Diego Benaglio: «Meine Batterien waren ziemlich leer»
Aktualisiert

Diego Benaglio«Meine Batterien waren ziemlich leer»

Der Schweizer Nationaltorhüter Diego Benaglio startet am Samstag mit dem VfL Wolfsburg in die Rückrunde der Bundesliga. Im Interview mit 20 Minuten Online verrät Diego Benaglio, warum Trainer Magath dem Übernamen «Quälix» gerecht wird und spricht über die Ziele mit Wolfsburg und der Nati.

von
Andy Huber

20 Minuten Online: Diego Benaglio, wie haben Sie die Winterpause verbracht?

Diego Benaglio: 2008 war ein sehr intensives Jahr mit über 50 Pflichtspielen. Zumal ich anderthalb Jahre keine Ferien mehr hatte. Mir haben die 16 Tage Ferien bei der Familie in Zürich jedenfalls sehr gut getan.

Wie wichtig ist Ihnen der Rückhalt der Familie?

Sehr wichtig. Ich habe ein super Verhältnis zu meiner Familie, und das macht mich sehr glücklich.

Ihr Vater Bruno soll Ihr grösster Förderer sein.

Ich weiss nicht, wie Sie Förderer definieren. Aber ich konnte mich immer auf meine Familie verlassen. Alle haben mich jederzeit unterstützt und manchmal auch persönliche Interessen zurückgeschoben. Dafür bin ich Ihnen dankbar.

Weniger harmonisch soll die Vorbereitung bei Wolfsburg sein. Felix Magath bekam mal den Namen «Quälix» verpasst. Hat Ihr Trainer diesen Ruf in den letzten Wochen bestätigt?

(Schmunzelt) Unter den Trainern, mit denen ich bisher gearbeitet habe, ist die Vorbereitung bei Felix Magath sicherlich die intensivste. Jeder muss an seine Grenzen gehen, oft auf die Zähne beissen. Aber das zahlt sich aus – wir sind alle in Form, zufrieden und voller Selbstvertrauen.

Welches Gefühl haben Sie vor dem Rückrundenstart am Samstag in Köln?

Ein sehr gutes. Wir haben keine Verletzten. Wichtig war auch, dass uns die Hauptprobe am Mittwoch mit dem 4:1 gegen Rostock im Pokal gut gelungen ist. Das gibt viel Selbstvertrauen.

In der Hinrunde kassierten Sie in 16 Spielen 23 Gegentore. Sind Sie zufrieden mit dieser Bilanz?

Nein, natürlich nicht. Auch wenn keine groben Schnitzer dabei waren, so erwarte ich von mir, dass ab und zu ein sogenannt «Unhaltbarer» dabei ist – ich muss auch mal einen «Big Save» machen. Solche geben der Abwehr zusätzlich Selbstvertrauen, und dann sieht die Bilanz schon viel besser aus.

Hat das enttäuschende Abschneiden der Nati an der EM doch Spuren hinterlassen – waren Sie auch gedanklich ein wenig müde?

Klar waren wir alle über unser Abschneiden bei der EM enttäuscht. Ich glaube, dass die lange Saison und die kurze Erholungspause an die Substanz ging. Das ist jetzt aber verarbeitet – die Batterien sind wieder voll.

Was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?

Ich denke, ich kann mich in verschiedenen Bereichen noch verbessern. Kurzfristig will ich Wolfsburg helfen, die Ergebnisse der letzten Saison, als wir Fünfter wurden, zu bestätigen.

In der Bundesliga stehen Sie extrem in der Öffentlichkeit und unter grossem Druck. Sehnen Sie sich manchmal in das beschauliche Funchal zurück, wo Sie bis Winter 2008 spielten?

Natürlich war es eine schöne Zeit auf Madeira. Aber ich wollte mich fussballerisch weiterentwickeln. So war es der richtige Schritt zur richtigen Zeit nach Wolfsburg zu wechseln. Die Umstellung war nicht riesig. Natürlich ist in der Bundesliga alles etwas grösser – der Druck die Medien und so weiter. Doch Druck spürt man als Profi überall und muss lernen damit umzugehen. Wichtig ist auch, dass sich meine Freundin Nadine, die mich seit Stuttgart überallhin begleitet hat, hier wohl fühlt.

Nebst den Bundesliga-Spielen steht in diesem Jahr auch die WM-Quali an. Befasst sich die Nummer 1 der Nati schon damit?

Das ist zu weit weg. Meine Aufgabe ist es, gut vorbereitet in die Nati einzurücken. Danach bleibt genügend Zeit, um mich auf den Gegner und das Spiel einzustellen.

Haben Sie Kontakt mit Ottmar Hitzfeld?

Sporadisch bekomme ich eine SMS von Herrn Hitzfeld oder Torhütertrainer Willi Weber. Ich schätze diese Art der der Kontaktpflege sehr.

Wer ist Ihr bester Kumpel im Nationalteam?

Wir haben eine super Truppe zusammen. Jeder kanns mit jedem gut. Einen bestimmten hervorzuheben fällt mir deshalb schwer. Aber auch dank der guten Kameradschaft bin ich zuversichtlich, dass wir die Qualifikation für Südafrika schaffen.

Weshalb wechselten Sie Ihren Sponsor?

Mein Vertrag ist ausgelaufen, und ich hatte einige gute Angebote zur Auswahl. Schliesslich hat mich das Gesamtpaket von Puma überzeugt. Die Verbindung von Lifestyle und Sportkleidung ist überragend. Ich wusste, ich kann mich auf die Produkte verlassen, das ist als Profisportler am Ende ausschlaggebend. Puma und Diego Benaglio – das passt zusammen.

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