Lovely Me - «Meine Hände und Füsse tropfen vom Schweiss»
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Lovely Me«Meine Hände und Füsse tropfen vom Schweiss»

Von Geburt an schwitzt Lara* (24) überdurchschnittlich viel. Ihr ständiger Begleiter: Ein Handtuch. Denn oft ist es so schlimm, dass ihre Hände und Füsse klitschnass sind.

von
Deborah Gonzalez
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Die 24-jährige Lara* leidet unter Hyperhidrose. Sie schwitzt so sehr, dass ihre Hände und Füsse tropfen – egal ob es warm oder kalt ist.

Die 24-jährige Lara* leidet unter Hyperhidrose. Sie schwitzt so sehr, dass ihre Hände und Füsse tropfen – egal ob es warm oder kalt ist.

Privat
Lara*, die in ihrer Freizeit gerne mit ihrem Hund spazieren geht, sagt, dass die Krankheit sie im Alltag sehr einschränkt: «Die einfachsten Dinge entpuppen sich als Schwierigkeit.»

Lara*, die in ihrer Freizeit gerne mit ihrem Hund spazieren geht, sagt, dass die Krankheit sie im Alltag sehr einschränkt: «Die einfachsten Dinge entpuppen sich als Schwierigkeit.»

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Doch sie lässt sich davon nicht unterkriegen. Lara* akzeptiert sich so, wie sie ist und freut sich über die Tage, an denen sie nicht allzu sehr schwitzt.

Doch sie lässt sich davon nicht unterkriegen. Lara* akzeptiert sich so, wie sie ist und freut sich über die Tage, an denen sie nicht allzu sehr schwitzt.

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Darum gehts

  • Lara* (24) aus Basel leidet seit ihrer Geburt an Hyperhidrose. Ihre Hände, Füsse aber auch Achseln schwitzen unentwegt.

  • Die Krankheit schränkt sie im Alltag sehr ein. Die einfachsten Dinge entpuppen sich als Schwierigkeit.

  • Sie muss immer ein Handtuch mit sich tragen, um sich den Schweiss abwischen zu können.

  • Die Reaktionen ihrer Mitmenschen schüchtern Lara ein. Sie wird nervös und schwitzt dadurch mehr.

  • Die wenigen Tage, an denen sie nichts von der Krankheit spürt, sind ihr Lichtblick.

Lara*, was macht dich besonders?

Ich leide seit meiner Geburt an Hyperhidrose. Das heisst, dass ich übermässig viel schwitze. Ich habe immer schweissgebadete Hände und Füsse – dabei ist es egal, ob es draussen heiss oder kalt ist. Ich schwitze im Sommer, genauso aber auch im Winter.

Woran liegt das?

Als ich ein Baby war, dachte meine Mutter zunächst, dass mir immer zu heiss ist – keiner konnte sich erklären, was da mit mir passiert. Nach einigen Arztbesuchen war dann klar: Ich habe eine palmare, plantare und axilläre Hyperhidrose, das heisst, ich schwitze vermehrt an den Handflächen, Fusssohlen und Achseln. Man muss es sich so vorstellen: Wenn man seine Hände wäscht, sind sie nass und das Wasser tropft von ihnen. Genauso ist es bei mir, allerdings den ganzen Tag lang und das ganz ohne Wasser.

Was ist Hyperhidrose?

Als Hyperhidrose wird eine übermässige Schweisspoduktion bezeichnet, die generalisiert oder lokal auftreten kann. Ausserdem unterscheidet man bei dieser Art Krankheit zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose. Bei ersterer kann keine bestimmte Ursache für die vermehrte Schweissproduktion gefunden werden. Bei der sekundären Hyperhidrose jedoch, kann es sich bei dem vermehrten Schwitzen um ein Symptom einer anderen Erkrankung handeln.

Das hört sich nach einer grossen Beeinträchtigung an.

Und wie. Es gibt so vieles, was ich nicht normal machen kann. Die einfachsten Dinge sind für mich ein Ding der Unmöglichkeit. Sei es über das Handy wischen, den Flaschendeckel aufdrehen oder barfuss herumlaufen – das geht alles kaum bis gar nicht. Das Unangenehmste sind aber meine Hände: Ich kann nicht einmal einen Brief schreiben, weil das Blatt direkt nass wird.

Wie schaffst du es, im Alltag damit klarzukommen?

Ich habe ein Handtuch, das ich immer bei mir trage. Damit halte ich mein Handy oder andere Dinge. Ich mache nichts ohne das Handtuch. Selbst das Besteck muss ich immer wieder abputzen, sonst würde es mir aus der Hand rutschen. Da ich auch an den Füssen übermässig viel schwitze, trage ich das ganze Jahr über geschlossene Sneaker. High Heels oder Sandalen sind undenkbar, da ich immer wieder herausrutschen würde. Genauso wenig kann ich barfuss herumlaufen, weil ich ausrutschen und hinfallen würde. Graue Shirts sind auch ein No-Go für mich, weil meine Schweissflecken an den Achseln total sichtbar sind. Aber das Schlimmste ist für mich das Händeschütteln - davor graut es mich jedes Mal.

Wie gehst du mit der Situation um?

Ich möchte den Gruss nicht verweigern, fühle mich aber sehr unwohl dabeivor allem, wenn es um fremde Menschen geht. Oft werde ich auf meine nassen Hände angesprochen, nachdem sie ihre eigene Hand am Shirt oder der Hose abgewischt haben. Viele wissen ja nicht von meiner Krankheit, trotzdem finde ich das schlimm. Ich versuche immer meine Hände vorher abzuwischen, aber es bringt einfach nichts. Ich wurde deswegen auch schon beleidigt, sowas macht mich wütend und sehr emotional. Es ist ein Teufelskreis, denn dann werde ich nervös und schwitze nur noch mehr.

Gibt es Momente, in denen du nicht schwitzt?

Kaum. Ein richtig «trockenes» Leben gibt es nicht, ich kenne es nur so, wie es ist. Aber an den wenigen Tagen, an denen ich nichts habe, liebe ich mein Leben. Ich würde so vieles dafür geben, immer trockene Hände und Füsse zu haben. Vollkommen glücklich bin ich am Meer, denn dort bin ich «normal». Dort schwitze ich nichtich denke, das liegt an der Luft. Ich versuche so oft wie möglich dort zu sein. Für den Rest der Zeit muss ich mich so akzeptieren, wie ich bin. Ich kenne es ja nicht anders und habe mit der Zeit gelernt, damit zu leben. Mein Umfeld gibt mir seit jeher viel Kraft. Auch meine Freundinnen und Freunde lieben mich so, wie ich bin. Wenn ich bei ihnen bin, bieten sie mir zum Essen immer ein Tuch an, damit ich das Besteck halten kann. Das zeigt mir, dass sie an mich denken und ich für sie nicht komisch bin. Nur mein Freund muss Abstriche machen.

Wieso?

Ich mag es nicht Händchen zu halten! Aber das ist nur halb so schlimm. Wir sind seit acht Jahren zusammen, er kennt mich und weiss, womit ich zu kämpfen habe. Er steht mir immer zur Seite und darüber bin ich sehr glücklich.

*Name geändert

Entsprichst du nicht den klassischen Schönheitsidealen, hast du viele Tattoos oder auch Body-Modifications? Hast du eine Krankheit, mit der du zu leben gelernt hast, oder hattest du einen Unfall und seither ist alles anders, aber nicht unbedingt schlechter? Dann erzähle uns davon! Für unser Format «Lovely Me» suchen wir Männer und Frauen, die nicht den klassischen Schönheitsidealen unserer Zeit entsprechen und sich trotzdem – oder gerade deswegen – wohlfühlen. Zeig dich, erzähle uns hier von deinen Erfahrungen mit Selbstliebe und Body-Positivity:

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