Kein Job während Corona - Familie kann Strom nicht bezahlen und muss im Dunkeln essen
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Kein Job während CoronaFamilie kann Strom nicht bezahlen und muss im Dunkeln essen

Ein News-Scout aus Flüh lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern seit Mitte Juli ohne Strom, da er wegen der Coronakrise lange arbeitslos war. Dass es tatsächlich bis zu einer Stromabschaltung kommt, passiere selten, so das Energieversorgungs-Unternehmen.

von
Seline Bietenhard
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Ein News-Scout sitzt mit seiner Frau und den vier Kindern seit Mitte Juli im Dunkeln. Seit der Coronakrise hat der Familienvater finanzielle Schwierigkeiten, da er keine Arbeit hatte. Erst seit Mai 2021 kann er wieder normal arbeiten.

Ein News-Scout sitzt mit seiner Frau und den vier Kindern seit Mitte Juli im Dunkeln. Seit der Coronakrise hat der Familienvater finanzielle Schwierigkeiten, da er keine Arbeit hatte. Erst seit Mai 2021 kann er wieder normal arbeiten.

News-Scout
Die Familie kocht ihren morgendlichen Kaffee jetzt mit Fondue-Brennpasten auf. Der grösste Wunsch des Familienvaters ist jedoch, dass seine Kinder am Montag mit sauberen Kleidern und frisch geduscht zur Schule gehen können.

Die Familie kocht ihren morgendlichen Kaffee jetzt mit Fondue-Brennpasten auf. Der grösste Wunsch des Familienvaters ist jedoch, dass seine Kinder am Montag mit sauberen Kleidern und frisch geduscht zur Schule gehen können.

News-Scout
Ein grosser Teil des letzten Lohnes des Vaters ging für die Bezahlung von zwei Monatsmieten und Krankenkassenbeiträge von vier Monaten drauf.

Ein grosser Teil des letzten Lohnes des Vaters ging für die Bezahlung von zwei Monatsmieten und Krankenkassenbeiträge von vier Monaten drauf.

News-Scout

Darum gehts

  • Einem Familienvater aus dem Kanton Solothurn wurde Mitte Juli der Strom abgestellt.

  • Er hatte die Stromrechnung seit Monaten nicht mehr begleichen können.

  • Der temporär angestellte Elektroinstallateur hatte während der Coronakrise keine Arbeit.

  • Dass es tatsächlich zu einer Stromabschaltung kommt, passiert nicht oft.

Ein News-Scout aus Flüh im Kanton Solothurn lebt mit seiner Frau und den gemeinsamen vier Kindern seit Mitte Juli ohne Strom. Der Alleinverdiener hatte die Stromrechnung von 848 Franken nicht pünktlich bezahlt, da er in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Der Mann arbeitet auf dem Bau und konnte während der Coronakrise bis im Mai 2021 nicht arbeiten. «Ich habe dem Münchensteiner Stromanbieter meine Situation mehrfach geschildert und um Nachsicht gebeten», schildert er gegenüber 20 Minuten. Er sei in Polen aufgewachsen und lebe seit zehn Jahren in der Schweiz. Seine Rechnungen habe er sonst immer pünktlich bezahlt. Nun wurde seiner Familie Mitte Juli der Strom abgeschaltet.

«Zuerst wollte ich Ende Juli bezahlen», erzählt der Familienvater. Da er zurzeit jedoch nur temporär arbeite, konnte er die Rechnung noch nicht begleichen. «Ich habe dem Anbieter dann Anfang August nochmal geschrieben und nochmals nach etwas Geduld gefragt», so der News-Scout. Denn der Vater einer sechsköpfigen Familie arbeitet auf dem Bau und verdient etwa 4500 Franken im Monat. «Der letzte Lohn, den ich erhalten habe, ging für zwei Monatsmieten und die Bezahlung der Krankenkasse seit März von 1800 Franken drauf», erzählt er verzweifelt. Seine Frau sorge zuhause für die Kinder.

Immerhin habe er Glück, dass ihre Wohnung von einer Privatperson vermietet werde. Aber der Vermieter wisse nicht, dass sie keinen Strom hätten. «Ich will es ihm nicht sagen. Ich habe Angst, dass wir dadurch die Wohnung verlieren könnten. Es ist sehr schwer», so der Mann. Er würde niemanden kennen, von dem er sich Geld leihen könnte.

Kaffee kochen mit Fondue-Brennpasten

Da er voraussichtlich seinen Lohn erst nächste Woche erhalten werde, müssen er und seine Familie solange im Dunkeln ausharren. «Wir haben viel gegrillt letzte Woche, damit wir trotz allem etwas Warmes essen konnten.» Auch müssten sie kalt duschen und den morgendliche Kaffee mithilfe einer Fondue-Brennpaste aufkochen.

Der grösste Wunsch des Familienvaters ist jedoch, dass seine Kinder am Montag unter normalen Umständen in den ersten Schultag starten können. «Ich möchte einfach, dass sie sauber und mit gewaschenen Kleidern in die Schule können und etwas Warmes zu Essen haben», so der News-Scout.

«Ich möchte einfach, dass meine Kinder am Montag sauber und mit gewaschenen Kleidern normal zur Schule gehen können»

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«Es braucht wirklich viel, bis der Strom abgeschaltet wird»

Laut dem Anbieter Primeo Energie benötige es recht viel, bis einem Kunden der Strom abgeschaltet werde. «Auf 180’000 Kunden kommen jährlich etwa nur 80 solcher Fälle», so Mediensprecher Joachim Krebs zu 20 Minuten. Es müsse wirklich mehrere Monate lang keine Zahlungen gegeben haben, dass so etwas geschehe. «Während der Coronakrise haben wir als Sonderlösung auch die Zahlung auf Raten angeboten», so Krebs. Wie es jedoch bei dem geschilderten Fall genau aussehe, müssten sie noch intern abklären.

20 Minuten liegen Dokumente vor, die zeigen, wie das Energieversorgungs-Unternehmen dem News-Scout versuchte entgegenzukommen. Wenn mindestens die Hälfte der Zahlung bis Ende Monat eintreffe, werde der Strom wieder eingeschaltet.

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