Virales Video von Musikerin – «Meine Mutter soll ausgeschafft werden, weil sie arm ist»
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Virales Video von Musikerin«Meine Mutter soll ausgeschafft werden, weil sie arm ist»

Die Basler Sängerin Anouchka Gwen erzählt auf Instagram, dass ihre Mutter ausgeschafft werden soll. Die Musikerin kritisiert die Begründung der Behörden. Das Video schlägt hohe Wellen. Nationalrätin Sibel Arslan spricht sich gegen eine Ausschaffung der Frau aus. 

von
Tanya Vögeli
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Mit einem Videoapell richtete sich die Basler Musikerin Anouchka Gwen an die Öffentlichkeit. Ihre Mutter soll nach 26 Jahren in der Schweiz ausgeschafft werden. Ihr einziges Verbrechen sei, dass sie arm sei, so Anouchka.

Mit einem Videoapell richtete sich die Basler Musikerin Anouchka Gwen an die Öffentlichkeit. Ihre Mutter soll nach 26 Jahren in der Schweiz ausgeschafft werden. Ihr einziges Verbrechen sei, dass sie arm sei, so Anouchka.

Instagram
Auf dem Bild sieht man Anouchka und ihre Mutter. Seit mehr als einem Jahr steckt sie im Ausschaffungsverfahren fest und weiss nicht, ob sie ausgeschafft wird oder nicht. Ein immenser psychischer Druck für die Mutter, aber auch für die Familie.

Auf dem Bild sieht man Anouchka und ihre Mutter. Seit mehr als einem Jahr steckt sie im Ausschaffungsverfahren fest und weiss nicht, ob sie ausgeschafft wird oder nicht. Ein immenser psychischer Druck für die Mutter, aber auch für die Familie.

Anouchka Gwen
Bei dem gezeigten Dokument im Instagramvideo handelt es sich um die Verfügung des Amtes Migration und Bürgerrecht. 

Bei dem gezeigten Dokument im Instagramvideo handelt es sich um die Verfügung des Amtes Migration und Bürgerrecht. 

Anouchka Gwen

Darum gehts 

  • Die Musikerin Anouchka Gwen veröffentlichte ein Video, in dem sie die Schweiz anprangert, weil Menschen wegen ihrer Armut ausgeschafft würden.

  • Ihre eigene Mutter, die seit 26 Jahren hier lebt und arbeitet, sei von diesem Schicksal betroffen.

  • Armut sei kein Verbrechen, kritisiert Gwen. Das Video geht zurzeit viral. 

«Ich werde von meiner eigenen Lebensgeschichte, Lebensrealität und aktuellen Situation erzählen», so beginnt das Video, das Anouchka Gwen am 23. März auf Instagram hochlädt. Die junge Basler Musikerin erzählt von einem Schicksalsschlag: Ihre Mutter, die seit 26 Jahren in der Schweiz lebe und arbeite, soll ausgeschafft werden.

Die Musikerin habe es geschafft, auf eigenen Beinen zu stehen, schildert sie. Ihre Mutter hätte nicht so viel Glück gehabt. Seit einem Jahr befindet sich diese in einem Ausschaffungsverfahren, um in die Demokratische Republik Kongo abgeschoben zu werden. Die Begründung der Behörden: weil sie Schulden habe und Sozialhilfe beziehe. 

Begründung: «Gefahr für die öffentliche Sicherheit»

Gwen zitiert aus einem Schreiben vom Amt für Migration Basel-Landschaft. Ihre Mutter stelle laut dem Dokument eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar. «Meine Mutter hat kein Verbrechen begangen, was ich sehe, ist eine schwarze Frau, die in den Augen der Behörden nicht in die Norm hineinpasst. Sie ist nicht weiss, nicht reich, hat keine akademische Ausbildung und somit wird kein Nutzen in ihr gesehen», spricht sie in die Kamera.

«Ich kann nun meine Plattform, die ich als Musikerin habe, nutzen, um den Zyklus des Schweigens zu brechen. Was meine Mutter seit Jahren erlebt, ist belastend und sehr demütigend.» Gwens Mutter lebe seit 26 Jahren in der Schweiz. Sie habe ihre Kinder grossgezogen und sich hier ein Leben aufgebaut. Gwen prangert an: Alle Bemühungen ihrer Mutter, unabhängig vom Staat zu sein, würden von den Behörden ignoriert.

Das persönliche Video verbreitet sich in den sozialen Medien rasant. «Mir geht es ziemlich gut, aber ich bin auch aufgebracht, weil die Situation schon recht traurig ist. Mir wird sehr viel Solidarität zugesprochen und Unterstützung entgegengebracht», sagt Gwen zu 20 Minuten.

Hilfsangebote und moralische Unterstützung 

Darunter waren auch Angebote zur juristischen Hilfe. Ihr Anwalt habe bereits mehrfach gegen die drohende Ausschaffung Beschwerde eingelegt, so Gwen zu 20 Minuten.

«Armut ist kein Verbrechen und es könnte jeder Person passieren. Eine Familie sollte deswegen nicht auseinandergerissen werden und es ist nicht schön, den Gedanken, meine Mutter zu verlieren, immer im Hinterkopf zu haben», sagt sie.

«Massnahmen müssen vernünftig sein»

Adrian Baumgartner, Leiter Kommunikation der Sicherheitsdirektion des Kantons Basel-Landschaft äussert sich nicht zum spezifischen Fall, da dieser noch nicht rechtskräftig abgeschlossen seiAusschlaggebend sei die gesetzliche Bestimmung. «Die Ausländerbehörden prüfen die Integration von ausländischen Personen im Kanton. Dabei können Gründe erfüllt sein, welche zu einem Widerruf oder zur Nichtverlängerung einer Bewilligung führen», führt Baumgartner aus.

Ausländerrechtliche Massnahmen müssten verhältnismässig sein, erklärt er. Verschiedenen Faktoren wie das Verschulden, die wirtschaftliche Integration sowie die Zumutbarkeit der Ausreise würden «sorgfältig» dem öffentlichen Interesse an einer Schadensbegrenzung gegenübergestellt. «Wenn das öffentliche Interesse an einer Wegweisung das private Interesse überwiegt, so erfolgt eine beschwerdefähige Verfügung», so Baumgartner.

Nationalrätin spricht von Armutszeugnis

Nationalrätin Sibel Arslan (Basta/Grüne) macht sich für die Mutter von Gwen stark. «Wenn eine Frau seit 26 Jahren hier lebt und ihre Familie hier hat und sie dennoch ausgeschafft werden soll, dann ist dies die Folge einer gescheiterten Migrationspolitik. Armut als Ausschaffungsgrund wäre ein Armutszeugnis für unser Land. Dieses Vorgehen ist weder nachvollziehbar noch akzeptierbar», so Arslan.  

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Schulden betroffen?

Hier findest du Hilfe:

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GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143


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