie es SP-Präsident Christian Levrat verlangt - eine Bonussteuer auf Vergütungen von über drei Millionen Franken in die Vorlage einzufügen. Dies sind erwartungsgemäss vor allem Sympathisanten der SP und der Grünen, aber auch viele Wechselwähler. Weitere 25 Prozent wünschen sich die 1:1-Regel - der Bonus dürfte damit das Fixgehalt nicht mehr übersteigen.

Weniger gut kommt die Forderung der BDP an, dass Firmen selber entscheiden können, ob Abstimmungen über die Vergütungen nur konsultativ sein sollen. Nur gerade 17 Prozent der Teilnehmer fordern dies. Auf noch weniger Interesse stösst die Frauenquote für Verwaltungsräte - selbst bei den Frauen. Nur 7 Prozent der weiblichen Umfrageteilnehmer wollen dieses Anliegen im Gesetz verankern, bei den Männern sind es mit 2 Prozent noch weniger.

1:12-Initiative ist hoch im Kurs

Dass dank der Abzocker-Initiative überrissene Gehälter der Vergangenheit angehören, glaubt kaum jemand der Umfrageteilnehmer. Für zwei Drittel ist klar - die Lohnungerechtigkeit wird sich fortsetzen. So überrascht auch nicht, dass die Mehrheit weitere Massnahmen für eine gerechte Wirtschaft fordert. Diese Meinung zieht sich durch Sympathisanten aller Parteien hindurch - eine Ausnahme bilden die FDP-Wähler, die dies nicht für nötig halten.

Was die SP besonders freuen wird - die Abzocker-Initiative könnte ihre eigene 1:12-Initiative befeuern. Zumindest bei den Lesern von 20 Minuten Online ist die Forderung, dass niemand in einem Monat mehr verdienen soll als der am schlechtesten entlöhnte Mitarbeiter in einem Jahr, durch alle Altersklassen hindurch hoch im Kurs. Rund 65 Prozent würden dem Anliegen der Linken zustimmen. Neben der erwartbaren Unterstützung aus dem Lager der SP und Grünen, sind überraschend viele SVP-Sympathisanten für die Initiative. Gar nicht begeistern für das Anliegen können sich wiederum die FDP-Wähler.

Die anderen Linken Vorlagen - Erbschaftssteuer und Mindestlohninitiative - konnten keine Mehrheit der Umfrageteilnehmer für sich gewinnen, dies aber knapp mit 46 beziehungsweise 48 Prozent.

Minder soll weiter kämpfen

Obwohl sowieso kaum anzunehmen ist, dass sich der unermüdliche Kämpfer Thomas Minder nun aus der öffentlichen Debatte zurückzieht - von den Umfragteilnehmer ist das auch nicht gewünscht. Rund 60 Prozent wollen, dass sich der Vater der Abzocker-Initiative weiter für sein Anliegen einsetzt.

Zur Umfrage

An der Umfrage von 20 Minuten Online haben 2743 Leser teilgenommen. Sie ist nicht-repräsentativ und nicht nach soziodemografischen Kriterien wie Geschlecht, Alter oder Wohnort gewichtet. So waren etwa 86 Prozent der Teilnehmer männlich – wobei sich die Antworten der Frauen inhaltlich nur wenig von jenen der Männer unterscheiden.(jep)

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