Aktualisiert 14.05.2019 17:22

Auto-RatgeberMein Velo hat ein Auto zerkratzt – wer zahlt?

Lauras Velo wurde vom Wind gegen ein parkiertes Auto geweht und hat einen Kratzer hinterlassen. Muss sie für den Schaden aufkommen?

von
Olivia Solari, AGVS
14.5.2019
Richtet dein Velo einen Schaden bei einem Dritten an, liegt die Beweislast beim Geschädigten. Er muss den Kausalzusammenhang und dein Verschulden belegen und beweisen, dass du dein Velo nicht ordnungsgemäss abgestellt hast und dadurch das Umkippen zumindest teilweise verursacht wurde.

Richtet dein Velo einen Schaden bei einem Dritten an, liegt die Beweislast beim Geschädigten. Er muss den Kausalzusammenhang und dein Verschulden belegen und beweisen, dass du dein Velo nicht ordnungsgemäss abgestellt hast und dadurch das Umkippen zumindest teilweise verursacht wurde.

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Frage von Laura ans AGVS-Expertenteam:

Mein Velo wurde anscheinend von einer Windböe umgeweht und hat einen Kratzer an einem stehenden Auto gemacht. Ein Zeuge will aus der Ferne beobachtet haben, dass mein Velo gegen das parkende Auto gefallen sei. Als ich davon in Kenntnis gesetzt wurde, stand das Fahrrad bereits an einem anderen Ort. Muss ich für diesen Schaden aufkommen? Schliesslich war ja nicht ich die Verursacherin, sondern der Wind.

Antwort:

Liebe Laura

Solche Schadenfälle regelt das Schweizerische Obligationenrecht. Wer einem Dritten einen vorsätzlichen oder fahrlässigen Schaden zufügt, wird diesem gegenüber ersatzpflichtig (Artikel 41 OR). Diese Haftung ist an vier Voraussetzungen gebunden: Es braucht einen Schaden, einen Kausalzusammenhang zwischen der schädigenden Handlung und dem Schaden, ein widerrechtliches Verhalten sowie ein Verschulden des Schädigers.

Auf deinen Fall bezogen, ist offensichtlich ein Schaden vorhanden, nämlich der Kratzer an einem fremden Auto. Interessanter wird es beim Kausalzusammenhang und beim Verschulden: Das umkippende Velo ist natürlich kausal für den Schaden am Auto, denn wäre es nicht umgekippt, wäre nichts passiert. Die Frage ist nun, wer die Schuld dafür trägt.

Beim Verschulden reicht schon eine leichte Fahrlässigkeit, um schadenersatzpflichtig zu werden. Ich gehe davon aus, dass dein Velo nirgends befestigt war, also durchaus umkippen konnte, sofern es von einem Windstoss erfasst wurde. Um zu deiner Frage zurückzukommen: Wenn ein Windstoss ausreicht, um das Velo umzukippen, bist du schadensersatzpflichtig und nicht die Wetterlage.

Das Verschulden wird allenfalls verneint, wenn höhere Gewalt im Spiel war, also Ereignisse, die auch mit äusserster Sorgfalt weder abgewendet noch unschädlich gemacht werden können. Darunter fallen zum Beispiel starke Sturmwinde ab 75 km/h (Diese Windstärke musst du übrigens nicht selbst messen. Wenn solche Starkwinde auftreten, ist der Schaden, den dein Velo verursacht hat, einer unter vielen, die der Versicherung gemeldet werden.). Ebenfalls würde dein Verschulden verneint, wenn ein Dritter das Velo gegen das Auto gekippt hat.

Die gute Nachricht für dich: Die Beweislast liegt beim Geschädigten. Es liegt also an ihm, den Kausalzusammenhang und dein Verschulden zu belegen. Er muss beweisen, dass du dein Velo nicht ordnungsgemäss abgestellt hast und dadurch das Umkippen zumindest teilweise verursacht wurde. Er müsste auch den Fall ausschliessen können, dass ein Dritter dein Fahrrad umgestossen hat. Zudem muss er belegen, dass der Schaden an seinem Auto tatsächlich von deinem Velo stammt. Ob und in welchem Umfang ihm diese Beweise gelingen würden, hängt, wie schon erwähnt, von der Sachlage und von der Genauigkeit der Zeugenaussage ab.

Gute Fahrt!

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