Aktualisiert 10.09.2019 20:00

Im Kloster schlafen

Meine Nacht bei den Mönchen von Engelberg

Hotel, Pension, Airbnb-Wohnung – man kann an vielen Orten übernachten. Selbst im Kloster schlafen ist möglich. Ein Erfahrungsbericht.

von
Fee Riebeling
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Das Kloster Engelberg hat viele Facetten. Es ist nicht nur von aussen schön anzusehen, ...

Das Kloster Engelberg hat viele Facetten. Es ist nicht nur von aussen schön anzusehen, ...

Keystone/urs Flueeler
... in der zum Kloster gehörenden Stiftskirche befindet sich mit der Hauptorgel auch die grösste Orgel der Schweiz.

... in der zum Kloster gehörenden Stiftskirche befindet sich mit der Hauptorgel auch die grösste Orgel der Schweiz.

Fee Riebeling
Doch das ist nichts im Vergleich zu einer Übernachtung ...

Doch das ist nichts im Vergleich zu einer Übernachtung ...

Fee Riebeling

«Es ist ja sowieso gleich Zimmerstunde!» Diese Worte machen mich echt baff. Eigentlich hatte ich mich nur für einen kurzen Moment entschuldigen wollen. Doch der ernste Blick meiner Gegenüber verrät mir: Die Ankündigung ist vollkommen ernst gemeint.

Tatsächlich ist hier in rund einer Viertelstunde offiziell Schlafenszeit. Um 21 Uhr gehen im Kloster Engelberg (siehe Box) in den gemeinsam genutzten Bereichen die Lichter aus. Wir verabschieden uns für heute.

Ablenkung? Fehlanzeige!

Ich könnte das Handy nutzen, denke ich, als ich kurz darauf im Bett liege. Aber das mache ich nicht. Einerseits, weil ich beim Einchecken an der Klosterpforte das WLAN-Passwort nicht erfragt habe und sich das 4G meines Anbieters vor den dicken Klostermauern verabschiedet hat. Andererseits, weil ich ganz bewusst offline sein möchte.

Das Problem: Während ich off bin, ist mein Bewusstsein ziemlich on. Ich bin einfach noch nicht müde. Und so hänge ich noch eine ganze Weile meinen Gedanken nach. Einen Teil meiner Gedanken sortiere ich neu.

Topfit beim Morgengebet

Wie gut das tut, merke ich am nächsten Morgen. Obwohl der Wecker ungewohnt früh klingelt – um 5.30 Uhr beginnt das Morgengebet der Mönche –, bin ich topfit. Ganz im Gegensatz zu den Internatsschülern des Klosters, denen ich im Anschluss an die Mette in der Mensa begegne.

Während meine Kolleginnen und ich schon parat für die heutige Wanderung sind, schlurfen uns die Jugendlichen noch in Jogger-Schlappen-Kombination und mit verschlafenen Augen entgegen.

Alle sind gleich

Weil hier im Kloster alle gleich sind, stehen wir alle gemeinsam am Frühstücksbuffet an. Orangensaft? Filterkaffee? Mineral? Das nimmt man sich genauso vom Buffet wie das zwei Finger dicke Brot, die Eier und den Belag. Wer rechtzeitig kommt, kann auch noch Müesli und Früchte schöpfen.

Als ich ein zweites Mal anstehe, um mir noch ein Glas O-Saft zu nehmen, beginnt eine der weltlichen Mitarbeiterinnen des Klosters bereits, die Frühstücksutensilien abzuräumen. «Hier wird streng nach der Uhr gelebt», beantwortet sie die Frage, die seit dem Nachtessen am Abend zuvor unausgesprochen im Raum steht. Schon da wurden Vor-, Haupt- und Nachspeise zügig abgetragen.

Entspannung schon nach nur einer Nacht

Hier in der Mensa wird deutlich, was eine Übernachtung im Kloster von einer in klassischen Unterkünften unterscheidet. Das Leben ist einfacher, anders.

Und noch etwas passiert bei einem Aufenthalt: Obwohl beim Morgengebet und anderen Pfeilern des klösterlichen Lebens keine Anwesenheitspflicht besteht, gibt man seinen eigenen Rhythmus auf und übernimmt den der Gastgeber. Das beruhigt, erdet und entschleunigt ungemein – und das, wie sich zeigt, bereits nach einer Nacht.

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Kloster Engelberg

Die Benediktinerabtei Engelberg besteht seit 1120. Sie wurde von Conrad von Sellenbüren gestiftet und von Mönchen aus dem Kloster Muri gegründet. Seither leben ununterbrochen Mönche hier, aktuell sind es 21. Wie ihre Vorgänger leben die heutigen nach der Klosterregel des heiligen Benedikt von Nursia (480–547). Diese trägt den Mönchen auf, neben Gebet und Gottesdienst die Arbeit nicht zu vernachlässigen. Und so unterrichten sie an der Klosterschule und sind in der Seelsorge tätig. Auch in Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben bringen sie sich ein, genauso wie in der Kultur- und Landschaftspflege. Übernachtungsgästen stehen im Kloster zudem 17 Zimmer – überwiegend ehemalige Mönchszellen – zur Verfügung. (Bild: Fee Riebeling)

Im Jahr 2020 feiert das Kloster sein 900-jähriges Bestehen. Informationen zum Jubiläumsjahr finden Sie hier.

Die Reise erfolgte auf Einladung der Engelberg-Titlis Tourismus AG.

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