Coop-CEO Philipp Wyss - «Mein Ziel sind 1000 Supermärkte in der Schweiz»
Publiziert

Coop-CEO Philipp Wyss«Mein Ziel sind 1000 Supermärkte in der Schweiz»

Er ist seit zwei Wochen im Amt: Der neue Coop-CEO Philipp Wyss. Der ehemalige Metzger-Lehrling über seinen ungewöhnlichen Aufstieg, die Rivalen und den Tag der guten Tat.

von
Sandro Spaeth
1 / 10
Philipp Wyss ist seit 1. Mai 2021 CEO der Coop-Gruppe:  «Ich will nie einen Kundentrend verpassen, das treibt mich an», sagt Wyss zu 20 Minuten. 

Philipp Wyss ist seit 1. Mai 2021 CEO der Coop-Gruppe: «Ich will nie einen Kundentrend verpassen, das treibt mich an», sagt Wyss zu 20 Minuten.

Coop
Für den Tag der guten Tat  kochen Coop-CEO Philipp Wyss und Betty-Bossi-Geschäftsführer Lars Feldmann 30 Liter Suppe für Bedürftige. 

Für den Tag der guten Tat kochen Coop-CEO Philipp Wyss und Betty-Bossi-Geschäftsführer Lars Feldmann 30 Liter Suppe für Bedürftige.

Heiner H. Schmitt Jr./Coop Presse
Die Suppe geht ans Zürcher Café Yucca, wo sich Bedürftige verpflegen können. 

Die Suppe geht ans Zürcher Café Yucca, wo sich Bedürftige verpflegen können.

Heiner H. Schmitt Jr./Coop Presse

Darum gehts

  • Philipp Wyss ist der neue CEO von Coop.

  • Er hat eine ungewöhnliche Manager-Karriere hinter sich.

  • Wyss will das Filialnetz auf über 1000 Supermärkte ausbauen.

  • Für den Tag der guten Tat vom 29. Mai hat sich Wyss als Koch engagiert.

Im letzten Jahr fiel der Tag der guten Tat wegen Corona aus. Eigentlich sollte er nun zwei Tage dauern…

Das stimmt, aber dann müssten wir das Konzept ändern (lacht). Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass wir am Tag der guten Tat vom 29. Mai die ganze Schweiz mobilisieren können, um etwas für die Gesellschaft oder die Umwelt zu tun.

Warum ist Ihnen der Tag der guten Tat wichtig?

Nach 15 Monaten Pandemie mit massiven Einschränkungen und Schicksalen wollen wir ein Zeichen setzen. Wir wünschen uns, dass die Leute Gutes tun: ob für die Tante, den Nachbarn oder zusammen mit einer Partnerorganisation. Ich bin überzeugt, dass der Drang der Menschen da ist. Viele waren lange allein und wollen jetzt helfen.

Für den diesjährigen Tag der guten Tat kochen Sie für Bedürftige. Wie kam es zu dieser Idee?

Ich koche fürs Leben gerne. Zusammen mit den Kollegen von Betty Bossi haben wir fürs Zürcher Café Yucca – ein Ort wo sich Bedürftige verpflegen können – rund 30 Liter Suppe mit viel Gemüse und mit Buchweizen zubereitet. Weil es im Café Yucca normalerweise kein Dessert gibt, haben wir noch Hefeschnecken gebacken. Am Tag der guten Tat werde ich zusammen mit dem WWF beim Reinigen am Ufer des Zugersees mithelfen.

Fragen Sie sich manchmal, ob Sie persönlich genug Gutes tun?

Diese Frage beschäftigt mich regelmässig. Und klar: Man könnte immer mehr tun. In den letzten Jahren habe ich versucht im beruflichen Kontext immer einen Schritt vorwärts zu gehen und so zum Beispiel zusammen mit Coop das Label Solidarité aufgebaut, worunter wir Produkte verkaufen, die aus geschützten Werkstätten stammen.

Ist Gutes tun eine Frage der zur Verfügung stehenden Zeit oder eine Frage des Geldes?

Es ist eine Frage der Lebensumstände und der Prioritäten. Klar kann man Geld spenden. Unsere Idee vom Tag der guten Tat beinhaltet aber mehr aktiven persönlichen Einsatz, wie beispielsweise das Schenken von Zeit.

Sie sind seit kurzem CEO von Coop und sind für 90’000 Mitarbeiter und 30 Mrd. Umsatz verantwortlich. Können solche Zahlen auch bedrückend sein?

Die Zahlen sind in der Tat gross. Aber ich bin ja nicht allein für alles verantwortlich und weiss, dass ich auf ein gutes Team zählen kann. Natürlich ist der Druck gestiegen. Klar ist: Ich habe Respekt vor den Herausforderungen, freue mich aber auch sehr!

Sie haben eine ungewöhnliche Karriere hinter sich. Ihr Start war eine KV-Ausbildung, gefolgt von einer Metzgerlehre. Hilft Ihnen das heute noch, weil Sie die Basis und ihre Arbeit besser verstehen?

Ich kenne den Kundenkontakt hinter der Fleischtheke, kann die Sprache der Metzger und ich lernte auch das Kaufmännische in meiner ersten Lehre von der Pike auf, da ich all die damaligen Lehrlingsarbeiten selbst ausführen durfte. Ich spreche heute die Sprache unserer Mitarbeitenden. Das hilft enorm.

«Ich bringe es nicht übers Herz, bei der Konkurrenz etwas zu kaufen»

Coop-CEO Philipp Wyss

Topmanager, die mit einer Lehre ins Berufsleben gestartet sind, sind rar. Bedauern Sie das?

Nein. Die Karriere nach der Lehre war mein Weg, der gut zu mir passt. Das Schöne an der Schweiz ist, dass Verschiedenes möglich ist. Bei Coop hat es viele Angestellte, die nach einer Lehre im Verkauf bis weit nach oben gekommen sind. Das macht mich stolz. Und ich freue mich, wenn ich ein Vorbild bin für jene, die mit einer Lehre durchstarten wollen.

Sie führen bald 90’000 Menschen: Was für ein CEO wollen Sie sein?

Ich bin ein Teamplayer, will zuhören und nahe bei den Leuten sein: Zusammen wissen wir mehr als allein. Wenn sich Angestellte an mich wenden, bekommen sie eine Antwort. Als Leiter Marketing und Beschaffung habe ich unzufriedene Kunden manchmal selbst angerufen.

Ihre mittleren und oberen Kaderleute bekommen von Ihnen ein persönliches Kochbuch. Warum?

Mir geht es darum, dass die Leute, mit denen ich tagtäglich zusammenarbeite, mich besser kennen lernen. Im Buch sind viele meiner Lieblingsrezepte drin. Zudem sind sie mit Tipps und Gedanken von mir angereichert. Mit dem Buch will ich meine Leidenschaft für Lebensmittel transportieren.

Wo muss sich Coop noch verbessern?

Ich will nie einen Kundentrend verpassen, das treibt mich an. Mir ist es lieber, etwas funktioniert mal nicht wie erwartet, als eine Chance zu verpassen. Zudem gilt es, unser Filialnetz mit über 950 Läden zu erneuern und zu erweitern. Mein Ziel sind insgesamt 1'000 Supermärkte in der Schweiz zu erreichen – insbesondere in den Agglomerationen, Quartieren und Dörfern gibt es noch Potential. Es werden aber nicht mehr die ganz grossen Filialen sein.

Besuchen Sie manchmal die Läden der Konkurrenz, um sich Inspiration zu holen?

Ideen fallen nicht einfach vom Himmel. Ich gehe offen durch die Welt und schaue immer, was die Konkurrenz macht und ob wir etwas verbessern oder weglassen sollen. Bei Preiseinstiegs-Produkten schaue ich auf die Harddiscounter, beim Rest auf den orangen Rivalen. Ich bringe es aber nicht übers Herz, bei der Konkurrenz etwas zu kaufen.

Coop kauft, sofern die Weko nichts dagegen hat, die Baumarktkette Jumbo. War das Ihre Idee?

Nein. Wir wurden vom Verkäufer kontaktiert und die Coop-Geschäftsleitung hat gemeinsam entschieden. Viele Jumbo-Standorte passen sehr gut in unser Netz. Jumbo ist vor allem in der Westschweiz stark, wo wir noch nicht so präsent sind. Kommt hinzu: Schon vor der Pandemie waren Baumärkte ein Wachstumsfeld. Nun hat sich das noch verstärkt.

Skilehrer, Metzger, Marketingspezialist – und CEO

Der 54-Jährige Philipp Wyss ist seit dem 1. Mai 2021 CEO von Coop. Er blickt auf eine über 20-jährige Coop-Karriere zurück und war zuletzt Leiter des Bereichs Marketing und Beschaffung. In seiner letzten Funktion fiel er mit einer guten Nase für Trends und mit Marketing-Ideen auf. Ins Berufsleben eingestiegen ist Wyss über eine KV-Ausbildung, gefolgt von einer Metzger-Lehre. Der Luzerner gilt als naturverbunden, gesellig und sportlich. Wyss war in jungen Jahren Skilehrer, leitete Skilager und spielte Korbball. Im Winter fährt der Topmanager leidenschaftlich gerne Telemark-Ski, im Sommer macht er gerne Wanderungen oder joggt. Wyss ist verheiratet und Vater dreier Kinder.

«Der Tag der guten Tag» ist eine Initiative von Coop Schweiz.

«Der Tag der guten Tag» ist eine Initiative von Coop Schweiz.

Gutes tun und andere inspirieren!

Unter diesem Motto vollbringen wir rund um den 29. Mai gemeinsam in allen Landesteilen der Schweiz gute Taten. Plane auch du, entweder allein, mit deiner Familie, deinem Verein oder deiner Organisation eine gemeinnützige Aktivität und teile euer Engagement mit dem Hashtag #TagDerGutenTat auf Instagram, TikTok, Facebook oder Twitter! Alle geteilten Inhalte sowie weitere Informationen zum «Tag der guten Tat» findest du hier.

20 Minuten ist Medienpartner.

Deine Meinung

617 Kommentare