Aktualisiert 30.04.2020 11:30

3 mit Sex

«Meine Lockdown-Affäre will mehr von mir!»

Bruce hat aus Lockdown-Verzweiflung einen Rückfall mit einem Ex-Gschpusi. Und ist jetzt im grossen Quarantäne-Dilemma.

von
Bruce
1 / 4
Nach sechs Wochen Lockdown hält es Bruce nicht mehr aus: Er trifft sich mit Nora,  einer seiner Verflossenen, zum Sex-Date. Doch dann wird es kompliziert.

Nach sechs Wochen Lockdown hält es Bruce nicht mehr aus: Er trifft sich mit Nora, einer seiner Verflossenen, zum Sex-Date. Doch dann wird es kompliziert.

Anna Deér
Bruce
Bruce

Er ist ein bekannter Musiker, gilt als heterosexuell. Bruce wird auf der Strasse erkannt und empfängt Journalistinnen für Homestorys. Er datet öfter Männer als Frauen und muss aufpassen, dass ihn seine Groupies nicht ertappen.

Anna Deér
Ella
Ella

Sie ist Single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.

Anna Deér

Um das gehts

  • Nach sechs Wochen Lockdown reisst bei Bruce langsam der sexuelle Geduldsfaden.
  • Er verschickt Nachrichten an alte Liebhaber und Liebhaberinnen.
  • So kommt es zum Treffen mit Nora.
  • Was die Sache kompliziert macht: Nora scheint immer noch voll auf ihn zu stehen.
  • Bruce steht vor einem Dilemma: Wie macht er ihr klar, dass er nicht mehr will?

Ich hab ja alles probiert. Masturbation mit und ohne Pornos, Skype-Sex und sogar eine an «American Pie» erinnernde Erfahrung mit einem weichen Kissen. Nicht geil. Aber nach sechs Wochen Lockdown reisst auch der in sich selbst ruhendsten Zen-Persönlichkeit der sexuelle Geduldsfaden.

Also durchforste ich mein Telefonbuch und tue das, was sonst nur betrunken im El Paso nachts um halb vier okay ist: direkte Nachrichten an Verflossene zu schicken. Nachdem ich bei Jessica, Petra und Nik, dem Pizzakurier (lange Geschichte mit hastigen Quickies zwischen Mehlsäcken und Sardinendosen), nur Absagen kassiert habe (entweder sind tatsächlich neu alle in Beziehungen oder sie sind noch Corona-sensibler als ich – jedenfalls langweilig), wende ich mich an Nora.

Nora und ich hatten vor einem Jahr oder so ein Gschleik, das irgendwann ausgefranst ist. Oder genauer: Das ich habe ausfransen lassen. Eine Affäre franst ja nicht von allein aus. Ist ja kein T-Shirt. Aber in meiner Erzählung ist es halt ausgefranst. Weil Nora irgendwie mehr wollte – so habe ich sie damals jedenfalls interpretiert – und weil ich keine Lust auf Drama hatte, haben wir uns einfach kaum noch gesehen. Zumal sie ein Kind hat und etwas älter ist als ich. Aber jetzt ist alles anderes. «Hey Nora», schreibe ich. «Lust auf ein Bier auf Abstand?» «Wir können ja den Abstand nach zwei Bier verringern», schreibt sie schon nach fünf Minuten zurück. Das fängt ja gut an.

Körpernähe! Wie geil ist das denn!

Noch am selben Abend sitze ich mit zweieinhalb Metern Abstand auf ihrem Balkon und nippe an einem mitgebrachten Bier. «Endlich sehen wir uns wieder. Dieser Lockdown hat ja doch auch sein Gutes», sagt sie. Na ja, so weit würde ich nicht gehen, denke ich. Und verfluche mich für meine Gemeinheit. «Das finde ich auch. Viel zu lange ists her!», sage ich stattdessen.

Nach unverfänglichen Gesprächen und drei weiteren Bier verringern wir den Abstand auf null und beginnen rumzumachen. Rummachen! Körpernähe! Wie geil ist das denn! Meine Hand rutscht unter ihr viel zu kurzes Sommerkleid und ich spüre, wie feucht sie ist. Nach einer Minute liegen wir auf ihrem Sofa und fallen übereinander her. «Ich hab dich so vermisst!», stöhnt sie. Das Sofa knarrt bedenklich. «Jaaa!», ächze ich zurück und wir wechseln die Position.

Ich liege jetzt über ihr und sie blickt mir direkt in die Augen. Ziemlich starrend. «Ich hab dich gern!», sagt sie in einem Ton, der mir das Blut in den Adern (und anderswo) gefrieren lässt. Mir fällt auf einen Schlag wieder ein, warum ich es damals habe ausfransen lassen. Nach dem Sex kuschelt sich Nora an mich und hält mich für meinen Geschmack mehr als nur ein bisschen zu fest. «Leider kann ich nicht hier bleiben», lüge ich. «Ich muss morgen mega früh aufstehen, weil ich – äh – noch einen Video-Termin mit meinem Manager habe.»

Das Nora-Problem ist noch nicht aus der Welt geschafft

Entweder den Fisch machen und wieder auf Feld 0 beginnen: Wieder kein Sex, keine körperliche Nähe, keine Brüste, über die ich streicheln kann, keine Fingernägel, die mir über den Rücken fahren. Und fast schlimmer: Nora damit erneut das Herz brechen. Oder ich versuche die Arschloch-Tour und verdränge ihre Gefühle weiterhin hart, damit ich kein schlechtes Gewissen haben muss.

Ich trete meinen Walk of shame nach Hause an und tippe dabei eine Nachricht: «Hey! War mega schön. Sorry, dass ich grad losmusste. Hoffe, wir sehen uns bald wieder! Du weisst ja, ich bin nicht so der Beziehungstyp. Aber es ist cool, dich wiederzusehen. Kuss.» «Problem gelöst!», denke ich, schliesslich ist sie eine erwachsene Frau Anfang 30. Und doch weiss ich, dass das Nora-Problem noch nicht aus der Welt geschafft ist. Holy Lockdown!

Die Sex-WG

Drei mit Sex

Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so und auch einige Angaben sind geändert. Wahr ist aber, dass sie leidenschaftlich gerne durch die Keller und Clubs der besten Stadt dieses Landes tanzen. Die drei Singles lieben Techno, Rührei und die stabilen Betten ihrer WG. Und sie wissen: Falls sie sich je zu dritt darin vergnügen, ist das das Ende von allem – oder der Beginn von etwas noch Grösserem. 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihren Abenteuern.

Fehler gefunden?Jetzt melden.