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Lieber Phil GeldMeine Bestellung kam zu spät bei mir an – was nun?

Miranda (23) hat sich für die Surf-Ferien einen Wetsuit bestellt. Bis zu ihrem Abflug ist dieser nicht angekommen. Kann Miranda vom Vertrag zurücktreten?

Was tun bei Verspätung der bestellten Ware?

Was tun bei Verspätung der bestellten Ware?

Keystone/Christian Beutler

Lieber Phil Geld

Neulich habe ich für meine Surf-Ferien online einen Wetsuit bestellt. Es hiess, dass die Lieferung innert zwei bis drei Tagen erfolgen sollte. Bis zu meiner Abreise kam jedoch nichts. Kann ich nun vom Vertrag zurücktreten?

Liebe Miranda

Nicht selten ärgern sich Kunden über verzögerte oder gar ausbleibende Lieferungen von online bestellten Waren. Es lohnt sich deshalb, bereits bei der Bestellung gewisse Angebote mit Vorsicht zu geniessen. Denn eine Lieferverzögerung berechtigt den Käufer nicht ohne weiteres dazu, vom Kaufvertrag zurückzutreten.

Zuerst muss der Käufer den Verkäufer schriftlich (am besten per Einschreiben) oder mündlich mahnen, um den Verkäufer überhaupt in Verzug zu setzen. Eine Mahnung erübrigt sich nur dann, wenn für die Lieferung ein bestimmter Liefertermin ausdrücklich vereinbart wurde – dann gerät der Verkäufer bereits mit Ablauf des vereinbarten Termins in Verzug (vgl. hierzu Art. 102 OR).

Befindet sich der Verkäufer in Verzug, hat ihm der Käufer eine angemessene Nachfrist zu setzen, bis zu deren Ablauf er die bestellte Ware nachträglich liefern kann. Wann eine Nachfrist als angemessen gilt, ergibt sich nicht aus dem Gesetz. Die Angemessenheit ergibt sich aus den konkreten Umständen des Einzelfalls. Je nach Ware sollten jedoch einige Tage ausreichen.

Liefert der Verkäufer auch innert der angesetzten Nachfrist nicht, hat der Käufer einerseits die Möglichkeit, weiterhin auf der Lieferung der Ware zu beharren und allenfalls Schadenersatz für die Verspätung geltend machen. Andererseits besteht die Möglichkeit, auf die Lieferung der Ware zu verzichten und vom Kaufvertrag zurückzutreten (Art. 107 OR). Entgegen einer weit verbreiteten Meinung besteht von Gesetzes wegen kein Anspruch auf Preisminderung. Nicht selten aber lassen Verkäufer mit sich reden und gewähren ihren Kunden aus Kulanz einen Rabatt.

Zu beachten ist, dass die von Gesetzes wegen gewährten Möglichkeiten durch Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) eingeschränkt oder gar ausgeschlossen werden können. Es lohnt sich daher, die AGB vor dem Abschluss eines Kaufvertrages genau zu lesen.

Ich rate dir, liebe Miranda, dem Verkäufer umgehend mitzuteilen, von welcher Möglichkeit du Gebrauch machen möchtest. Und für ein nächstes Mal: Unbedingt einen festen Liefertermin vereinbaren!

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch (20 Minuten)

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