Lieber Phil Geld: Mein Ex-Chef redet schlecht über mich
Aktualisiert

Lieber Phil GeldMein Ex-Chef redet schlecht über mich

Paul (27) hat seine alte Arbeitsstelle im Streit aufgegeben. Jetzt hat sein ehemaliger Arbeitgeber ohne seine Erlaubnis eine schlechte Referenz über ihn abgegeben. Darf er das?

Ohne ausdrückliche Erlaubnis darf der Ex-Chef keine Refferenz abgeben.

Ohne ausdrückliche Erlaubnis darf der Ex-Chef keine Refferenz abgeben.

Lieber Phil Geld

Kürzlich habe ich mich auf eine Stelle beworben. Der Zufall wollte es, dass der Unternehmer meinen Ex-Arbeitgeber kennt. Dieser hat nun derart schlecht über mich geredet, dass ein anderer die Stelle erhielt. Ich habe meinem Ex-Arbeitgeber nie die Erlaubnis erteilt, Referenzen über mich zu erteilen. Unter anderem hat er die vertrauliche Information weitergegeben, dass er mich für angebliche Telefonkosten betrieben hat, worauf ich Rechtsvorschlag erhoben habe. Kann und soll ich Anzeige erstatten?

Lieber Paul

Referenzauskünfte dürfen gemäss Artikel 12 des Datenschutzgesetzes nur erteilt werden, wenn der Arbeitnehmer dem zugestimmt hat. Zudem gilt für die Referenzen dasselbe wie für Zeugnisse: Sie müssen sachlich, wahrheitsgetreu und wohlwollend sein. Sie dürfen das Fortkommen des Arbeitnehmers nicht unnötig erschweren. Inhaltlich dürfen sie die Feststellungen im Arbeitszeugnis vertiefen. Verboten ist das Weitererzählen von einzelnen Vorkommen, die für das gesamte Arbeitsverhältnis letztlich nicht entscheidend sind. Zu Letzterem gehört etwa die Unterstellung, dass du unerlaubterweise auf Kosten der Firma telefoniert hast.

Rechtlos bist du in dieser Situation nicht. Du hast Klagemöglichkeiten vor Gericht. Du musst aber damit rechnen, dass du dort auch beweisen musst, dass dein Ex-Chef tatsächlich in unzulässiger Weise über dich gesprochen hat. Das ist nicht immer einfach. Mit einer Unterlassungsklage kannst du verlangen, dass künftig solche Persönlichkeitsverletzungen nicht wieder vorkommen. Mit einer Beseitigungsklage kannst du fordern, dass dein Ex-Chef die von ihm erteilte Auskunft berichtigt. Möglich ist auch, vor Gericht eine Genugtuung zu fordern.

Nicht nur dein ehemaliger Arbeitgeber, auch derjenige, bei dem du dich beworben hast, hat sich nicht korrekt verhalten. Wer hinter dem Rücken eines Stellenbewerbers Auskünfte über diesen einholt, macht sich nach Datenschutzgesetz (Art. 4 Abs. c Ziff. 2) wegen Verletzung der Intimsphäre strafbar. Der potenzielle neue Arbeitgeber muss die bei ihm eingegangene Bewerbung vertraulich behandeln. Eine Referenzanfrage bei der Anbahnung des Arbeitsvertrages ist nur zulässig, wenn die Einwilligung des Bewerbers vorliegt. Diese Auflage ist beispielsweise dann erfüllt, wenn die Auskunftsperson im Bewerbungsschreiben als Referenz angegeben wird.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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