Das Date wegen World of Warcraft Game unterbrochen.
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Mein Horrordate«Mein Date hat mich für Computerspiele sitzengelassen»

Nora (24) hat ein Date mit ihrem Kindergartenfreund Thomas (25). Dieser lässt sie aber während des Treffens sitzen – für ein Game.

von
Meret Steiger
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Thomas* (25) beschäftigt sich bei seinem Date mit Nora* (24) lieber mit der Jagd nach virtuellen Monstern.

Thomas* (25) beschäftigt sich bei seinem Date mit Nora* (24) lieber mit der Jagd nach virtuellen Monstern.

Illu: Anna Deér

Darum gehts

  • Nora* (24) trifft ihren Chindsgi-Crush Thomas* (25) wieder.

  • Die beiden verstehen sich auf Anhieb wie vor 20 Jahren.

  • Als Nora bei Thomas zum Abendessen eingeladen ist, erlebt sie eine unangenehme Überraschung.

«Ich habe mich mega gefreut, Thomas wieder zu sehen. Wir waren als Kinder sehr gut befreundet, haben uns aber als Teeanger irgendwann aus den Augen verloren. Thomas war schon immer sowas wie mein erster Crush. Alls kleines Mädchen habe ich schon mit ihm «Familie» gespielt und wenn ich nicht mit zwölf Jahren die Schule gewechselt hätte, dann wären wir als Jugendliche bestimmt mal ein Paar geworden.

Bei unserem zufälligen Wiedersehen an einer Geburtstagsparty ist mir als erstes aufgefallen, was für ein attraktiver Mann aus dem herzigen Jungen von damals geworden ist. Ich habe mich sofort – oder immer noch, wie man es nimmt – zu ihm hingezogen gefühlt. Wir haben uns wunderbar unterhalten und Thomas hat mich für das folgende Wochenende zum Essen zu sich nach Hause eingeladen.

«Ich habe mich extra in ein Nerd-Outfit geworfen»

Am Samstagabend habe ich mich, für Date-Verhältnisse, eher entspannt angezogen: Gemütliche schwarze Leggings und einen übergrossen Pulli mit einem Star Wars-Motiv. Thomas und ich hatten die Filme als Kinder geliebt und ich weiss, er ist auch heute noch ein Nerd und steht auf Fantasy, Science-Fiction und Computerspiele. Hätte ich nur geahnt, wie sehr.

Ich klingle und Thomas öffnet mir strahlend die Tür. Ich habe mich zwar extra ein bisschen chillig angezogen, aber Thomas sieht ehrlich gesagt aus, als hätte er sein Zimmer seit vier Tagen nicht mehr verlassen. Leicht gammlige Trainerhosen und ein T-Shirt mit wenigen, aber doch unübersehbaren (und undefinierbaren) Flecken. Igitt.

«Ich bin gleich bei dir, ich muss noch eben meiner Gilde Tschüss sagen»

Thomas umarmt mich – und ist dann mit den Worten «Ich bin gleich bei dir, ich muss noch eben meiner Gilde Tschüss sagen», wieder in einem Zimmer verschwunden. Okay. Ich finde selbstständig ins Wohnzimmer und öffne erstmal den Wein, den ich mitgebracht habe. In der leider ein bisschen dreckigen Küche finde ich Weingläser und gönne mir einen grossen Schluck, bis Thomas kurz darauf wieder kommt.

Nach diesem komischen Anfang scheint es plötzlich ganz gut zu laufen. Wir verstehen uns einfach genau so gut wie früher, es gibt keine unangenehmen Gesprächspausen und ich fühle mich in seiner Gegenwart sehr wohl. Eigentlich ist alles richtig schön. Eigentlich. Bis ich ihn gegen 20 Uhr frage, ob wir zusammen etwas kochen oder Essen bestellen wollen – langsam steigt mir nämlich der Wein zu Kopf.

«Denkt er, ich bleibe einfach hier sitzen und warte?»

Thomas schüttelt den Kopf und sagt mit der grössten Selbstverständlichkeit: «Ich kann nicht, ich muss gleich noch an einen Raid, Monster jagen mit meiner Gamecrew. Aber du kannst dir sehr gerne etwas bestellen.» Äxgüsi? Glaubt Thomas etwa wirklich, ich sitze hier alleine auf seinem Sofa, während er mit seinen Kumpels virtuelle Monster kaputt schlägt? Er scheint mir anzusehen, dass ich vor den Kopf gestossen bin und versucht sich zu erklären:

«Weisst du, ich und meine Gilde wollen bei World of Warcraft einen Schlachtzug machen und heute Abend ist der einzige Termin, an dem alle Zeit hatten und ...» ich unterbreche Thomas, stehe auf und frage ihn, ob er mich wirklich gerade für ein Computerspiel sitzen lassen will. Er schielt nur nervös auf seine Uhr und murmelt halbherzige Entschuldigungen, während er mich zur Haustür begleitet. Ich bleibe ganz bestimmt nicht alleine hier und warte, bis er fertig gespielt hat.

«So schnell ist der Zauber verflogen»

Ich verlasse das Haus und bin traurig. Mag ja sogar sein, dass das jetzt wirklich einfach dummes Timing war, aber für mich sagt es schon sehr viel aus, dass er sich während unseres ersten Dates lieber mit seinen Freunden beschäftigt.

Vielleicht hätte ich ihm sogar noch eine Chance gegeben, aber ich habe schnell gemerkt: Für mich ist der Zauber verflogen. Und ich muss sagen: Ich habe kein Bedürfnis, seine gammligen Trainerhosen so bald wiederzusehen.»

*Namen geändert

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