Auslandreisen: «Meine Einreise nach Schweden hat niemanden interessiert»
Aktualisiert

Auslandreisen«Meine Einreise nach Schweden hat niemanden interessiert»

Laut einem Schweizer ist die Einreise nach Schweden ganz normal möglich. Allerdings boomen Schweden-Reisen noch nicht.

von
Lena Stadler
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Darum gehts

  • Der Schweizer Politiker Silvan Amberg wollte dem Schweizer Lockdown entfliehen und reiste nach Schweden.
  • Ein Schweizer Ehepaar, das in Schweden einen Campingplatz besitzt, musste die Saison absagen.
  • Bei den Schweizer Reiseanbietern spürt man Zurückhaltung. Beliebt sind Inlandreisen.
  • Die Swiss baut im Juni ihr Angebot aus.
  • So handhaben andere Länder die Einreise.

Reiselustige haben es zur Zeit schwer: Auch wenn jetzt viele Länder schrittweise die Corona-Massnahmen lockern, halten sie ihre Grenzen für den Tourismus geschlossen oder schicken die Einreisenden in Quarantäne. Nicht so in Schweden: Die Einreise ist allen Bürgern aus dem Schengenraum gestattet.

Diese Chance ergriff auch Silvan Amberg, Co-Präsident der liberalen Unabhängigkeitspartei Up. Amberg hatte die Nase voll vom Schweizer Lockdown, wie er sagt: «Ich wollte mich nicht länger einsperren lassen.» Eine Auswahl verschiedener Reiseziele stand ihm nicht zur Verfügung: «Schweden ist das einzige Land, in das man ohne Beschränkungen einreisen kann und das die Leute frei herumlaufen lässt.» Die Schweden scheinen es locker zu nehmen: «Meine Einreise hat überhaupt niemanden interessiert. Am Flughafen in Stockholm wurde nur mein Pass angeschaut – ich wurde nicht einmal nach meinem Reisegrund gefragt.»

«Nur noch Schweden wollen Ferien machen»

Amberg weilt mittlerweile seit einer Woche in Schweden, um zu arbeiten und herumzureisen. Auch dort sei die Coronakrise spürbar: Ausserhalb von Stockholm habe es wenige internationale Touristen, die Hotelpreise seien tiefer und der Restaurantbetrieb heruntergefahren. Laut Amberg nehmen die Schweden die Coronakrise aber ganz anders wahr als die Schweizer: «Es gibt zwar überall Schilder und viele laufen mit Putzmittel rum, aber die Leute haben keine Angst wie in der Schweiz.» Das öffentliche Leben finde in Schweden eingeschränkt statt, so Amberg: «Die meisten Discos und Kinos sind geschlossen, Museen und Bars haben aber offen. Jetzt beginnt man in Schweden, das öffentliche Leben wieder hinaufzufahren.»

Amberg scheint bislang eine Ausnahme zu sein – die Reiselust bleibt bei vielen aus. Das bekommen auch Daniel und Pascale Walder zu spüren. Das Schweizer Paar betreibt in Schweden den Campingplatz Färnebofjärden. Walders haben vor vier Wochen beschlossen, die Saison in diesem Jahr abzusagen: «Es gab schon vor diesem Entscheid viele Stornierungen – der ganze Mai wurde abgesagt. Nur noch ein paar Schweden wollten trotzdem Ferien machen», sagt Daniel Walder. «In anderen Jahren gab es auch viele Schweizer Gäste. Da jetzt aber alle ausländischen Touristen abgesagt haben, wäre das finanzielle Risiko zu gross gewesen.» Deshalb hätten sich seine Frau und er dazu entschlossen, in der Schweiz zu bleiben und ihren Winterjobs weiter nachzugehen.

Anders handhaben es Caroline und Daniel Schafer, die nach Schwedisch Lappland ausgewandert sind und in der SRF-Serie «Auf und Davon» porträtiert wurden. Ihr Resort Sandsjögården bleibt offen. Am 1. Juni starten sie die Sommersaison. «Unsere Hauptzielgruppe sind Schweizer. Es ist eine grosse Herausforderung, die Entwicklung in der Schweiz mit den Reisemöglichkeiten in Schweden zu vereinbaren», sagt Caroline Schafer. Sie nehme an, dass es eine ruhige Sommersaison werde, Stornierungen fänden jedoch noch sehr zurückhaltend statt. Laut Schafer findet in ihrem Resort «Social Distancing» ganz natürlich statt: «In unserer Gemeinde kommen gerade mal 0,3 Einwohner auf einen Quadratkilometer.»

Mehr Reisen auf Inseln

Die Schweizer Reiseveranstalter verzeichnen kein gestiegenes Interesse für Schweden. Tui-Sprecherin Bianca Schmidt: «Zwischen Juni und August ist vor allem unser Angebot in der Schweiz gefragt. Auslandsreisen werden nur vereinzelt gebucht.» Tui verzeichne erst im September und vor allem für die Herbstferien im Oktober wieder eine grosse Nachfrage für Griechenland, Spanien oder die Türkei. Bei Kuoni tönt es ähnlich: «Bis jetzt waren die Kunden bei Buchungen für Sommerferien zurückhaltend», so Sprecher Markus Flick. «Wir erwarten nun aber einen Nachfrageanstieg etwa für einige spanische und griechische Inseln, die sich derzeit Schutzkonzepte für den Sommertourismus erarbeiten. Voraussetzung für die Reise ist grünes Licht durch Behörden und eine Fluganbindung».

Am Freitag hat die Swiss bekanntgegeben, dass sie im Juni das Flugangebot wieder ausbauen will. Ab Zürich sollen 140 mal die Woche wieder 30 europäische Destinationen angeflogen werden und ab Genf sind 40 wöchentliche Flüge zu 14 europäischen Zielen geplant. Beim Fliegen sollen die Passagiere jetzt Masken tragen. Damit entfällt laut der Swiss die derzeitige Regelung, den Nachbarsitz in der Economy Class freizuhalten, da durch die Maske ein ausreichender Gesundheitsschutz bestehe.

Einreisebestimmungen

Länderübersicht

  • Frankreich: Der Tourismus ist auf Eis gelegt. Auch für den Personenverkehr zwischen dem Festland und Korsika gilt in beide Richtungen ein Reiseverbot.
  • Italien: Schweizern ist die Einreise zu Freizeitzwecken verboten. Hotels und Grenzen bleiben vorerst zu.
  • Deutschland: Bis mindestens 15. Mai werden Grenzkontrollen durchgeführt. Eine Einreise ist nur mit triftigem Grund möglich, etwa weil man in Deutschland arbeitet.
  • Österreich: Schweizer müssen bei der Einreise einen negativen Coronatest vorlegen, der nicht älter als vier Tage ist. Ansonsten müssen sie sich in eine zweiwöchige Quarantäne begeben.
  • Spanien: Die Einreise ist nicht möglich. Es ist noch unklar, wann ausländische Touristen wieder kommen dürfen.
  • Griechenland: Einreisende müssen 14 Tage in Quarantäne. Ab dem 1. Juli sollen wieder ausländische Touristen empfangen werden.
  • Schweden: Reisemöglichkeiten wurden reduziert, die Einreise ist Bürgern aus dem Schengenraum jedoch erlaubt.
  • Grossbritannien: Eine Einreise ist nicht verboten, Visa werden aber nur unter Auflagen ausgestellt. Ab Ende Mai müssen alle Einreisende zwei Wochen in Quarantäne bei einer Privatadresse.
  • Türkei: Schweizer dürfen nicht einreisen, ab Juni soll es aber nach und nach wieder internationale Flüge geben.

Deine Meinung

115 Kommentare
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Walt1

12.05.2020, 12:28

Gerade Politiker sollten in diesen Zeiten Vorbilder sein. Die Angst wird auch gemacht. Nicht Reisen zu können ist auch ein First-World Problem. Ein Luxus den eigentlich die meisten Menschen gar nicht haben. Wir müssen lernen auch ohne Reisen uns zu beschäftigen und auch abschalten können, sonst Fliegt der Stress einfach mit.

Henä

12.05.2020, 11:10

Seine Selbstwahrnehmung ist schräg aber fühlt sich wahrscheinlich "geil" an. Wer hat Angst in der CH? Ich kenne keinen Einzigen mit Angst. Was jedoch alle bis auf wenige Ignoranten, aus verständlichen Gründen, haben ist Respekt vor Covid-19 und ein grosses Verantwortungsgefühl gegenüber den vulnerablen Personen.

Untermberg

12.05.2020, 09:28

Ich hoffe mal dem bezahlt die Krankenkasse nichts, falls er sich in Schweden ansteckt.