Krisenstimmung: «Meine Nerven liegen noch nicht blank»
Aktualisiert

Krisenstimmung«Meine Nerven liegen noch nicht blank»

Mini-Krise, Ratlosigkeit und Selbstkritik – damit schlagen sich der FCZ und Trainer Urs Fischer derzeit herum. Keine gute Ausgangslage für das Rückspiel in der CL-Quali gegen Lüttich.

von
Eva Tedesco
FCZ-Coach Urs Fischer (r.) muss seine «Sünder» aus der Meisterschaft für das CL-Qualifikationsspiel gegen Standard Lüttich wieder flott kriegen. (Keystone/AP)

FCZ-Coach Urs Fischer (r.) muss seine «Sünder» aus der Meisterschaft für das CL-Qualifikationsspiel gegen Standard Lüttich wieder flott kriegen. (Keystone/AP)

«Man studiert an der ganzen Sache herum, schläft nicht und telefoniert dauernd miteinander», beschreibt Fredy Bickel die Gefühlslage bei den Stadtzürchern nach der dritten Meisterschaftsniederlage letzten Samstag in Lausanne (1:2). Am Dienstag haben Präsident Ancillo Canepa, Trainer Urs Fischer und der Sportchef wie so oft in den letzten Tagen die Köpfe zusammengesteckt. Zwei Stunden hat das Führungstrio einmal mehr alles hinterfragt. Dem Sportchef war deutlich anzusehen, wie sehr ihm der miserable Saisonstart zu schaffen macht. Zuckerbrot habe man probiert. Aber auch die Peitsche in Form von Verbalattacken. Aber selbst Worte wie «Sensibelchen» für die Spieler und «Verarschung» hätten wenig geholfen. Statt die Provokation aufzunehmen, hat Bickel den Eindruck, dass die Spieler wie «geprügelte Hunde» reagiert haben.

Der FCZ brauche aber Leader. Typen, die in dieser Situation auch mal den Mund aufreissen und wachrütteln. Aber ausgerechnet Ludovic Magnin, der in Lausanne mehr mit sich zu kämpfen hatte als mit dem Gegner? «Ich bin schon froh, dass es einer macht», so Bickel, «auch wenn es mir lieber wäre, wenn es drei oder vier wären.» Die Unsicherheit sei da, was nach den Resultaten nur logisch sei, aber keine Selbstzerfleischung. «Jeder muss in sich reinhören, an Egoismus zurücknehmen und sich in den Dienst der Mannschaft stellen», so Bickel.

Fischer und seine Verschwörungstheorien

Trainer Urs Fischer hat sich nach der Pleite gegen den Aufsteiger vor die Mannschaft gestellt und die Schuld am Versagen auf sich genommen. An der Pressekonferenz am Dienstagabend zeigte der Trainer aber wieder seine kämpferische Seite. «Wir haben den Start verhauen. In der letzten Zeit ist aber zu viel Negatives um den FCZ herum gelaufen. Irgendwann muss man das auch mal zur Seite tun und vorwärtsschauen.»

In einer Tageszeitung habe er gelesen, dass er an eine Verschwörungstheorie glaube und dass sich gewisse Journalisten auf ihn eingeschossen hätten. Er habe auch gelesen, dass bei ihm die Nerven blank liegen würden. Fischers deutliche Antwort darauf: «Meine Nerven liegen bei Weitem noch nicht blank.» Und knüppeldick, wie es Fischer sagt, sei die Lage noch nicht. Wie sauer er aber über die Nicht-Leistung in Lausanne gewesen war, bekam die Mannschaft dennoch zu spüren. Statt der üblichen Match-Analyse in geraffter Form und Zusammenschnitten musste sich das Team 70 bis 80 Minuten ihrer grausamen Leistung in voller Länge ansehen. Schonungslos.

Niederlage vergessen machen

«Wir haben nun unser Fett weg bekommen», so Fischer abschliessend, «jetzt müssen wir gegen Lüttich beweisen, dass wir zu einer Reaktion fähig sind. Laufen, kämpfen und Bereitschaft zeigen. In erster Linie müssen die älteren Spieler die Verantwortung übernehmen, aber ich verlange das in Bezug auf ihre Positionen auch von den jungen, dass sie den Mann vor sich steuern und ihm helfen. Jetzt sind alle gefordert, damit wir aus dem Schlamassel herauskommen.»

In den wenigen Stunden bis zum Rückspiel gegen Lüttich (Hinspiel: 1:1) sei Fischers Aufgabe, die Niederlage gegen Lausanne vergessen zu machen und die Mannschaft positiv einzustellen. Denn in erster Linie habe man ein positives Resultat gegen die Belgier im Sinn. «Damit wäre wenigstens ein Platz in den Gruppenspielen der Europa League gesichert. Das ist unser Ziel. Ob das Auswirkungen auf die Meisterschaft hat, werden wir sehen. Ein Erfolgserlebnis tut uns aber allen gut.»

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