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Aimees erster TV-Auftritt«Meine Finger waren komplett schwarz»

Ihr Fall wurde vor vier Monaten bekannt: Nach einem Badeunfall am Fluss Tallapoosa in Georgia war Aimee Copeland von fleischfressenden Bakterien befallen worden. Jetzt gab sie ihr erstes Interview.

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Aimee Copeland wurde im Mai weltweit berühmt – unfreiwillig: Die 24-jährige Psychologie-Studentin aus Georgia hatte sich nach einem Unfall am Fluss Tallapoosa mit einem fleischfressenden Schädling infiziert. Wenige Wochen nach ihrer Einlieferung ins Spital mussten ihr ein Bein, ein Fuss und beide Hände amputiert werden. Copeland erlitt grauenvolle Schmerzen und die Genesung dauerte mehrere Monate.

Jetzt trat sie erstmals im US-Fernsehen auf, um ihre Geschichte zu erzählen. Vor den sichtlich gerührten Zuschauern betrat die junge Frau die Bühne der Sendung «Katie» mit einer Gehhilfe und einer Bein-Prothese. Sie fühle sich grossartig, sagte sie lächelnd. Nachdem sie so lange gelegen oder gesessen sei, sei es wunderbar, wieder gehen zu können, meinte sie als Erstes.

Aimee Copeland erzählte von der schweren Zeit im Spital und in der Reha-Klinik. Derzeit übe sie, sich selbstständig anzuziehen und sich die Zähne zu putzen: «Es tönt nach einer einfachen Sache, aber ich kann Ihnen versichern, dass es ohne Hände fast unmöglich ist, ein Paar Jeans oder Shorts hochzuziehen.» Auch die Mundhygiene habe unter ihrer Krankheit stark gelitten. «Es war schwierig, mit den herkömmlichen Zahnbürsten bis zu den hintersten Ecken zu gelangen oder mit dem nötigen Druck die Zähne zu bürsten. Ich spürte, wie sich mit der Zeit Zahnbelag bildete und dachte ständig: ‹Mein Zahnarzt wird mich dafür hassen›.»

Aimee hat ein neues Leben

Ihr Studium hat sie trotz langer Abwesenheit nicht aufgegeben. Im Gegenteil: Die 24-Jährige erzählte, dass sie wieder an ihrer Abschlussarbeit schreibe. Mit Hilfe einer speziellen Software diktiere sie den Inhalt ihrer Arbeit. Korrekturen und Änderungen führe sie am Computer mit der Nase durch, sagte sie.

Der schlimmste Tag ihres Lebens sei der gewesen, als ihr Vater sie über die bevorstehenden Amputationen informieren musste. «Er hob meine beiden Hände, damit ich sie sehen konnte. Meine Finger waren schwarz und die Hände völlig blutunterlaufen. Und er sagte: ‹Wir werden sie abtrennen müssen›.» In diesem Augenblick habe ihr das eingeleuchtet: «Ich kann doch nicht mit schwarzen Händen durchs Leben gehen», habe sie gedacht.

Behindert sei sie allerdings nicht, erklärte sie der Moderatorin Katie Couric. «Ich lebe jetzt mit anderen Fähigkeiten.» Bald wolle sie wieder Auto fahren: Ein Autohändler hat der Familie einen speziell ausgestatteten Wagen gesponsert. Sie fühle sich so dankbar und glücklich: «Ich durfte die Güte komplett fremder Menschen erfahren», meinte sie zum Schluss.

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