Falscher Model-Agent : «Mein Ziel war klar – ich wollte sie ins Bett kriegen»
Aktualisiert

Falscher Model-Agent «Mein Ziel war klar – ich wollte sie ins Bett kriegen»

Ein angeblicher Model-Agent musste sich vor Gericht verantworten, weil er eine 15-Jährige vergewaltigte. Er legte ein vollumfängliches Geständnis ab.

von
taw

Vor dem Kreisgericht St. Gallen gestand der Beschuldigte am Donnerstag die Taten, die ihm die Anklage vorwarf. Er gibt zu, sich als falscher Model-Agent ausgegeben zu haben und seinem damals 15-jährigen Opfer im September 2009 einen Model-Vertrag versprochen zu haben, massiven Druck aufgesetzt und sie vergewaltigt zu haben. Er fingierte sogar Gespräche mit Heidi Klum und dem deutschen Model-Agenten Peyman Armin. «Ich log ihr das Blaue vom Himmel», so der 35-Jährige, der während der ganzen Verhandlung Fussfesseln trug. «Es war alles Teil meiner Masche», so der Beschuldigte. «Mein Ziel war klar – ich wollte sie ins Bett kriegen.»

Das Kreisgericht verurteilte den aus dem Kanton Luzern stammenden Mann wegen Schändung, Vergewaltigung und mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind zu drei Jahren Gefängnis. Deren Vollzug wird zugunsten einer stationären therapeutischen Massnahme aufgeschoben. Das Opfer erhält 18'000 Franken Genugtuung. Das Gericht folgt damit im Wesentlichen den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Forderung des Opfers. Die Verteidigung hat dagegen nichts einzuwenden.

«Habe genau gewusst, was ich tue»

Zu den Vorfällen im September 2009 sagte der Angeklagte vor Gericht, er habe genau gewusst, was er tat: «Ich wollte sie auf meine Seite ziehen und habe lange überlegt, wie ich das anstelle.» Erst durch die Therapie erkenne er nun, was er da eigentlich getan hat. «Ich finde es abscheulich, was ich da tat, und ich wusste, dass es falsch ist», so der Beschuldigte. Er habe gewusst, dass sie minderjährig ist. Ein Kondom benützte er bei den Übergriffen nicht. Zudem gab er vor Gericht an, dabei nie einen Orgasmus gehabt zu haben. Nach den Vorfällen wurde er von Kollegen des Opfers nach St. Gallen gelockt und zur Rede gestellt.

Als ihn dann die Polizei suchte, habe er genau gewusst wieso. Dann ergriff er die Flucht nach Deutschland. Erst im Februar 2015 stellte er sich der Polizei. «Anfangs wollte ich mich der Verantwortung entziehen. Aber die Flucht war keine Lösung, sondern nur Stress.» Nun sei er bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Perfide Tricks

Wie die Staatsanwaltschaft vor Gericht ausführte, sei der Beschuldigte ein Blender und mit allen Wassern gewaschen. Zudem sei es nicht das erste Mal gewesen, dass er sich als Model-Agent ausgab und damit Erfolg hatte. Weitere Anzeigen gibt es allerdings nicht. «Er hat mit perfiden Tricks gearbeitet. Er ist raffiniert und ein Manipulator sondergleichen», so der Staatsanwalt. Hätte er so viel Talent wie beim Lügen im rechten Fuss, könne er glatt für die Fussball-Nationalmannschaft spielen. «Er erbaute ja nicht ein Lügengebäude, sondern einen ganzen Lügen-Wolkenkratzer», so der Staatsanwalt.

Das Opfer, das im Prozess als Privatklägerin auftritt, war von der Verhandlung dispensiert. Ihre Anwältin machte vor Gericht deutlich, dass das Opfer noch heute darunter leidet. «Bisher hat sie noch keine Therapie in Anspruch genommen. Sie setzt auf Verdrängung», so die Anwältin. Es vergehe aber keinen Tag, an dem sie ihre jugendliche Naivität nicht bereue.

Das Schlusswort gehörte dem Beschuldigten. «Ich bereue die Tat sehr und will Veranwortung übernehmen und die Konsequenzen für mein Handeln tragen», so der Beschuldigte. Mit der Therapie sei er auf einem guten Weg.

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