Aktualisiert 22.12.2003 14:55

Mehrjährige Haftstrafe für Sänger der Neonazi-Band «Landser»

In einem Musterprozess hat das Kammergericht Berlin die drei Musiker der Neonazi-Band «Landser» wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und Propagandadelikten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Der Bandleader Michael R. muss als Rädelsführer für drei Jahre und vier Monate ins Gefängnis, hiess es in dem am Montag verkündeten Urteil. Die beiden Mitangeklagten, der Bassist und der Schlagzeuger der Gruppe, erhielten je ein Jahr und neun Monate Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Ausserdem müssen alle drei eine Geldstrafe bezahlen und gemeinnützige Arbeit leisten.

Bundesanwalt Joachim Lampe nannte das Urteil richtungsweisend. Erstmals sei eine Musikgruppe als kriminelle Vereinigung eingestuft worden. Das gebe der Kriminalpolizei in Zukunft bessere Möglichkeiten des Zugriffs und der Aufklärung rechtsextremistischer Straftaten. Auch Richter Wolfgang Weissbrodt bezeichnete den Prozess als Novum.

In seiner Urteilsbegründung sagte Weissbrodt, die Mitglieder der Band hätten sich als Kämpfer und ihre Musik als Waffe begriffen. Der Sänger Michael R. sei die treibende Kraft und der kreative Kopf der «Landser», ohne dessen Texte die Tätigkeit der Gruppe nicht denkbar gewesen sei. Für die beiden anderen Musiker habe sich strafmildernd ausgewirkt, dass sie zur Aufklärung beigetragen, sich von ihrem kriminellen Tun gelöst und ihre Tat bereut hätten. (dapd)

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