Marco Schällibaum: «Meine Arbeit wird hier sehr geschätzt»
Aktualisiert

Marco Schällibaum«Meine Arbeit wird hier sehr geschätzt»

Bei Halbzeit führt Marco Schällibaum mit Montreal Impact in der Major League Soccer die Ostgruppe an. Die Kanadier schätzen die Arbeit des Schweizers und möchten seinen Vertrag verlängern.

von
Peter Berger

Marco Schällibaum, übertrifft der Erfolg Ihre Erwartungen?

Ich habe schon früh gespürt, dass hier die Mischung stimmt. Das Umfeld unterstützt mich, die Mannschaft zieht mit, die Stars wie Nesta oder Di Vaio sind absolut unproblematisch.

Zuletzt resultierte gegen Schlusslicht Chivas nur ein 1:1.

Ja, wir haben eine kleine Durstrecke. In den ersten Spielen haben wir auch Glück gehabt. Dieses fehlte zuletzt etwas. Aber nun müssen wir halt in den nächsten Partien gegen die Spitzenteam New York, Dallas und Kansas punkten.

Um sicher in die Playoffs zu kommen, ist ein Top-3-Platz nötig.

Ja, die Viert- und Fünftplatzierten müssen stechen. Alles ist nahe beieinander. Wir werden deshalb sicher beissen müssen, um die Playoffs zu erreichen.

Sie gewannen auch den kanadischen Cup. Welcher Stellenwert hat dieser Erfolg.

Einen hohen, denn Kanadier sind sehr patriotisch und wir vertreten das Land ab August nun in der amerikanischen Champions League, die aber natürlich viel kleiner ist als die europäische.

Wie wird Ihre Arbeit beurteilt?

Gut. Anders als zuletzt in der Schweiz wird meine Arbeit hier wieder geschätzt. Das tut gut. Es laufen bereits Gespräche, den Vertrag vorzeitig um zwei Jahre zu verlängern.

In 17 Runden wurden Sie aber schon dreimal gesperrt.

Das war auch Pech. Ich befinde mich in einer neuen Welt mit teilweise neuen Regeln. Als europäischer Trainer muss ich mich auch zuerst daran gewöhnen. So darf ich in der Pause nicht neben dem Schiedsrichter gehen und mit ihm diskutieren. Das gilt als Verlassen der Coachingzone. Zweimal wurde ich zuletzt deswegen gesperrt.

In der Schweiz haben Sie ein Image als Hitzkopf.

Das ist nicht fair. Ich bin der Erste, der nach einem Fehler hinsteht. Sicher bin ich weiterhin an der Seitenlinie sehr emotional, aber ich bin nicht aggressiv. Doch ich will mich nicht rechtfertigen. Schliesslich muss nur ich mich in meiner Haut wohl fühlen, und das tue ich. Ich habe gelernt egoistischer zu sein und mache mir weniger Gedanken darüber, was andere über mich denken.

Und wie finden Sie sich generell in Montreal zurecht?

Immer besser, ich habe noch keinen Tag bereut. Es ist eine wunderbare Erfahrung, dass ich als 51-Jähriger wie ein kleiner Bub neue Sachen erleben darf. Ich lerne auch immer mehr Leute kennen, auch Schweizer. Zuletzt hat mir sogar der Konsul gratuliert. Das bedeutet mir viel, denn ich sehe mich hier auch als Vertreter der Schweiz. Das einzige Problem: Meine Familie fehlt mir sehr.

Erhalten Sie auch Reaktionen aus der Schweiz?

Wenig. Die MLS ist zwar im Aufschwung, aber halt schon sehr weit weg und hat natürlich in der Schweiz nie den Beachtungsgrad einer Bundesliga.

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