Lieber Phil Geld: Mein Chef verweigert mir die Lohnabrechnung
Aktualisiert

Lieber Phil GeldMein Chef verweigert mir die Lohnabrechnung

Ramonas (21) Chef weigert sich, die monatlichen Lohnabrechnungen auszustellen. Es sei reine Papierverschwendung. Darf er das?

Die Lohnabrechnung soll dem Arbeitnehmenden Klarheit über Lohn und Sozialabzüge verschaffen. (Bild: Colourbox)

Die Lohnabrechnung soll dem Arbeitnehmenden Klarheit über Lohn und Sozialabzüge verschaffen. (Bild: Colourbox)

Lieber Phil Geld

Mein Chef hat entschieden, dass wir Angestellten ab nächstem Monat keine Lohnabrechnungen mehr erhalten sollen. Er ist der Meinung, diese monatlichen Lohnabrechnungen seien eine reine Papierverschwendung. Durch den verminderten Papierverschleiss könne ausserdem Geld eingespart werden. Ich finde seine Begründung für diese plötzliche Änderung etwas seltsam und habe das Gefühl, unser Chef hat was zu verheimlichen. Ausserdem meinte ich, gelesen zu haben, dass das Ausstellen einer monatlichen Lohnabrechnung zwingend ist – stimmt das?

Liebe Ramona

Vorweg kann schon mal gesagt werden, dass das deinem Chef grundsätzlich nicht erlaubt ist. Denn gemäss Art. 323b Abs. 1 OR ist der Arbeitgeber verpflichtet, seinen Arbeitnehmenden mit jeder Lohnzahlung auch eine schriftliche Lohnabrechnung zukommen zu lassen. Das Recht jedes Arbeitnehmenden auf eine monatliche Lohnabrechnung gehört zur Lohnzahlungspflicht des Arbeitgebers und könnte unter Umständen auch gerichtlich eingeklagt werden.

Aus der Lohnabrechnung müssen alle Abzüge und Zuschläge klar und detailliert hervorgehen. Die Lohnrechnung soll dem Arbeitnehmenden Klarheit über den effektiv ausbezahlten Lohn verschaffen und ihm die Gelegenheit geben zu kontrollieren, ob die Sozialabzüge korrekt berechnet worden sind.

In der Praxis wird teilweise die Meinung vertreten, es sei zulässig, eine Lohnabrechnung nur dann zu erstellen, wenn bei den Beträgen auf der Lohnauszahlung eine Veränderung eintritt. Allerdings handelt es sich hier um eine reine Praxis ohne rechtliche Absicherung. Angestellten, die eine monatliche Abrechnung explizit wünschen, muss deshalb auch bei gleichbleibendem Lohn eine monatliche Lohnabrechnung zugestellt werden.

Wie wichtig die Lohnabrechnung sein kann, zeigt sich etwa, wenn der Arbeitgeber zwar den AHV-Beitrag gemäss Lohnabrechnung vom Lohn abzieht, ihn aber nicht an die Ausgleichskasse weiterleitet. Sollte dieses Phänomen später einmal festgestellt werden, muss der Arbeitnehmende beweisen können, dass der Arbeitgeber seinerzeit den Beitrag bezahlt hat. Dieser Nachweis wird in aller Regel aber nur mit den dazumal erhaltenen Lohnabrechnungen gelingen. Gelingt der Nachweis, wird das entsprechende Einkommen von der AHV selbst dann gutgeschrieben, wenn es beim damaligen Arbeitgeber nicht mehr eingezogen werden kann. Darum ist es durchaus sinnvoll, auf seine monatliche Lohnabrechnung zu beharren.

Um das Arbeitsklima nicht zu gefährden, rate ich dir allerdings, zunächst nochmals das persönliche Gespräch mit deinem Vorgesetzten zu suchen. Ist er dazu nicht bereit, solltest du dein Anliegen schriftlich per eingeschriebenem Brief geltend machen.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

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