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Doktor Sex«Meine Beziehungs-Konzepte stressen mich!»

Fabio findet seine Idealvorstellung einer Partnerschaft problematisch. Trotzdem kann er sich nicht davon trennen.

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Romantische Beziehungsideale können im Alltag zur Belastung werden. (Symbolbild Colourbox)

Romantische Beziehungsideale können im Alltag zur Belastung werden. (Symbolbild Colourbox)

Frage von Fabio (27) an Doktor Sex: Ich bin seit bald zwei Jahren in einer Beziehung mit meinem Freund. Er ist ein wundervoller Mensch, liebevoll, aufmerksam, humorvoll, intelligent und selbstständig. Am Anfang hatten wir viel Sex, seit diesem Jahr aber manchmal nur noch einmal im Monat. Doch obschon ich mir sage, dass es in Ordnung ist, dass wir nicht mehr so oft Sex haben, nervt es mich dann doch, wenn wieder Flaute herrscht. Ich merke dann, dass ich ziemlich klare Vorstellungen habe, wie meine Beziehung sein sollte, und bin dann enttäuscht, weil sie nicht so ist.

Oft vergleiche ich meine Beziehung auch mit der von anderen und werde dadurch unzufrieden. Oder dann frage ich mich, was Liebe genau ist, also ob es sich dabei nur um ein Gefühl handelt oder ob mehr dazu gehört. Manchmal quält mich auch die Frage, ob ich schon wissen sollte, ob er die grosse Liebe meines Lebens ist. Alle diese Fragen und Gedanken stressen mich und trotzdem setze ich meinen Fokus immer wieder voll darauf. Ich finde mein Denken und Verhalten nicht gut. Vielleicht bin ich ein Perfektionist oder habe Angst. Wie kann ich sie erfolgreich bekämpfen?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Fabio

Ich bin kein Anhänger der Idee, man müsse gegen etwas – ein Problem, eine Krankheit, die Umweltverschmutzung – kämpfen, um eine Veränderung zum Besseren zu erreichen. Der Begriff «Kampf» stammt aus dem Armee-Jargon und er impliziert einen Feind, den es zu besiegen gilt. Energetisch gesehen, ist diese Haltung belastend und zieht nach unten, da sie auf die Vernichtung von etwas fokussiert, das als feindlich und böse wahrgenommen wird. Und weil dadurch nur das Problem im Zentrum des Bewusstseins steht, also einzig überprüft wird, ob dieses schon kleiner geworden oder ganz verschwunden ist. Ein Bild der Lösung existiert meist nicht.

Sinnvoller scheint mir, seine Kräfte für etwas einzusetzen, also sich zu engagieren, damit etwas wachsen und sich vermehren kann – eine Lösung, die Gesundheit, das ökologische Gleichgewicht. Mehr oder weniger, aber ganz sicher in klitzekleinen Ansätzen, die sich oft als Ausnahmen eines als problematisch erlebten Zustands zeigen, ist die erwünschte Qualität ja meist bereits da. Weil jedoch das Bewusstsein dauernd mit dem Problem beschäftigt ist und es dieses durch die kontinuierliche «Fütterung» mit Energie weiterhin am Leben erhält, kann es diese Lösungs- und Veränderungsansätze weder wahrnehmen noch sie in ihrem Wachstum unterstützen.

Wenn wir davon ausgehen, dass sich das Denken und die Wahrnehmung eines Menschen immer nur um einen Inhalt kümmern und diesen mit Energie – in Form von Gedanken und Emotionen – versorgen kann, stellt sich unweigerlich die Frage, worauf jemand im Alltag seinen Fokus legen will: Auf das Problem und damit auf das Negative, Unerwünschte und Dunkle oder auf die Lösung, also das Positive, Erwünschte und Lichtvolle. Auf dich und deine Frage angewendet könnte dies bedeuten, dass du deinen Blick auf die Aspekte in deinem Leben und in deiner Beziehung richtest, die stimmig sind. Dass du deine Energie für das verwendest, was sich richtig anfühlt. Die negativen Gedanken lässt du kommen und gehen, aber du hältst sie nicht fest und schenkst ihnen keine Aufmerksamkeit mehr. Viel Glück!

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