Religion in der Pandemie - «Mein Glaube war im letzten Jahr mein einziger Halt»
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Religion in der Pandemie«Mein Glaube war im letzten Jahr mein einziger Halt»

Seit der Pandemie suchen Menschen vermehrt Rat und Hoffnung bei religiösen Institutionen. Sechs Personen erzählen, was sie glauben – und wie sich dies durch die Krise verändert hat.

von
Céline Krapf
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«Auch wenn ich vielleicht mal nicht mit allem einverstanden bin, bete ich für die physische und psychische Gesundheit unserer Landesregierung, die so eine grosse Verantwortung tragen muss und das Beste für unser Land gibt», sagt Lorena Maida (32).

«Auch wenn ich vielleicht mal nicht mit allem einverstanden bin, bete ich für die physische und psychische Gesundheit unserer Landesregierung, die so eine grosse Verantwortung tragen muss und das Beste für unser Land gibt», sagt Lorena Maida (32).

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Vermehrt suchen Menschen im Glauben Hoffnung: «Religionen bieten in Krisenzeiten Orientierung und Unterstützung», sagt Isabelle Noth, Co-Direktorin des Instituts für Praktische Theologie der Universität Bern.

Vermehrt suchen Menschen im Glauben Hoffnung: «Religionen bieten in Krisenzeiten Orientierung und Unterstützung», sagt Isabelle Noth, Co-Direktorin des Instituts für Praktische Theologie der Universität Bern.

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«Jesus ist durch die Pandemie für mich zu einer Konstante geworden», sagt Jonas Greuter (27).

«Jesus ist durch die Pandemie für mich zu einer Konstante geworden», sagt Jonas Greuter (27).

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Darum gehts

  • Durch die Pandemie rückten die Themen Tod und Vergänglichkeit in den Fokus.

  • Viele Menschen wandten sich mit ihren Fragen an religiöse Institutionen.

  • Sechs Personen bieten einen Einblick, wie sich ihre Glaubenswelt durch die Pandemie verändert hat.

Lorena Maida (32) – «Ich bete für den Bundesrat»

«Für mich war der Glaube im letzten Jahr mein einziger Halt. In der ersten Phase der Pandemie wollte ich das Ausmass der Krise nicht wahrhaben, habe weitergelebt wie zuvor, war teilweise gar fahrlässig. Nach einiger Zeit wurde mir dies aber bewusst – das Virus nahm dann aber plötzlich so viel Raum in meinen Gedanken ein, dass mir dies meine ganze Lebensfreude raubte. In diesem Moment wandte ich mich an Gott. Er nahm mir meine Angst, meinen Frust. Er zeigte mir, in der Bibel, im Gebet und beim Singen von Psalmen, dass er gute Pläne mit uns hat. Zwar war ich bereits vorher gläubig, aber erst durch meinen Tiefpunkt bin ich wieder bewusster und intensiver in Kontakt mit Gott – nirgendwo anders finde ich zur Zeit meine Ruhe und Hoffnung. Ich bete deshalb auch regelmässig, wenn sich beispielsweise der Bundesrat trifft. Auch wenn ich vielleicht mal nicht mit allem einverstanden bin, bete ich für die physische und psychische Gesundheit unserer Landesregierung, die so eine grosse Verantwortung tragen muss und das Beste für unser Land gibt.»


R.R.* (21) – «Allah ist mein Wegweiser»

«Der Glauben hat mir geholfen, die Hoffnung nicht zu verlieren und auf dem richtigen Weg zu bleiben», sagt R. (21).

«Der Glauben hat mir geholfen, die Hoffnung nicht zu verlieren und auf dem richtigen Weg zu bleiben», sagt R. (21).

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«Die Pandemie hat meinen Glauben an Allah verstärkt. Insbesondere während der ersten Welle kamen neue Fragen auf, die ich mit Kollegen und Familie diskutierte: Wie sollen wir mit den Einschränkungen umgehen? Was geschieht mit mir, wenn ich sterbe? Der Glauben hat mir geholfen, die Hoffnung nicht zu verlieren und auf dem richtigen Weg zu bleiben. Ich bin heute dankbarer für die Möglichkeiten, die wir vor der Pandemie hatten. Für mich und die ganze Gesellschaft ist es essentiell, dass wir auf etwas vertrauen können während dieser schwierigen Zeit – als Wegweiser in einer schwierigen Welt, die durch ein kleines Virus komplett auf den Kopf gestellt wird.»


Menschen suchen vermehrt Rat in Religionen

Ob katholische Kirche, Islam, Freikirche oder andere religiöse Anlaufstellen: Aufgrund der Pandemie wurden viele Menschen zu Suchenden – Rat holen sie sich oft im Glauben. «Religionen bieten in Krisenzeiten Orientierung und Unterstützung. Sie sind Kraftquellen und bieten psychische Stabilität», sagt Isabelle Noth, Co-Direktorin des Instituts für Praktische Theologie der Universität Bern. Weitere Gründe und wie die Institutionen mit der erhöhten Nachfrage umgehen, steht im Artikel «Seelsorge verzeichnet Corona-Boom».


Jonas Greuter (27) – «Mein Verhalten musste ich nach Gott ausrichten»

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«Wenn ich mich nicht richtig verhalte, lässt er mich dies fühlen», sagt Jonas Greuter.

«Wenn ich mich nicht richtig verhalte, lässt er mich dies fühlen», sagt Jonas Greuter.

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«Jesus ist durch die Pandemie für mich zu einer Konstante geworden. In meiner kleinen Firma ging einiges schief im Coronajahr, ich bin grössere Risiken eingegangen als zuvor und habe falsche Entscheidungen getroffen – Gott hat mich aufgefangen. Ich konnte meine Sorgen in seine Hände legen. Doch das erfordert auch, dass ich mein Verhalten danach ausrichte, im Kleinen wie im Grossen. Wenn ich mich nicht richtig verhalte, lässt er mich dies fühlen. Früher war ich der Meinung, ich bin Christ, gläubig und deshalb soll mir Gott alle meine Bedürfnisse erfüllen. Doch nun wurde mir bewusst: Er selbst ist das einzige, was ich wirklich brauche. Durch ihn erlebe ich innere Freude – und damit die Befriedigung aller meiner Bedürfnisse.»


Günther Zwahlen (60) – «Eine höhere Macht wirkt sich regulierend auf die Welt aus»

«Das Virus hat sich meiner Meinung nach ausgebreitet, um den Planeten vor unserem Raubbau zu beschützen», sagt Günther Zwahlen.

«Das Virus hat sich meiner Meinung nach ausgebreitet, um den Planeten vor unserem Raubbau zu beschützen», sagt Günther Zwahlen.

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«Die Pandemie hat mich in meinem Glauben bestätigt. Ich bin christlich-reformiert, an einen Gott im herkömmlichen Sinn glaube ich aber nicht. Es ist eher eine undefinierte, höhere Macht, die sich regulierend auf die Welt auswirkt – neutral, ohne uns als Wesen bestrafen oder bevorzugen zu wollen. Das Virus hat sich meiner Meinung nach ausgebreitet, um den Planeten vor unserem Raubbau zu beschützen und die Natur in einem Gleichgewicht zu halten. Denn wir Menschen breiten uns vorzu aus, werden immer zahlreicher - in der Natur sind wir längstens nicht mehr integriert, sondern haben uns dem Zyklus der Welt entrissen. Die Pandemie hat bei mir zur Erkenntnis geführt, dass wir uns dringend Gedanken machen müssen, wie wir mit der Welt umgehen wollen, um diese Balance aufrechtzuerhalten. Ich bin überzeugt, wir müssen uns in Zukunft anders verhalten, um in diesem System bestehen zu dürfen.»


T.Z.* (25) – «Ich habe meine erste Bibel gekauft»

«Ich habe mich während der Pandemie von meinem Partner getrennt und fühlte mich daraufhin sehr einsam - noch nie war ich längere Zeit Single und durch Corona fielen nun diverse Ablenkungsmöglichkeiten weg. An diesem Tiefpunkt kam ich per Zufall in Kontakt mit einer christlichen Glaubens-Gruppe. Ihre Ansätze und ihr Glaube boten mir eine neue Perspektive. Seitdem nehme ich regelmässig an diesen Meetings teil, lese Bücher zum Thema und höre Predigten. Ich bin katholisch, lebte bislang völlig ohne Bezug zur Religion - mittlerweile habe ich aber sogar meine erste Bibel gekauft! Der Glaube hat mir enorm geholfen: Auch wenn ich jetzt auf einer einsamen Insel wäre - ich weiss, ich bin nicht alleine.»


Gerdina B.* (66) – «Die Pandemie ist erst der Anfang einer grossen Endzeit»

«Ich habe heute keine Angst mehr vor Corona oder dem Tod: Denn wenn ich sterbe, weiss ich, wo ich hinkomme», sagt Gerdina B.*

«Ich habe heute keine Angst mehr vor Corona oder dem Tod: Denn wenn ich sterbe, weiss ich, wo ich hinkomme», sagt Gerdina B.*

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«Seit Corona bin ich näher zu Gott gekommen. Vor der Pandemie lebte ich zwar christlich, habe mich aber nicht mehr so darum gekümmert. Dann hatte ich aber in der ersten Welle mit Angstzuständen zu kämpfen und merkte, dass ich so nicht weiterleben kann. Ich wendete mich an Gott: Wenn du mich liebst, holst du mich da raus’. Er hat mich vom Druck von aussen befreit, heute bin ich frei von allem. Ich stehe freudig auf, bete mehrmals täglich und höre am Abend regelmässig Botschaften der niederländischen Kirche. Corona will uns ablenken vom wirklichen Geschehen in der Welt. Ich glaube daran, dass die Pandemie erst der Anfang ist einer grossen Endzeit. Wie die ersten Wehen einer schwangeren Frau. Ich habe heute keine Angst mehr vor Corona oder dem Tod: Denn wenn ich sterbe, weiss ich, wo ich hinkomme.»


*Name der Redaktion bekannt

Brauchst du oder braucht jemand, den du kennst, Beratung oder Hilfe zum Thema Glauben und Religion?

Hier findest du Hilfe:

Infosekta, Fachstelle für Sektenfragen, Tel. 044 454 80 80

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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