Heerbrugg SG: «Meine Kinder sind traurig» – Katze will nach Fremdfütterung nicht mehr heim

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Heerbrugg SG«Meine Kinder sind traurig» – Katze will nach Fremdfütterung nicht mehr heim

In Heerbrugg SG vermisst eine Frau über ein Monat lang eine Mutterkatze. Als diese wieder auftaucht, hat sie eineinhalb Kilogramm zugenommen. Die Besitzerin vermutet Fremdfüttern. 

von
Ammar Jusufi
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Die Mutterkatze Hera war für einen Monat lang verschwunden.

Die Mutterkatze Hera war für einen Monat lang verschwunden.

20min/News-Scout
Die zwei Katzenjungen der Mutterkatze schliefen nachts auf ihrem Schlafplatz und zeigten sich unruhig. Der Sohn der Besitzerin fragt sich ebenfalls, wo sein Liebling bleibt. 

Die zwei Katzenjungen der Mutterkatze schliefen nachts auf ihrem Schlafplatz und zeigten sich unruhig. Der Sohn der Besitzerin fragt sich ebenfalls, wo sein Liebling bleibt. 

20min/News-Scout
Die Katze Hera ist mit einem Chihuahua, dem Familienhund, befreundet.

Die Katze Hera ist mit einem Chihuahua, dem Familienhund, befreundet.

20min/News-Scout

Darum gehts

  • Eine Katzenbesitzerin vermisst ihre Katze über einen Monat lang. Als diese plötzlich wieder auftaucht, wiegt sie eineinhalb Kilo mehr.

  • Die Katzenbesitzerin aus Heerbrugg SG ist sich sicher, dass es sich um Fremdfüttern handelt und droht mit der Polizei.

  • Die Katzenjungen der Katzenmutter sowie das Kind der Katzenbesitzerin vermissen die Katze.

  • Der Tierschutzverein St. Gallen rät strengstens davon ab, fremde Katzen zu füttern.

  • Eine Juristin der Stiftung für das Tier im Recht (TIR) erklärt die Rechtslage.

Bahar Inanir aus Heerbrugg SG besitzt drei Katzen: eine Mutterkatze, Hera, und zwei Nachkömmlinge. Die Mutter der beiden Katzen sei einen Monat lang nicht mehr nach Hause gekommen. «Ich habe sie zwar immer wieder im Quartier gesehen, aber zu mir wollte sie nicht mehr», sagt die 39-jährige Rheintalerin zu 20 Minuten.  Erst am Donnerstag  sei sie wieder in die Wohnung spaziert.

Als Inanir Hera wieder zuhause sah, war sie geschockt: «Sie sah total gepflegt aus und hatte plötzlich eineinhalb Kilogramm mehr auf den Hüften.» Obwohl Hera scheu sei, liebe sie Leckerlis und liesse sich damit sofort anlocken. Die Halterin geht davon aus, dass Nachbarn ihrer Katze derart viel zu fressen geben, dass sie nicht mehr nach Hause kommen muss. Eine Nachbarin hätten sogar schonmal ihren Kater gestohlen. «Erst als die Polizei kam, kam die Frau zur Vernunft und gab mir das Tier zurück.»

Die Mutterkatze wird zuhause vermisst

Für Inanir ist die Situation sehr ärgerlich: «Du musst den Kindern beibringen, dass es blöde Leute gibt, die fremde Katzen füttern und nach Hause locken», sagt die Mutter. Sie hat einen  neunjährigen Sohn, der jeden Abend vergeblich die Katze suche. Auch die jungen Tiere sehnen sich eigenen nach der Nähe ihrer Mutter, wie die Rheintalerin erzählt. Sie schliefen nach Angaben des News-Scout jeden Abend auf dem leeren Schlafplatz der Mutter und waren ganz unruhig. 

Die Geschichte postete die 39-Jährige auf Facebook und lässt ihren Ärger freien Lauf: «Es macht mich und meine Kinder sehr traurig wenn so etwas passiert», schreibt sie unter anderem. Und: «Ich werde künftig nicht mehr warnen, sondern solche Leute anzeigen.» Viele User geben ihr Zuspruch und schreiben, dass  sie im Rheintal schon dasselbe erlebt haben. 

Strafe von bis zu drei Jahren Gefängnis möglich

Doch ist das Füttern fremder Katzen überhaupt verboten? «Nicht generell», sagt Caroline Mulle, eine Juristin bei der Stiftung für das Tier im Recht (TIR). Es wird viel mehr dann zu einem Problem, wenn dies regelmässig und systematisch geschieht.

«Im Beispiel von Inanir stellt das Weglocken der Katze einen Eingriff in die Eigentumsrechte des Katzenhalters dar, gegen den sich dieser mit rechtlichen Mitteln zur Wehr setzen kann», so die Juristin. Die angedrohte Strafe könnte wegen Sachentziehung oder der unrechtmässigen Aneignung eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe betragen.  In jedem Fall könnte die Fütterung zivilrechtlich verboten werden. 

«Das Fremdfüttern ist der Eingriff in eine Beziehung»

Auch der Tierschutzverein in St. Gallen kennt das Problem bereits und rät dringendst davon ab, fremde Katzen zu füttern. «Das Füttern fremder Katzen ist ein Eingriff in die Beziehung zwischen der Katze und den eigentlichen Besitzer», sagt Julika Fitzi-Rathgen, die Präsidentin des Tierschutzvereins St. Gallen.

Fremde Katzen werden gemäss ihrer Erfahrung oft aus «falschverstandener Tierliebe» gefüttert. Die jeweilige Person findet die Katze etwas zu schlank oder möchte ihr mit Leckerlis etwas Gutes tun, wobei ihr gar nicht klar ist, dass sich diese Katze dann vielfach vom eigentlichen Besitzer entfremdet. «Eine fremde Katze sollte man, wenn überhaupt, nur mit entsprechenden Abklärungen füttern.» 

Hast du schonmal eine fremde Katze gefüttert?

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel.  079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00


Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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