Aktualisiert 05.06.2014 14:56

Brand in Altenrhein

«Mein frisch restauriertes Boot ist ein Wrack»

Neun Bootsbesitzer müssen nach einem Brand mitansehen, wie ihre Boote als Wracks aus dem Bodensee geborgen werden. Ein Lokalpolitiker hatte sein Boot gerade aufwändig restauriert.

von
sst

Nach dem grossen Bootsbrand vom Donnerstagmorgen am Bodensee sind die betroffenen Bootsbesitzer schockiert. Eine 44-jährige Mutter etwa hatte vom Brand gehört und fuhr sofort zum Jägerhaushafen in Altenrhein. Was sie und ihre beiden Söhne dort sahen, trieb ihr die Tränen in die Augen: «Unser Boot ist zum Wegwerfen», sagte sie, während die Buben nur noch weg wollten. Pfingsten hätte die Familie auf dem Bodensee verbringen wollen, nun hat der Brand die ganze Boots-Sommersaison zerstört.

Auch der 52-jährige Ernst B. hatte eine innige Beziehung zu seinem Boot: «Wir verbringen seit 23 Jahren jede freie Minute darauf – jetzt ist es nur noch Schutt und Asche.» Acht Motorboote und ein Seegelboot wurden zerstört, die Kantonspolizei St. Gallen schätzt den Schaden auf mehrere hunderttausend Franken. Nicht zu beziffern ist hingegen der emotionale Schaden für die Bootsbesitzer.

800 Stunden Arbeit abgesunken

Besonders hart getroffen hat es den Thaler CVP-Gemeinderat Martin Rissi: Er hat vor zwei Jahren ein altes Boesch 640-Motorboot erstanden und in dieses seither in 800 Stunden Arbeit restauriert. «Ich kannte jede Schraube, die Stühle hatte ich selber geschreinert», so Rissi. Nächste Woche hätte das Boot vorgeführt werden sollen, um dann für die Sommersaison gerüstet zu sein. Doch nun bleiben der Familie Rissi nur ein Fotobuch von der Restauration und der Probefahrt. Das Boot ist abgesoffen – Polizeitaucher müssen es vom Grund bergen. «Das müssen wir nun zuerst verarbeiten», so der Lokalpolitiker. Zuerst habe er an einen schlechten Scherz geglaubt.

Brandursache unklar

Nach dem Brand ist die Solidarität im kleinen Hafen gross: «Wir werden den Betroffenen sicherlich unter die Arme greifen und sie mal auf einen Törn mitnehmen», sagt Hanspeter Louis (62). Obwohl sein Boot unversehrt blieb, ist auch Louis tief geschockt: «Ich kenne alle Böötler hier », sagt er. Er geht davon aus, dass es auf einem der Boote zu einem Kurzschluss gekommen sei, denn diese sind im Hafen an den Strom angeschlossen, um zum Beispiel Kühlschränke zu betreiben. Der kriminaltechnische Dienst der St. Galler Polizei wird die Brandursache nun ermitteln. Ob dies überhaupt möglich ist, ist angesichts der abgefackelten Boote jedoch noch unklar.

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