Mehrwertsteuer willkürlich und bürokratisch
Aktualisiert

Mehrwertsteuer willkürlich und bürokratisch

Das Gewerbe beklagt sich über Bürokratie und Willkür beim Vollzug der Mehrwertsteuer (MWSt). Die Gewerbler fordern eine Reihe von Massnahmen zur Verbesserung der Steuerkultur zu Gunsten der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

Bei den Gewerblern herrsche auch zwölf Jahre nach der Einführung der Mehrwertsteuer ein «veritables Malaise», kritisierte SGV-Vizedirektor Marco Taddei am Montag vor den Medien in Bern. Die Steuer sei extrem kompliziert und führe bei den Unternehmen zu riesigem Aufwand.

Eine kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Studie beziffere die administrativen Aufwendungen der KMU für die Mehrwertsteuer auf 267 Millionen Franken. Der SGV habe deshalb in diesem Sommer mit einer Umfrage bei seinen 281 Mitgliederorganisationen die Steuerkultur der Behörden bei der MWSt unter die Lupe genommen.

Pedantisch und willkürlich

Die 124 retournierten Fragebogen zeigten unter anderem, dass die Mehrwertsteuer-Kontrollen zu lange dauerten, und pedantisch und willkürlich seien, sagte Nationalrat Jean-François Rime (SVP/FR). Die grosse Mehrheit der Kontrollen dauere zwischen zwei und fünf Tagen, fast ein Viertel länger als sechs Tage. Vier von fünf Kontrollen führten zu Nachsteuern.

Ausserdem sei das Tempo des Unterstellungsprozederes schleppend, sagte Taddei. Die Mehrheit der neu Steuerpflichtigen mussten im Minimum sechs Tage warten, bis sie die MWSt-Nummer erhielten. Für einen Drittel betrug die Wartefrist gar mehr als 15 Tage.

Unverständliche Publikationen

Schliesslich kritisierte der Nationalrat Ruedi Lustenberger (CVP/LU) die schriftlichen Publikationen der Hauptabteilung MWSt der Eidg. Steuerverwaltung. Die Papiere seien viel zu umfangreich und in einem so technokratischen Stil verfasst, dass sie für Normalsterbliche nur schwer verständlich seien.

Einzig die an die Steuerpflichtigen erteilten Auskünfte beurteilten die Befragten wohlwollend. Die Mitarbeitenden der Steuerverwaltung würden hier mit Kompetenz und Schnelligkeit auf die Bitte nach Auskünften reagieren, sagte Taddei.

Laut dem SGV lassen sich die Mängel mit einfachen Verbesserungen beheben: Die MWSt-Kontrollen müssten künftig detailliert angekündigt und zeitlich limitiert werden. Die MWSt-Nummer solle konsequent elektronisch erteilt und die Broschüren mit einer einfach verständlichen Zusammenfassung versehen werden. (sda)

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