Mein Horrordate  - «Mein Date fand mich nur so toll, weil ich Asiatin bin»
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Mein Horrordate «Mein Date fand mich nur so toll, weil ich Asiatin bin»

Die 24-jährige Yumiko trifft sich mit Game-Nerd Nick (28). Schnell wird ihr klar, dass Nick sie nur wegen einer Sache daten will: Weil sie japanischer Herkunft ist.

von
Meret Steiger
Yumikos Date Nick hat ein Faible für asiatische Frauen – und fragwürdige Meinungen zu Feminismus. (Symbolbild)

Yumikos Date Nick hat ein Faible für asiatische Frauen – und fragwürdige Meinungen zu Feminismus. (Symbolbild)

Pexels / Oziel Gomez

Darum gehts

«Ich bin das Kind japanischer Einwanderer, bin aber in der Schweiz geboren. Ich bin, abgesehen von meinem Aussehen, ganz klar mehr Schweizerin als Japanerin. Mein Bezug zu Japan beschränkt sich auf meine Eltern und gewisse Lebensmittel, die bei uns Zuhause oft gegessen werden.

Dass mein Dasein als Japan-Schweizerin beim Date mit Nick zum Problem wird, hätte ich eigentlich ahnen müssen. Ich wurde davor schon wegen meines Aussehens fetischisiert und weiss nicht, wie ich beim Schreiben mit Nick all die Warnsignale übersehen konnte.

«Er versucht, mich immer wieder mit seinem Japanisch zu beeindrucken»

Im Nachhinein … schon Nicks erste Nachricht an mich war sowas wie ‹Wow, du bist die schönste Tochter Asiens› oder sowas ähnlich Schräges. Aber er hat mir halt gefallen: Nick war voll mein Typ, deswegen habe ich das erstmal ignoriert. Auch als er mich dann immer mal wieder mit einigen Brocken Japanisch beeindrucken wollte, fand ich das noch irgendwie süss – dabei kann ich kaum Japanisch.

Bei unserem Treffen wird es dann aber richtig schlimm. Wir verabreden uns (auf Nicks Wunsch, natürlich) in einem Sushi. Unsere Begrüssung läuft noch gut, als Nick dann aber den Kellner auf Japanisch begrüsst, wird es mir schon ein bisschen peinlich.

«Nick hatte anscheinend schon fünf asiatische Freundinnen»

Im Gespräch scheint sich Nick kaum für mich als Person zu interessieren. Er erzählt nur über seine grosse Liebe zu Mangas, Animes und allem, was mit asiatischer und speziell japanischer Kultur zu tun hat. Dabei lässt er auch beiläufig fallen, dass seine letzten fünf (ja, FÜNF) Freundinnen alle aus asiatischen Ländern waren. Cool – nicht?

Irgendwann, als Nick zum wiederholten Mal versucht, auf Japanisch mit mir zu flirten, platzt mir der Kragen. Ich weise ihn darauf hin, dass ich ihm schon mehrfach gesagt habe, dass ich kein Japanisch kann und versuche ihm zu erklären, warum ich mich in diesem Gespräch fetischisiert fühle und das nicht so toll finde.

«Nick glaubt, weil er Asiatinnen liebt, kann er kein Rassist sein»

Nick kann mein Problem so gar nicht nachvollziehen. Lang und breit erklärt er mir, dass es doch nichts Schlechtes ist, dass er auf meine ‹Porzellanhaut und die schönen, schmalen Augen steht›. Ich bin kurz davor, ihm in diesem einen Punkt zuzustimmen, schliesslich dürfen wir alle Präferenzen haben, aber dann kommt der Killersatz: ‹Und überhaupt, ihr Asiatinnen seid noch richtige Frauen. Nicht so aggressive Feministinnen!›

Ich wusste es doch. Ich wusste, Nick ist ein Rassist – und frauenfeindlich gleich dazu. Offensichtlich ist das Date zu diesem Zeitpunkt für mich gelaufen. Kurz überlege ich mir, eine Diskussion mit Nick anzufangen, aber dazu habe ich nicht die Geduld. Ich stehe auf, erkläre ihm, dass das wohl nichts wird, bezahle die Rechnung und gehe. Was für ein mieses Date. 

*Name geändert.

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