Aktualisiert 13.01.2017 10:11

Bernhard Russi

«Mein Bruder war das grössere Talent als ich»

«Von hohen Gipfeln und dunklen Tälern» – Bernhard Russi offenbart in dem Dokfilm einen tiefen Einblick in sein von Schicksalsschlägen geprägtes Leben.

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Bernhard Russi wird am 20. August 1948 in Andermatt geboren.

Bernhard Russi wird am 20. August 1948 in Andermatt geboren.

Screenshot SRF
Als Erstklässler gewinnt Russi sein erstes Skirennen. Er habe die Konkurrenz «in Grund und Boden gefahren». Für diese Aussage kassierte der talentierte Schüler von seinem Vater eine Ohrfeige.

Als Erstklässler gewinnt Russi sein erstes Skirennen. Er habe die Konkurrenz «in Grund und Boden gefahren». Für diese Aussage kassierte der talentierte Schüler von seinem Vater eine Ohrfeige.

Screenshot SRF
Die Eltern von Bernhard Russi. Der Vater war Bahnmeister der Furka-Oberalp-Bahn. Er war tagtäglich in den Bergen unterwegs und mit der Gefahr, die dort lauert, konfrontiert. «Meine Mutter war das Gegenteil. Sie war eher ängstlich, wenn es um Berge, Schnee und Sport ging», so Russi. Das hat abgefärbt: «Ich hatte mein Leben lang Angst um meine Lieben.»

Die Eltern von Bernhard Russi. Der Vater war Bahnmeister der Furka-Oberalp-Bahn. Er war tagtäglich in den Bergen unterwegs und mit der Gefahr, die dort lauert, konfrontiert. «Meine Mutter war das Gegenteil. Sie war eher ängstlich, wenn es um Berge, Schnee und Sport ging», so Russi. Das hat abgefärbt: «Ich hatte mein Leben lang Angst um meine Lieben.»

Screenshot SRF

Am Donnerstagabend strahlte das SRF den Dokumentarfilm «Von hohen Gipfeln und dunklen Tälern» aus. Darin gewährt die Schweizer Ski-Legende und heutiger SRF-Experte Bernhard Russi einen intimen Einblick in seine Gefühlswelt. Das Leben des Olympiasiegers und zweifachen Abfahrt-Weltmeisters wurde bis heute von vielen Schicksalsschlägen geprägt. Der Vater starb, «als ich ihn am meisten gebraucht hätte», seine erste Frau kam in einer Lawine ums Leben, seine Schwester ist seit frühester Kindheit schwerstbehindert, ein Bruder starb unerwartet an einer Infektion und der andere – er war ein «riesiges Skitalent» – geriet auf den falschen Weg.

Bernhard Russi über seinen ersten Sieg:

«Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich gut bin. In der 1. Klasse habe ich mein erstes Rennen gewonnen. Mein Vater war als Richter im Ziel. Als ich wieder daheim war, habe ich damit angegeben, wie ich alle in Grund und Boden gefahren habe. Dafür habe ich von meinem Vater eine Ohrfeige kassiert. Er hat mir gesagt, ich könne mich wieder wie ein Prolet verhalten, wenn ich zwei- oder dreimal verloren, und dann wieder gewonnen habe.»

Russi über den Tod seines Vaters, der 1975 an Krebs erkrankte:

«Ich habe ihn im Spital besucht. Er war schwer krankt. Der Arzt sagte mir, ich solle mich verabschieden oder nicht nach Kitzbühel fahren. Mein Vater meinte, ich solle mir keine Sorgen machen und stattdessen die Abfahrt für ihn gewinnen. Ich ging und fuhr jenseits von Gut und Böse (Russi stürzte, die Red.). Wenn man den Wunsch hat, Rennen für sich zu gewinnen, dann kann man damit leben, wenn man es nicht schafft. Aber wenn der Wunsch so gross ist, weil es das Abschiedsgeschenk für den Vater ist, dann sind übermächtige Kräfte im Spiel. Dann macht man womöglich etwas, das einem nicht immer gelingt.»

Russi über seinen jüngeren Bruder Manfred, der im jungen Alter ebenfalls ein talentierter Skifahrer war:

«Er war das grössere Talent als ich, technisch und auch athletisch. Vom Augenblick an, als ich explodiert bin (WM-Titel 1970, die Red.), war er – in Anführungszeichen – nur noch der Bruder. Man hat die gleichen Gene, Voraussetzungen und Talent. Das ist das Verrückte an der Geschichte und der Beweis dafür, was das Leben alles machen kann. (...) Selbstverständlich kann man viel dazu beitragen und das Leben beeinflussen, aber wenn dann mehr Hindernisse im Weg liegen als bei anderen, dann erwischt man den falschen Weg. Ich bin immer da, wenn er mich braucht, und das weiss er auch.»

Russi über seinen anderen Bruder Pius, der 56-jährig unerwartet an einer Infektion starb:

«Er war der Verrückte, der Lustige, konnte singen und war ein Theaterspieler. Ich habe eines Tages einen Anruf gekriegt. Er lag mit einer Bakterieninfektion im Spital. Weshalb genau, wusste man nicht. 24 Stunden später war er tot.»

Russi über seine Schwester Madeleine, die seit frühester Kindheit schwerstbehindert ist:

«Sie war der Sonnenschein der ganzen Familie. Es war herrlich, ein kleines Schwesterchen zu haben. Als sie drei Jahre alt war, musste sie sich an der Hüfte operieren lassen. Bei der Narkose kam es zu einem Zwischenfall. Wir wussten nie, was genau passiert ist. Ich habe nach wie vor eine Art Schutzvorrichtung gegenüber Madeleine. Ich denke, es geht ihr heute gut, dort wo sie ist, wird fantastisch für sie gesorgt. Aber sie lebt halt in ihrer eigenen Welt, und wie die ausschaut, kann niemand sagen.»

Unter diesem Link finden Sie den SRF-Dokumentarfilm in voller Länge. (20 Minuten)

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