Roger Federer: «Mein letztes Hurra, das könnte Jahre dauern»
Publiziert

Roger Federer«Mein letztes Hurra, das könnte Jahre dauern»

Obwohl er die tennisfreien Wochen geniesst, brennt Roger Federer auf seine Rückkehr im Januar. Was sein Knie betrifft, ist der 17-fache Grand-Slam-Champion guter Dinge.

1 / 5
Zwei Legenden für eine gute Sache: Roger Federer kommt für die Eröffnung der Rafa Nadal Academy nach Mallorca.

Zwei Legenden für eine gute Sache: Roger Federer kommt für die Eröffnung der Rafa Nadal Academy nach Mallorca.

AFP/Jaime Reina
Das 40'000 Quadratmeter grosse Sportzentrum beeindruckt auch den Schweizer.

Das 40'000 Quadratmeter grosse Sportzentrum beeindruckt auch den Schweizer.

AFP/Jaime Reina
Als Dank für sein Erscheinen überreicht Nadal dem Schweizer eine Collage mit Bildern ihrer grössten Duelle.

Als Dank für sein Erscheinen überreicht Nadal dem Schweizer eine Collage mit Bildern ihrer grössten Duelle.

AFP/Jaime Reina

Roger Federer hat sich rargemacht, seit er seine Saison nach seinem Scheitern im Wimbledon-Halbfinal wegen seines lädierten Knies abgebrochen hat. Am Mittwoch erwies er jedoch seinem langjährigen Rivalen Rafael Nadal einen Freundschaftsdienst und wohnte der feierlichen Eröffnung der Tennisakademie des Spaniers auf Mallorca als Ehrengast bei. Dabei gab der 35-jährige Baselbieter dem «Tages-Anzeiger» ein ausführliches Interview.

Roger Federer über ...

… den Umgang mit den Verletzungen: «Es war überraschend einfach, wie ich mich nach der Knieoperation im Februar aufbauen konnte. In den ersten sechs Wochen sah ich jeden Tag einen Fortschritt. Das machte es einfach, positiv zu bleiben. Die schwierige Phase war zwischen Rom und Wimbledon, weil ich merkte: Etwas stimmt nicht mit dem Knie, es geht mir nicht gut, ich spüre keinen Fortschritt, ich bin für Wimbledon nicht gut vorbereitet. Aber als ich mich zur Pause entschlossen hatte, war alles einfach. Ich sagte mir: Ich geniesse diese Zeit.»

... bittere Turnierabsagen: «Das French Open abzusagen, war schon hart genug. Aber zu akzeptieren, dass ich Rio verpassen würde, dauerte etwa drei Tage.»

... ungewohnt viel Freizeit: «Ich habe erstmals über längere Zeit viele Fixtage. Ich weiss genau, wann ich trainiere, wann ich mit Kollegen zum Essen abmachen oder wann ich wandern könnte … Ich kann wirklich einmal organisiert leben und muss nicht immer schauen: Wo spiele ich noch ein Turnier? Das war eine lässige Umstellung zum normalen Alltag, den ich in den vergangenen 15 Jahren hatte.»

… das Älterwerden: «Das darf dich nicht zu gross beschäftigen. Das Alter kann auch positiv sein. Ich versuche stets, einen Mix zu haben zwischen Erfahrung und Jungbleiben im Kopf, offen zu sein für neue Ideen, sich neu zu erfinden. ­Damit man es lässig hat im Leben.»

… sein Knie: «Die nächsten sechs bis acht Wochen zeigen, ob das Knie wieder gut ist. Ich glaube, ich muss nicht mehr aufpassen. Ich habe ein normales, stabiles Knie, das Gefühl ist normal.»

… Stan Wawrinkas US-Open-Triumph: «Ich hätte niemals gedacht, dass er den Final gewinnt. Nicht, weil ich nichts von ihm halten würde, im Gegenteil: Ich halte sehr viel von ihm. Ich dachte einfach: Djokovic im Final des US Open – logisch, dass er gewinnt. Wenn du das US Open gewinnst, gegen Djokovic diese Trophäe stemmen kannst, ist dies das Grösste. Das ist der Beweis: Ich bin eine Legende.»

… Djokovics Baisse: «Das überrascht mich schon; ich hatte erwartet, dass er nach dem French Open ausser Toronto noch ein anderes grosses Turnier gewinnt. Aber wenn du den letzten Grand-Slam-Titel gewonnen hast, der dir noch fehlt, beginnt ein neues Zeitalter. Nach dem French Open musste er sich fragen: Warum spiele ich noch? Voilà. Damit ist alles gesagt. Aber es ist ja nicht so, dass Novak schlecht spielen würde. Und solange er spielt, wird er auch gewinnen, denn er ist zu gut.»

… seinen Fahrplan bis zur Rückkehr: «Die Hoffnung ist, dass ich im konditionellen Bereich fast schon bei 100 Prozent bin. Nun steigern wir die ­Intensität, und ich werde auch wieder mehr Tennis spielen, was ich in den vergangenen zwei Monaten vielleicht zehn-, zwölfmal gemacht habe. Jetzt kommt die intensive Phase bis Ende Jahr, wobei ich zwischendurch nochmals Ferien mache.»

... den Respekt vor dem Comeback: «Ich überlegte mir in den letzten ­Wochen auch: Wie wird es sein, wenn ich am Hopman Cup und in Melbourne zurückkomme? Werde ich viel Druck verspüren? Aber vor allem bin ich neugierig, wie die ersten sechs Monate verlaufen. Denn ich werde ja einige Ränge zurückfallen, und es wird interessante Konstellationen geben durch die Auslosungen. Aber Angst? Wenn ich vor etwas Angst oder Respekt habe, dann vor einer neuen Verletzung.»

... Spekulationen, 2017 könnte zu seinem letzten Hurra werden: «Mein letztes Hurra, das könnte Jahre dauern, je nach Sichtweise. Ja: Ich hoffe, es gibt nochmals ein richtiges Hurra. Aber ich erwarte viel mehr, als dass es nur ein Turnier oder ein Match wäre. Sonst hätte ich mir nicht eine so lange Pause genommen, wäre nach einigen Monaten halb fit zurückgekommen und hätte noch etwas gespielt.» (20 Minuten)

Deine Meinung