Mein Horrordate: «Mein Date hat sich einmal quer durch die Menükarte gefressen!»

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Mein Horrordate«Mein Date hat sich einmal quer durch die Menükarte gefressen!»

Jessi* (31) hat ein Date mit Andrin* (33), der ausgehungert wirkt. Nur ist er nicht «hungrig nach Liebe», wie die Romantikerin gehofft hat, sondern eher auf Schnitzel.

von
Meret Steiger
Jessi* staunt nicht schlecht, als sich ihr Date Andrin* quer durch die Speisekarte isst.

Jessi* staunt nicht schlecht, als sich ihr Date Andrin* quer durch die Speisekarte isst.

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Darum gehts

  • Jessi* (31) trifft sich mit Andrin* (33).

  • Beim Date bestellt Andrin Essen für drei.

  • Er schlingt sich einmal quer durch die Speisekarte.

«Im Vergleich mit den anderen Horrordates, von denen ich schon gehört habe, ist meines eher harmlos – aber es war halt echt schräg! Ich habe mich erst kürzlich dazu durchgerungen, endlich mal eine Dating-App auszuprobieren und mein Date mit Andrin war erst das zweite Treffen, das mithilfe dieser Plattform zustande gekommen ist.

Meine Freundinnen haben mir empfohlen, sich bei solchen Dates eher auf Drinks oder Kaffee zu treffen, damit ich, falls es unangenehm wird, schneller wieder gehen kann. Aber bei Andrin bin ich mir sicher, dass das matcht: Wir haben ähnliche Hobbies und interessieren uns für die gleichen Filme und Musik. Und weil wir uns beim Schreiben so gut verstehen und die Konversation fast von selbst läuft, bin ich bereit, mit Andrin Abendessen zu gehen.

«Er hatte so einen hungrigen Blick!»

Wir treffen uns also vor einem Restaurant in Solothurn und Andrin begrüsst mich überschwänglich. Wir setzen uns an einen Tisch und schon da fällt mir auf, dass Andrin hungrig aussieht. Nicht hungrig nach Essen, denke ich mir da noch, sondern hungrig auf… mich? Ich finds jedenfalls irgendwie herzig.

Als Andrin dann die nächsten 15 Minuten schweigend hinter der Menükarte verschwindet, finde ich es schon ein bisschen seltsam. Aber gut, vielleicht ist er ja ein Gourmet und will diese Entscheidung nicht leichtfertig treffen. So warte ich, während ich mich bereits für eine Vorspeise und einen Hauptgang entschieden habe.

«Sogar der Kellner fragt, ob denn nochmal jemand kommt…»

Als der Kellner schliesslich unsere Bestellung aufnimmt, wird es schräg: Andrin bestellt vier (ja, VIER) Vorspeisen und drei komplette Hauptgänge. Der Kellner schaut etwas irritiert und fragt, ob er nochmal ein Gedeck bringen soll und wir nochmal jemanden erwarten. Nein. Tun wir nicht. Andrin hat einfach wahnsinnigen Hunger.

Als die ganzen Gerichte schliesslich am Tisch sind, ist kaum mehr Platz für unsere Gläser, einen Teller stellt der Kellner sogar auf einen kleinen Beistelltisch. Ich kann kaum wegschauen, während Andrin das Essen vernichtet – und ja, ich kann es nicht anders sagen. Vernichtet ist das richtige Wort. Wie ein Müllschlucker schmatzt er sich durch seine diversen Speisen, spricht mit vollem Mund und veranstaltet eine Riesensauerei.

«Und dann will er die Rechnung auch noch durch zwei teilen…»

Zu diesem Zeitpunkt bin ich richtig abgeturnt. Ich esse auch gerne, aber wie er all diese Dinge in sich reinstopft, ist richtig unsexy. Und das Reden mit vollem Mund geht auch gar nicht. Ich bin mir fast sicher, dass er mir mal ein bisschen Kartoffelsalat auf den Teller gespuckt hat, als er besonders laut gelacht hat. Igitt.

Irgendwann sind die Teller leer und ich frage mich, wo der eigentlich schlanke Andrin diese Kalorien alle hingepackt hat. Der Gipfel kommt aber erst noch: Wir hatten vorher darüber gesprochen, dass ich mich bei Dates ungern einladen lasse, weil mir das so ein Gefühl von Verpflichtung gibt. Andrin nutzt dieses Statement, um die Rechnung durch zwei zu teilen, obwohl er fast für drei gegessen hat. Ich bin zu perplex, um mit ihm zu diskutieren und bezahle so weit über 100 Franken – und dabei hatten wir nicht mal Wein!» 

*Namen geändert

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