Rapper Marteria: «Mein Leben stand wirklich auf der Kippe»
Aktualisiert

Rapper Marteria«Mein Leben stand wirklich auf der Kippe»

Heute erscheint «Roswell», das neue Album von Marteria. Mit 20 Minuten sprach der Rapper darüber, warum er letztes Jahr fast gestorben ist.

von
Lucien Esseiva

Rapper Marteria über Aliens – und wieso sein Leben auf der Kippe stand (Video: Murat Temel).

Marteria, wie bist du auf den Album-Titel «Roswell» gekommen?

Ich hatte so ein filmisches Bild des Ortseingangschild von Rostock, wo ich herkomme, im Kopf, bei dem die letzten Buchstaben abblättern. Aus Rostock wurde langsam Roswell – dieser Ort in den USA, wo in den 40er-Jahren angeblich ein Ufo abgestürzt sein soll. Auf dem Album habe ich einen Song mit dem Titel «Alien». Darin geht es aber nicht um Ausserirdische, sondern um Menschen.

In welchen Momenten fühlst du dich wie ein Alien?

Fremd zu sein, sich irgendwo integrieren zu müssen zieht sich durch mein ganzes Leben. Ob das früher in der Hip-Hop-Szene war – oder in New York, wo ich mit 17 hingezogen bin – dort wollte ich kein krasser Star sein, sondern einfach nur dazugehören.

Und heute?

Ich reise sehr viel, bin viel in der Welt unterwegs und bin darum eigentlich immer der Ausländer, kenne die Sprache nicht, muss mich integrieren und Leute kennen lernen, damit ich in den fremden Ländern die geilen Spots finde.

Kommt dieses Gefühl auch manchmal in der Hip-Hop-Szene auf?

Dort weniger. Hip-Hop bedient mittlerweile so viele Facetten, es gibt so viele Ansätze und Sparten. Schlussendlich sind wir eine grosse, gemeinschaftliche Szene.

Deine Texte haben oft viel Tiefgang. Was hältst du von deutschem Gangster-Rap?

Es ist immer Ansichtssache, wie man harte Texte findet und interpretiert. Es gibt auch in Deutschland sehr guten und glaubwürdigen Gangster-Rap. Es ist wichtig, dass Leute, die von der Strasse kommen, über die Strasse rappen. Das einzig Entscheidende ist die Glaubwürdigkeit und die Authentizität. Aber wenn jemand aus dem Vorort kommt und zwei Ponys zu Hause stehen hat, dann ist es eher schwierig.

Dein Song «Kids» pragert an, dass niemand mehr Party macht. Du aber auch nicht mehr, oder?

Stimmt. Ich habe ein neues Leben, habe mich von der Party-Welt verabschiedet und trinke keinen Alkohol mehr.

Warum?

Ich hatte ein gesundheitliches Problem. Meine Nieren haben versagt, mein Leben stand wirklich auf der Kippe. In solchen Momenten musst du einfach für dich entscheiden, wie du weiterleben willst. In erster Linie bin ich zwar ein Wahnsinniger, aber du musst dich schon fragen: Willst du noch weitere geile Sachen machen? Also habe ich mir andere Sachen als nur Party gesucht.

Was denn?

Ich gehe viel Angeln, bin mit verrückten Leuten auf den Meeren der Welt unterwegs. Ich liebe es auf dem Wasser zu sein, ich habe ein Boot, fahre rum ... man kann mit diesem Hobby sehr gut die Welt bereisen. Ich mag es, meinen Fisch zu fangen, statt ihn einfach nur zu kaufen.

Wie gefällt dir deine neue Nüchternheit?

Sehr gut! Ich fühle mich sehr klar, sehr scharfsinnig, ich habe viel mehr Kraft, bin viel aktiver und schreibe viel mehr Lieder. Das ist aber alles nur ein Hier-und-Jetzt-Bild. Ich weiss nicht, wie mein Leben in drei Jahren aussehen wird. Auch wenn ich gerade ein total geiles Leben zwischen Grosstadt und Ruhe führe, ist das nur eine Momentaufnahme. Ich gucke im Leben maximal sieben Monate nach vorne.

Was war dein grösster Fang?

Ein Blauer Marlin, über drei Meter lang und 190 Kilo schwer. Ein ziemlicher Kampf. Ich hatte auch mit mir zu kämpfen, weil es natürlich schon eine zwiespältige Sache ist, so ein ungleicher Battle. Aber am Schluss hat das das ganze Dorf von diesem Fisch gegessen. Das Tier lebt auf jeden Fall in mir weiter.

Marteria und sein neues Video «Das Geld muss weg» (Quelle: Youtube).

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