24.06.2020 18:53

Andrea All In

«Meine Gummipuppe sieht aus wie ein alter Elvis mit Scream-Gesicht»

Können Sexpuppen auch bei Frauen punkten – und vielleicht sogar den Partner ersetzen? Ich will es wissen und bestelle mir eine männliche Sexdoll.

von
Andrea Burri
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Sexualwissenschaftlerin Andrea Burri macht den Selbsttest: Kann eine Sexpuppe den Partner ersetzen?

Sexualwissenschaftlerin Andrea Burri macht den Selbsttest: Kann eine Sexpuppe den Partner ersetzen?

20 Minuten
Um das herauszufinden, bestellt sich die Sexologin das Anfängermodell Gary B. Kostenpunkt: Rund 40 Franken.

Um das herauszufinden, bestellt sich die Sexologin das Anfängermodell Gary B. Kostenpunkt: Rund 40 Franken.

20 Minuten 
Gary kommt mit «stark geädertem Penis-Vibrator, 22 cm lang» und muss laut Packungsbeilage ein ganz heisser Latinlover sein.

Gary kommt mit «stark geädertem Penis-Vibrator, 22 cm lang» und muss laut Packungsbeilage ein ganz heisser Latinlover sein.

20 Minuten

Darum gehts

  • Sexpuppen gibt es mittlerweile in diversen Variationen und Preiskategorien.
  • Doch nicht nur weibliche Sexpuppen sind begehrt. In letzter Zeit soll auch die Nachfrage nach männlichen Sexdolls gestiegen sein – und das bei Männern und Frauen.
  • Sexualwissenschaftlerin Andrea Burri will wissen, ob eine Sexpuppe tatsächlich den Partner ersetzen kann. Sie macht den Selbsttest.

Es sind vor allem Männer, die auf Gummipuppen abfahren. Ein Frauenkörper aus Plastik, meist gesichtslos, mit zahlreichen Öffnungen für alle möglichen Sexspielchen. Mittlerweile sind die Puppen richtig lebensecht und können nach Belieben personalisiert werden. So kann man nicht nur Haut-, Haar- und Augenfarbe frei wählen, sondern auch ob man lieber einen athletischen oder erotischen Körperbau wünscht und wie gross Brüste und Po sein sollen. Dafür legen Käufer schon mal 2000 Franken und mehr auf den Tisch.

Auch die Nachfrage nach männlichen Sexpuppen steigt. Und das bei Männern und Frauen. Als Grund nennen die Hersteller, dass Frauen vermehrt ihre sexuellen Fantasien unabhängig von einer bestehenden Partnerschaft ausleben möchten. Anscheinend reicht den Frauen da die reine Masturbation nicht mehr aus. Und die Suche in Bars und auf Tinder gestaltet sich offensichtlich zu mühsam und zeitintensiv.

«Mein Hund ist begeistert von der Gummipuppe, ich weniger»

Ich will wissen, ob so eine Puppe tatsächlich einen Partner ersetzen kann, bestelle mir aber lediglich das simple Anfängermodell für knapp 40 Franken – schliesslich will ich dieses Jahr auch noch in die Ferien. Gary B., so der Name meines neuen Loverboys, kommt mit «stark geädertem Penis-Vibrator, 22 cm lang» und muss laut Packungsbeilage ein ganz heisser Latinlover sein. Leider schickt mir die Firma fälschlicherweise zuerst Long John, worauf ich mich natürlich sofort beschwere. Die Firma tröstet mich mit einem Gratis-10-ml-Gleitgel-Geschenk über meine Wartezeit hinweg. Nach drei Wochen liegt dann endlich Gary B. in meinem Milchkasten.

Doch die Enttäuschung ist gross, und wahrscheinlich wär ich mit Long John besser bedient gewesen. Denn tatsächlich gleicht die Puppe eher einem in die Jahre gekommenen Elvis. Die Brusthaare sind aufgemalt, die Mundöffnung gleicht der Maske aus dem «Scream»-Movie und das ganze Ding ist ungefähr 120 cm lang. Nach dem Aufblasen weiss ich ehrlich gesagt nicht so recht, was ich mit ihm anfangen soll. Mein Hund dagegen ist begeistert und beisst den armen Gary gleich mal in die Lippe. Ich transportiere das sperrige Ding ins Schlafzimmer. Der Penis ist riesig und alles riecht stark nach Plastik. Gary erinnert mich an die Luftmatratze, auf der ich mich im Sommer auf dem See treiben liess.

Ich kann mich leider nicht dazu überwinden, irgendwas auch nur annähernd Sexuelles mit der Puppe anzufangen, und so landet Gary zuerst in der Gerümpelkammer und später jungfräulich im Müll. Fazit: Vielleicht hätte ich doch besser 2000 Franken in eine lebensechte Puppe investiert. Die wird nämlich mit Attributen wie «Prachtspenis», «geschmackvoll trainierter Body», «verführerische Lippen» und «erregend enge Anusöffnung» beworben. Also alles, was ein Frauenherz begehrt. Ich für meinen Teil bleibe lieber beim «real thing».

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