Bauverzug: «Mein Sohn und ich stehen quasi auf der Strasse»
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Bauverzug«Mein Sohn und ich stehen quasi auf der Strasse»

S. K. und ihr Sohn sollten am Montag in ihre neue Eigentumswohnung ziehen, doch diese ist eine Baustelle. Nun haben sie keine feste Bleibe mehr.

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som/mon
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«Nun stehe ich mit meinem Sohn quasi auf der Strasse», sagt S. K. Ihre neue Eigentumswohnung ist nicht bezugsbereit.

«Nun stehe ich mit meinem Sohn quasi auf der Strasse», sagt S. K. Ihre neue Eigentumswohnung ist nicht bezugsbereit.

Ihre Mietwohnung hat sie per Ende März gekündigt. Ihre Möbel musste sie extern einlagern lassen.

Ihre Mietwohnung hat sie per Ende März gekündigt. Ihre Möbel musste sie extern einlagern lassen.

Das Nötigste hat die Frau im Auto dabei.

Das Nötigste hat die Frau im Auto dabei.

S. K.* ist wütend: Am 1. April sollten sie und ihr Sohn (17) in ihre neue Eigentumswohnung einziehen. Das Problem: Die 4,5-Zimmer-Maisonettewohnung am Zürichsee ist zurzeit eine Baustelle. Ein Blick in die Wohnung zeigt: Sanitär- und Elektroinstallationen fehlen gänzlich.

«Im Gegensatz zu den Zimmertüren wurde die Küche schon produziert, seit dem 15. März steht sie bereit zur Montage», so die 55-Jährige. Zudem funktionieren die Storen nicht: «Wie auch? Wegen des Kabelsalats können sie nicht angeschlossen werden.» Und auch das Treppengeländer in der Maisonettewohnung soll erst am Mittwoch montiert werden.

«Es ist eine Katastrophe»

Dabei hätten sie sich so sehr auf den Einzug gefreut: «Jetzt ist es eine Katastrophe», sagt K. Sie habe den Kaufvertrag am 19. Oktober unterschrieben sowie ihre Mietwohnung per Ende März gekündigt und am Freitag abgegeben. «Nun stehe ich mit meinem Sohn quasi auf der Strasse.» Bis Anfang März habe die Wohnung fast genau gleich ausgesehen wie im Oktober: «Über einen möglichen Verzug haben sie mich offiziell erst am 15. März informiert.» Wie lange dieser dauert, weiss sie nicht. «Ich hoffe sehr, dass wir Ende April einziehen können.»

Wie K. sagt, will das zuständige Generalunternehmen keine Kosten für eine vorübergehende Unterkunft für sie und ihren Sohn übernehmen: «Sie meinten, dass ich die Wohnung beziehen kann. Aber wie soll ich da rein, wenn es keinen Strom und kein Wasser hat?» Sie habe ihren 17-jährigen Sohn deshalb bei Freunden untergebracht: «Das ist aber kein Zustand für einen Jugendlichen. Er braucht Ruhe und einen Schlafplatz, wenn er vom Gymnasium kommt.»

Möbel extern eingelagert

Sie selber habe ihr Auto mit dem Nötigsten vollgepackt. Ihre Möbel musste sie zwischenzeitlich extern einlagern. Dafür hat sie ein Zügelunternehmen beauftragt und viel Geld bezahlt. Vorübergehend könne sie bei Bekannten unterkommen: «Nur weil wir so viel Unterstützung haben, müssen wir nicht unter der Brücke übernachten.» Trotzdem möchten die beiden so rasch wie möglich in ihre eigenen vier Wände: «Wir kommen so nicht zur Ruhe.»

Die Kosten, die durch den Verzug entstanden sind, muss die Frau bis jetzt allein tragen, wie sie sagt: «Ein Anwalt riet mir, Schadenersatz zu fordern. Doch das ist ein langwieriger Prozess.»

Schadenersatz ist möglich

Dass Schadenersatz grundsätzlich möglich ist, bestätigt Cornel Tanno, Rechtsberater beim Hauseigentümer-Verband Zürich: «Es kommt aber darauf an, was im Vertrag steht.» Schwierig für den Käufer werde es beispielsweise, wenn der Einzugstermin vage formuliert sei.

Möglich sei natürlich auch, dass der Käufer für die Verzögerung verantwortlich sei – etwa wenn er kurzfristige Änderungswünsche habe: «Dann muss ihn aber der Bauherr frühzeitig darauf aufmerksam machen, dass es dadurch länger dauert.»

Das zuständige Generalunternehmen wollte zum Fall keine Stellung nehmen.

*Name der Redaktion bekannt

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