«Meine Güte, wer sind diese Leute?»
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«Meine Güte, wer sind diese Leute?»

Für Kontroversen am Olympischen Fackellauf sorgt auch der Einsatz hochgewachsener und durchtrainierter Über-Chinesen in blau-weissen Trainingsanzügen - der sogenannten Fackel-Schutzstaffel, die die Flamme rund um die Welt beschützen sollen.

Die handverlesenen Sicherheitskräfte, die wie eine Mischung aus Marathon-Olympiasiegern und Geheimagenten wirken, laufen mit versteinertem Gesicht neben der Flamme her und signalisieren, dass mit ihnen nicht gut Kirschen essen ist.

In Paris löschten die Elite-Sicherheitsleute am Montag mehrmals die Flamme vor anrückenden Demonstranten, die massiv gegen das chinesische Vorgehen in Tibet protestierten.

Ihr rüdes Verhalten hat den Chinesen viel Kritik eingetragen. Der zweimalige Olympiasieger Sebastian Coe, der das Organisations- Komitee für die Spiele 2012 in London leitet, bezeichnete die Männer britischen Medienberichten zufolge als «Schläger».

Konnie Huq, die in London Fackelträgerin war, beschrieb die Sicherheitsleute als aggressiv. Sie hätten sich sogar Handgemenge mit der britischen Polizei geliefert, worüber sie sehr erstaunt gewesen sei. «Sie schrien mir Befehle wie 'lauf' oder 'stopp' zu und ich dachte mir, 'meine Güte, wer sind diese Leute?'»

Fackel-Schutztruppe

Nach Berichten chinesischer Medien sind sie Angestellte des Pekinger Organisationskomitees, das im August 2007 eine «Fackel- Schutztruppe» gründete. Die Einheit soll das Feuer 24 Stunden am Tag auf ihrer 137 000 km langen und 130 Tage dauernden Reise um den Globus bewachen.

Die Mitglieder der Truppe sind Militärpolizisten, die in China für die Bekämpfung von Unruhen und die innere Stabilität zuständig sind. Zehntausende der «Wujing», wie die Polizisten auf Chinesisch heissen, sind unlängst in Tibet und in den angrenzenden Regionen gegen Demonstranten vorgegangen.

«Die Männer, die aus dem ganzen Land kommen, sind alle gross, besonders begabt und kräftig», beschreibt ihr Chef Zhao Si die Mitglieder seiner Einheit. Der kleinste der Polizisten misst nach einem Medienbericht 1,90 Meter. In anderen Worten: Es sind Über-Chinesen.

Durchtrainiert wie Spitzensportler

«Ihre herausragenden körperlichen Fähigkeiten unterscheiden sie nicht im Geringsten von Spitzensportlern», unterstreicht Zhao. Die Truppe besteht aus zwei Staffeln: Eine 30 Mann starke Mannschaft beschützt die Fackel im Ausland, etwa 40 andere tun das in China.

«Das Begleiten und Beschützen der Fackel ist Schwerstarbeit», hiess es in einem Medienbericht. Einige der Polizisten müssten bis zu 50 Kilometer am Tag rennen.

Zum Training gehörten Bergläufe von mindestens zehn Kilometern Länge. Ausserdem würden die Männer in nationalen Gebräuchen unterwiesen und könnten unter anderem Englisch, Französisch, Spanisch, Japanisch und Deutsch sprechen.

(sda)

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