Meier holt Diplom
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Meier holt Diplom

Sarah Meier hat ihre hohe Zielsetzung erreicht und als Achte das angestrebte Diplom geholt. Die 21-jährige Bülacherin verbesserte sich in der Kür um die erforderlichen zwei Plätze.

Den spannenden Dreikampf an der Spitze - das Toptrio hatte nach dem Kurzprogramm nur 0,71 Punkte getrennt - entschied überraschend die Japanerin Shizuka Arakawa, die Welmeisterin von 2004, vor der WM-Zweiten Sasha Cohen (USA) und der aktuellen Weltmeisterin Irina Slutskaja (Russ) für sich. Die 24-Jährige sicherte Japan die erste Medaille an den diesjährigen Olympische Spielen.

Meier gelang als Achte mehr als die Bestätigung des starken 4. EM-Platzes im Januar in Lyon. Die fünffache Schweizer Meisterin schloss den Saisonhöhepunkt als zweitbeste Europäerin ab. Damit hat sie auch weltweit eine neue Dimension erreicht; ihr bisher bestes WM-Resultat ist der 12. Rang im Jahr 2001 in Vancouver.

Fehlerfrei kam Meier in ihrem neuen, sehr schönen Kleid allerdings nicht durch, obwohl es am Anfang danach ausgesehen hatte. Die Zürcher Unterländerin stand die Kombinationen Dreifach- Lutz/Doppel-Toeloop/Doppel-Rittberger und Dreifach-Flip/Doppel- Toeloop, bei denen sie an den Europameisterschaften noch gepatzert hatte. Danach schlichen sich bei ihr allerdings doch noch zwei grössere Fehler ein: Den zweiten Lutz drehte sie nur zweimal und der Axel war nur einfach.

«Der Lutz hat das Programm nicht gestört, aber der Axel ärgert mich schon», sagte Meier. «Die anderen machen aber auch Fehler. Ich bin trotzdem glücklich». Sie habe nicht mehr viel übrig gehabt. Mental sei sie zwar auf der Höhe gewesen, aber in den Beinen habe ihr etwas die Kraft gefehlt, fuhr sie fort. Meier ist in dieser Saison, die sie nach drei Jahren wieder einmal verletzungsfrei vorbereiten konnte, viel stabiler geworden. «Der Instinkt oder das Muskelgedächtnis funktioniert nun immer. Ich kann mich auf ein gewisses Grundniveau verlassen», erklärte die Bülacherin dazu.

Arakawas eindrückliche Rückmeldung

Arakawa verbesserte sich dank der besten Kür vom 3. auf den 1. Platz. Die 24-jährige Japanerin überzeugte mit fünf Dreifachen, davon drei kombiniert. Der Höhepunkt war im zweiten Teil des Programms die Kombination Dreifach-Salchow/Doppel-Toeloop/Doppel- Rittberger. Ursprünglich hatte Arakawa zwei Dreifach-Dreifach- Kombinationen geplant, allerdings verzichtete sie auf beide. Dennoch reichte es ihr souverän zum Sieg; der Vorsprung auf Cohen betrug mit der persönlichen Bestleistung von 191,44 Punkten (zuvor 182,19) komfortable 7,98 Zähler.

Mit dem Sieg sicherte Arakawa ihrem Land die zweite Eiskunstlauf- Olympiamedaille nach Midori Ito . Zugleich meldete sie sich eindrücklich zurück. Nach dem Weltmeistertitel 2004 in Dortmund war sie in der vergangenen Saison aus diversen Gründen - Schlittschuhprobleme, Krankheiten, Motivationsprobleme - in ein Loch geraten und hatte die WM in Moskau lediglich im 9. Rang beendet. Für Olympia erinnerte sie sich an ihren grössten Triumph und wechselte im Januar wieder zur damaligen WM-Musik (Turandot). Dies hat sie nun erneut beflügelt.

Die nach dem Kurzprogramm führende Cohen hatte sich für die Kür in Turin extra ein neues Kleid selber entworfen. Dennoch konnte sie ihr Verliererimage nicht abstreifen; die 21-jährige Kalifornierin musste zum dritten Mal in Folge nach den WM 2004 und 2005 an einem Grossanlass mit Silber vorlieb nehmen. Auch in den nationalen Meisterschaften war sie schon viermal Zweite geworden. Für Cohen ist die Sportart mehr Kunst als Athletik. Dies manifestierte sich in ihrem Programm zu Romeo und Julia. Die Präsentation war vom Feinsten, doch in den Sprüngen konnte die frühere Kunstturnerin nur bedingt überzeugen. Gleich die ersten beiden missrieten ihr gründlich: Beim dreifachen Lutz stürzte sie, beim dreifachen Flip musste sie nach der Landung die Hand zur Hilfe nehmen. Immerhin fing sie sich danach auf.

Für die klar favorisierte Slutskaja, die bis gestern seit den WM 2004 in Dortmund (9.) nur einmal bezwungen worden war (von Mao Asada/Jap), ist die Niederlage doppelt bitter. Mit einem Sieg hätte sie die vierte Goldmedaille für Russland holen können, was eine Premiere in der olympischen Eiskunstlauf-Geschichte gewesen wäre. Zugleich wäre sie die erste Olympiasiegerin ihres Heimatlandes in einem Frauen-Wettbewerb gewesen. Der am 9. Februar 27 Jahre alt gewordenen Moskauerin, die als Letzte antrat, spielten die Nerven allerdings einen Strich. Sie stürzte unter anderem beim dreifachen Rittberger. Damit bleibt Slutskaja die Krönung ihrer phantastischen Karriere verwehrt, nachdem sie zweimal Welt- und gar siebenmal Europameisterin geworden war. Vor vier Jahren in Salt Lake City holte sie hinter der inzwischen zurückgetretenen Sarah Hughes Silber, wobei sie damals viele Experten vorne gesehen hatten.

(si)

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