Doktor Sex: «Mein Freund will täglich Sex, aber mir ist das zu viel!»
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Doktor Sex«Mein Freund will täglich Sex, aber mir ist das zu viel!»

Jana (26) hat Angst, dass die unterschiedlichen sexuellen Bedürfnisse in ihrer Beziehung zur Trennung führen könnten. Doktor Sex beruhigt sie.

von
Bruno Wermuth
Jana (26) hat weniger oft Lust auf Sex als ihr Freund. Sie sorgt sich, ob das auf Dauer so funktionieren kann. 

Jana (26) hat weniger oft Lust auf Sex als ihr Freund. Sie sorgt sich, ob das auf Dauer so funktionieren kann. 

Pexels / Cottonbro

Frage von Jana (26) an Doktor Sex

Ich bin seit einem Jahr in einer Beziehung mit einem zwei Jahre älteren Mann. Unser Leben ist voller Abwechslung und wir passen super zusammen. Was den Sex angeht, fühle ich mich aber unter Druck. Mein Freund möchte täglich Sex, aber ich habe nicht so oft Lust. Daher findet unser Liebesspiel nur etwa zwei bis drei Mal in der Woche statt.

Jetzt habe ich Angst, dass ihm das zu wenig ist und er sich von mir trennt. Er versichert mir, dass er das niemals tun würde und mich über alles liebt. Trotzdem kann ich mich nicht entspannen. Man hört ja so einiges in Zusammenhang mit den Auswirkungen von Lustlosigkeit auf die Beziehung. Wie kann ich diese Sorge loslassen?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Jana

Sex ist wohl den meisten Menschen in einer Beziehung wichtig. In einer länger dauernden Partnerschaft ist er jedoch nicht der alles entscheidende Inhalt. Auch wenn manche Paare in der ersten Phase der Verliebtheit fast täglich Sex haben: Auf Dauer nimmt die Kadenz bei den allermeisten kontinuierlich ab und pendelt sich irgendwo zwischen wöchentlich einmal und monatlich mehrmals ein.

Du scheinst deine Aufmerksamkeit vor allem auf die Quantität zu legen und zu vergessen, dass das «Wie» letztlich viel wichtiger ist als das «Wie oft»! Sexuelle Befriedigung entsteht nicht durch häufigen Sex. Sie beruht vor allem auf der Qualität des Zusammenseins. Diese wiederum hängt davon ab, wie ein Paar seine Beziehung pflegt, wie es mit individuellen Wünschen und Bedürfnissen umgeht, wie kommuniziert wird und ob gegenseitiges Vertrauen da ist.

Es gibt nichts auf der Welt, was nicht Veränderungen unterworfen ist. Es ist daher wichtig, den Umgang mit dieser Dynamik zu erlernen und seine Energie nicht zu verschwenden mit der Bemühung, sich für alle Eventualitäten abzusichern. Auf der Ebene der Beziehung bedeutet dies, mit der Partner*in in einen herzoffenen Dialog zu treten. Hast du deinem Freund schon einmal ehrlich erzählt, was dich beunruhigt? Ich meine nicht «nur» von deiner Angst, von ihm verlassen zu werden, weil ihr zu wenig Sex habt, sondern davon, dass du nicht sicher bist, ob du dich auf diese Beziehung und ihn wirklich verlassen kannst.

Dich so zu zeigen, würde Voraussetzungen schaffen, um in weiteren Gesprächen darüber zu reden, was in einer Beziehung – und insbesondere in eurer – wirklich wichtig ist. Alles Gute!  

Deine Frage an Doktor Sex

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Du kannst deine Frage per Formular oder per E-Mail an doktor.sex@20minuten.ch schicken.

Bruno Wermuth führt in eigener Praxis in Bern und Zürich Paarberatung und Sexualberatung durch. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sexualität. www.brunowermuth.ch

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Hier findest du Hilfe:

Lilli.ch, Onlineberatung

Tschau, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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