Aktualisiert 23.10.2003 19:23

Mein Leben mit Eros

Seit zwanzig Jahren reiht Eros Ramazzotti Hit an Hit. Warum er zur Vergangenheit gehört wie ein BMX-Velo: Ein Geständnis.

Text -- Martina Rissi

Eros Ramazzotti hat eine Schwäche: Schweizerinnen. Obwohl der römische Schmusesänger erst kürzlich von einer langbeinigen Ausführung versetzt wurde, hält er an den Qualitäten der Eidgenossinnen fest: «Schweizerinnen sind molto sexy», verkündete er schon 1987. Doch wie betörend finden wir ihn?

Nett, sage ich als Durchschnitts-Mittzwanzigerin. Unvergänglich wie die Erinnerungen an mein Schaukelpferd oder die Knutschpubertät. Eros war einfach da. Mein Leben lang.

1985 -- Cuori Agitati/Nuovi Eroi

Wenn ich (damals im unschuldigen Vorschulalter) behaupten würde, ich könne mich an Eros' erste Alben erinnern, wärs gelogen. Was geblieben ist, sind die Erinnerungen an die stänkernden Ausrufe meiner Grossmutter. Sie konnte sich (und macht es heute noch) stundenlang über die nasalen As und Es von Ramazzotti auslassen («Der klingt wie ein erkälteter Staubsauger»). Unrecht hat sie nicht. Doch mit «Buongiorno bambina» und «Adesso tu» wurde genau das zu seinem Markenzeichen.

1988 -- Musica E

Ich hab ihn gehasst, diesen sülzenden Schmachtbarden auf der CD («Musica è») meiner Freundin Conny. Warum? Weil ich – beschämenderweise – zur Gruppe bekennender Nicki-Fans gehörte. In den Ferien mit der begeisterten Ramazzotti-Anhängerin war Dauer-Musik-Zoff angesagt. Und angesichts des Aufenthaltes in Italien stellten sich die Erwachsenen natürlich gegen mein geliebtes «Bayrisches Cowgirl».

1996 -- Dove C'È Musica

Ab Mai 1996 wars dann auch um mich geschehen. Eros' achtes Studioalbum «Dove c'è musica» schlug ein wie eine Bombe. Die Auskoppelung «Più bella cosa», leidenschaftlich verfasst für Michelle Hunziker, liess keine halbwegs Pubertierende kalt. Heimlich fragte ich mich: Hätte nicht auch ich diejenige sein können, die im Videoclip zu bestaunen ist? Immerhin ist la Hunziker nur lächerliche drei Jahre älter. Keine Chance: Am 4. Dezember kam Tochter Aurora Sophie zur Welt – und Eros begeisterte als aufopfernder Vater gleichermassen wie mit dem Song «L'aurora».

2003 -- 9

Heute ist alles anders — und doch gleich. Michelle ist zwar weg, und der ergraute Fast-Vierzigjährige hat mit dem melancholischen Album «9» seinen Trennungsschmerz verarbeitet («Ti vorrei rivivere»), doch sein Image hat sich kaum verändert.

Und nun ist die Chance der tränenvergiessenden Teenager von 1996 da: Single Eros kommt nach Zürich. Ob ich zumindest versuchen sollte, mich dem ewigen Beau in die Arme zu schmeissen? Nein, denn: Das BMX-Velo, das ich mir damals sehnlichst wünschte, aber nie erhielt, werde ich mir wohl auch nie kaufen.

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