Umfrage: Mehrheit will, dass Geri Müller zurücktritt
Aktualisiert

UmfrageMehrheit will, dass Geri Müller zurücktritt

Nach der Nackt-Selfie-Affäre soll Geri Müller von seinen politischen Ämtern zurücktreten. Das finden über 60 Prozent, wie eine 20-Minuten-Umfrage zeigt. Ein Rücktritt würde sich auch auf die Pension auswirken.

von
D. Pomper

An der Selfie-Kundgebung vom Montag vor dem Badener Stadthaus stärkten 250 Personen Geri Müller den Rücken. Der grüne Nationalrat solle weiter als Stadtammann von Baden tätig sein. Der Aargauer Grünen-Präsident Jonas Fricker lobte Müllers Leistungsausweis und vertrat die Meinung, er solle sich wieder zur Wahl stellen.

Doch hat Müller mit seiner Pressekonferenz vom Dienstag letzter Woche auch die Bevölkerung überzeugt? 20 Minuten hat nachgefragt. Von den 11'262 Teilnehmern sind 61,3 Prozent der Meinung, dass Geri Müller nicht mehr tragbar sei und er von all seinen politischen Ämtern zurücktreten solle. 38,7 Prozent halten das dagegen für unnötig. Schliesslich mache jeder mal einen Fehler, den man auch verzeihen könne.

Leser glauben nicht an politische Intrige

Für Aufsehen gesorgt hatten Medienberichte, wonach Geri Müller Opfer einer politischen Intrige gewesen sein soll. Knapp 45 Prozent der Befragten teilen diese Meinung. 54,9 Prozent glauben dagegen nicht an eine Verschwörung. Müller sei einfach unvorsichtig gewesen und für sein Verhalten selber verantwortlich.

Die ganze Affäre ins Rollen gebracht hatte der Chefredaktor der «Schweiz am Sonntag», Patrick Müller. Im Gegensatz zu anderen Zeitungstiteln hatte er sich für eine Publikation der Geschichte entschieden und war deshalb heftig in die Kritik geraten. 49,8 Prozent der Leser finden allerdings, dass Müller in seiner Position noch tragbar sei. 26,3 Prozent finden, dass er seinen Posten räumen müsste. 23,8 Prozent sind unschlüssig.

Trotzdem gute Chancen für Wiederwahl

Obwohl die Mehrheit der Befragten findet, dass Geri Müller von seinen politischen Ämtern zurücktreten sollte, ist Politologe Georg Lutz zuversichtlich. «Müller hätte für eine Wiederwahl intakte Chancen.» Damit er 2017 als Stadtammann wiedergewählt würde, müssten ja nicht alle Badener hinter ihm stehen, die Mehrheit reiche. «Es müssen ihn ja nicht alle gernhaben.» Wichtig sei, dass ihn sein direktes politisches Umfeld unterstütze.

130'000 Franken bei Rücktritt als Stadtammann

Sollte Müller dennoch nach ein bis drei Jahren als Stadtammann zurücktreten, hätte das auch Auswirkungen auf seine Pension. Bei Nichtwiederwahl oder wenn ein Verbleiben im Amt nicht mehr zumutbar ist, zahlt die Einwohnergemeinde laut Reglement dem aus dem Amt ausgeschiedenen Stadtammann 50 Prozent des zuletzt bezogenen Jahresbruttolohns während eines Jahres. Bei Müllers Jahreslohn von 260'000 Franken wären das 130'000 Franken.

Würde er dagegen als Nationalrat zurücktreten, würde finanziell nichts herausschauen. Nationalräte erhalten keine Ruhegehälter. Ratsmitglieder aber, die beim Ausscheiden aus dem Rat in eine finanzielle Notlage gelangen, können bei der Verwaltungsdelegation ein Gesuch für so genannte Überbrückungshilfe stellen. Diese beträgt höchstens 100 Prozent einer AHV-Rente und ist auf maximal zwei Jahre beschränkt.

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