Aktualisiert 08.07.2017 13:38

Altnau TG«Meine Chriesi sind an der besten Lage der Schweiz»

2017 ist ein schlechtes Jahr für Obstbauern. Sie beklagen riesige Ernteausfälle. Bauer Hansueli Wattinger aus Altnau TG dagegen ist überaus zufrieden.

von
air

Im Gegensatz zu vielen anderen Beerenbauern kann sich Hansueli Wattinger nicht über eine schlechte Ernte beklagen. (Video: air)

«Schauen Sie sich diese schönen Chriesi an!» Hansueli Wattinger ist stolz, als er durch seine dicht stehenden Kirschbaumreihen läuft und hie und da eine Kirsche abreisst. «Den einzigen Schutz, den wir eingerichtet haben, sind die Netze gegen den Regen und die Kirschessigfliegen», sagt er. Die Mini-Fliegen gelten als Schädlinge, welche die reifenden Früchte beschädigen.

«Trotz Aprilfrost ein sehr gutes Jahr»

«Wir haben eine der besten Lagen in der Schweiz», fügt Wattinger stolz an. Seit 2007 baut er Chriesi an. Weil das Gebiet so nahe am Bodensee liegt, sei es hier immer einige Grad wärmer als anderswo. Darum sei Ende April, als es nochmals Schnee gab, der Frost auch nicht fatal gewesen für die Blüten. «Ausserdem fliesst all die Kälte wieder Richtung See, sodass wir bei uns immer genug warm haben», sagt Wattinger.

2017 sei ein sehr gutes Jahr gewesen: Satte 20 Tonnen Kirschen konnten von den 1000 Kirschbäumen geerntet werden. «Das ist viel mehr als noch im letzten Jahr. Wir sind auf Käufer angewiesen», so Wattinger. Er hoffe darum, dass einige Leute auf seinem Hof oder auch im Laden Kirschen kaufen würden.

Andere Bauern hatten mehr Probleme

Abgesehen von Wattinger hatte allerdings der Grossteil der Obstbauern eine schlechte Ernte. «Schweizweit hatten wir Einbussen von rund 100 Millionen Franken», sagt Georg Bregy, Direktor des Schweizer Obstverbandes. Das liege hauptsächlich am Frühlingsfrost: «Seit 40 Jahren hatten wir keinen derart starken Frost mehr gehabt.» Insgesamt gebe es 2017 nur eine halbe Kirschernte und auch bei den Aprikosen gebe es Einbussen. «Doch die Ernte ist ja noch nicht fertig. Das sonnige und warme Sommerwetter ist gut für die Qualität der Früchte», sagt Bregy.

Einer, der mit dem starken Frost zu kämpfen hatte, ist Christoph Bär, Kirschbauer der Qualifru GmbH im Thurgau. Er arbeitet mit einem Klimagerät und zwei Sensoren auf dem Feld. Jedesmal, wenn die Temperatur unter null Grad fiel, sendeten die Sensoren ein Signal aus und Bär wusste, dass er nun auf dem Feld die Paraffinkerzen anzünden musste. «Dadurch konnten wir den Grossteil der Ernte retten und der Betrieb ist zufrieden», sagt Bär. Es habe zwar Einbussen gegeben, die seien aber überschaubar. «Trotzdem ist dieses System mit hohen Kosten und Zeitaufwand verbunden», so Bär. Doch weil er in einem stark frostbefallenen Gebiet anpflanze, liessen sich diese Massnahmen fast nicht vermeiden.

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