Aktualisiert 14.09.2016 09:11

Inhalte bei LebensmittelnMehrheit will Ampelsystem für Kalorienbomben

Die Schweizer Bevölkerung hält nichts von Zucker-, Salz- oder Fettsteuern. Die Lebensmittel-Ampel stösst dagegen auf Zustimmung.

von
F. Lindegger, Bern
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In Grossbritannien werden Lebensmittel teilweise bereits mit dem Ampelsystem gekennzeichnet.

In Grossbritannien werden Lebensmittel teilweise bereits mit dem Ampelsystem gekennzeichnet.

AP/Martin Cleaver
Mit den farbigen Hinweisen sollen Konsumenten besser über ungesunde Inhaltsstoffe aufgeklärt werden. Auch bei der Schweizer Bevölkerung stösst das System auf viel Wohlwollen.

Mit den farbigen Hinweisen sollen Konsumenten besser über ungesunde Inhaltsstoffe aufgeklärt werden. Auch bei der Schweizer Bevölkerung stösst das System auf viel Wohlwollen.

Keystone/Gaetan Bally
Vor allem stark verarbeitete Produkte ...

Vor allem stark verarbeitete Produkte ...

Keystone/Lukas Lehmann

Grosse Teile der Schweizer Bevölkerung wünschen sich eine bessere Inhaltsangabe bei Lebensmitteln. Das zeigt die dritte Ausgabe vom Monitor Ernährung und Bewegung, einer Umfrage, die jeweils von der Getränkebranche beim Marktforschungsinstituts Gfs in Auftrag gegeben wird. 84 Prozent der Befragten gaben an, dass sich der Staat für eine bessere Deklaration einsetzen soll. 94 Prozent fordern von den Unternehmen transparente und verständliche Produktinformationen. Zudem möchten neun von zehn Schweizern, dass die Wirtschaft die Deklaration vereinfacht.

Bei den Konsumenten beliebt ist das Ampelsystem. 60 Prozent wären gemäss Umfrage damit einverstanden, dass das Gesetz Lebensmittel-Ampeln vorsieht. Damit müsste je nach Inhaltsstoffen auf die Verpackung eine rote, gelbe oder grüne Kennzeichnung gedruckt werden. Rot bedeutet dabei ungesund.

Industrie gegen Ampelsystem

Die Nahrungsmittelbranche lehnt ein solches System ab. «Die Ampel ist auf den ersten Blick eine verlockende Lösung, weil sie vermeintlich einfach und klar ist», erklärte Lorenz Hess, BDP-Nationalrat und Präsident der IG Erfrischungsgetränke, bei der Präsentation der Umfrageresultate in Bern. Doch mit dem System würde pauschal in gesund oder ungesund eingeteilt. «Entscheidend ist aber der Lebensstil», so Hess. Es sei deshalb wichtig, dass Sportunterricht oder Hauswirtschaft nicht von den Lehrplänen verschwänden, denn dort werde Kindern und Jugendlichen wichtiges Wissen zu Ernährung und Bewegung vermittelt.

EU gibt den Ausschlag

Fürchten, dass hierzulande bald das Ampelsystem eingeführt wird, muss sich die Lebensmittelbranche aber nicht. Zwar gab es von Seiten des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV solche Bestrebungen, das BLV liess die Pläne aber wieder fallen.

Der Bundesrat hielt zudem mehrmals fest, dass die Schweiz auf einen Alleingang bei der Nährwertdeklaration verzichten solle. Die Regierung begründet das damit, dass ausländische Produkte für den Schweizer Markt mit speziellen Etiketten versehen werden müssten, was die Importe verteuere. Ein Ampelsystem dürfte in der Schweiz also erst wieder ein Thema werden, wenn es im Hauptimportmarkt, der EU, ebenfalls verwendet wird. Zurzeit ist das allerdings nicht vorgesehen. Bisher setzt in Europa erst Grossbritannien auf Lebensmittel-Ampeln.

Der Monitor Ernährung und Bewegung zeigt zudem, dass sich die Schweizer Bevölkerung klar gegen neue Abgaben auf zucker-, salz- oder fetthaltige Lebensmittel ausspricht. 70 Prozent lehnen solche Steuern ab. Wie beim Ampelsystem gibt es zurzeit aber keine Bestrebungen, eine Zucker- oder Fettsteuer einzuführen. Vorstösse, die in diese Richtung zielten, wurden von der Politik unlängst bachab geschickt.

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