Piercing-Pfusch: «Meine Nippel wären fast abgestorben» – Piercer wehrt sich gegen Vorwürfe

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Piercing-Pfusch«Meine Nippel wären fast abgestorben» – Piercer wehrt sich gegen Vorwürfe

Nach einem Besuch in einem St. Galler Tattoo- und Piercingstudio wären Mihaela Vidovic «fast die Nippel abgestorben». Nach einem Aufruf über Social Media erfährt sie von weiteren schlechten Erfahrungen mit dem Studio. Der Geschäftsführer hält dagegen. 

von
Katja Fässler
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Mihaela Vidovic hatte nach ihrem Besuch in einem St. Galler Piercingstudio starke Schmerzen. Der Besuch ist über zwei Jahre her, die Komplikationen dauerten jedoch eine Weile an. 

Mihaela Vidovic hatte nach ihrem Besuch in einem St. Galler Piercingstudio starke Schmerzen. Der Besuch ist über zwei Jahre her, die Komplikationen dauerten jedoch eine Weile an. 

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Auch ihre Freundin Katharina Bucher hatte keine guten Erfahrungen in dem Studio gemacht. 

Auch ihre Freundin Katharina Bucher hatte keine guten Erfahrungen in dem Studio gemacht. 

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Das war die Vorlage, die sie dem Tätowierer gebracht hatte. 

Das war die Vorlage, die sie dem Tätowierer gebracht hatte. 

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Darum gehts

  • Eine Frau hatte nach dem Besuch in einem St. Galler Piercingstudio Komplikationen, die sich ihr zufolge noch Jahre später äusserten. 

  • Konkret seien ihre Nippel stark entzündet gewesen und «beinahe abgestorben», wie ihr auch ein Arzt bestätigte. 

  • Nach einem Instagram-Aufruf meldeten sich weitere Betroffene, die Probleme mit ihren Piercings hatten, die sie in demselben Studio machen liessen.

  • Der Geschäftsführer verteidigt sich, Nachpflege und Nachkontrolle würden oft vernachlässigt. 

Mihaela Vidovic hat sich in einem Tattoostudio in St. Gallen zwei Nippelpiercings und weitere Körperstellen stechen lassen. Die 19-Jährige habe starke Schmerzen gehabt, doch sie dachte, das gehörte dazu. Als sich ihre  Brustwarzen entzündeten, suchte sie das Studio nochmals auf. Dort habe man ihr geraten, die Stellen nicht einzucremen, und versicherte ihr, dass alles völlig normal sei. Als keine Besserung erfolgte, sei Vidovic schliesslich zum Arzt gegangen: «Er sagte zu mir, dass meine Nippel abgestorben wären, wenn ich länger gewartet hätte», sagt sie zu 20 Minuten. 

Auch ihre Freundin, Katharina Bucher, hatte nach eigenen Angaben keine guten Erfahrungen mit dem Studio gemacht. Sie liess sich ein Tattoo von einer Medusa stechen, das schlussendlich nicht der Vorlage entsprochen habe, welche sie ins Studio brachte. «Ich sagte dem Tätowierer, dass ich keine starken Schattierungen möchte, und nun ist es sehr dunkel geworden», so Bucher. Das Tattoo sei zudem sehr vernarbt und wenn sie sich mit dem Rücken in die Sonne setze, habe sie starke Schmerzen. «Da es erst mein zweites Tattoo ist, habe ich noch nicht viel Vergleichserfahrung. Freundinnen von mir machten mich zudem noch darauf aufmerksam, dass der Tätowierer über eins meiner Muttermale gestochen hat. Das ist ein absolutes No-go.»

Zunge lief schwarz an 

Vidovic startete einen Aufruf auf Instagram und es meldeten sich über zehn Frauen, die von ihren Erfahrungen mit dem Studio, genauer noch mit demselben Piercer, der Vidovic gestochen hat, gemacht haben. «Meine Stiefschwester musste in den Notfall, nachdem sie sich bei ihm ein Zungenpiercing stechen lassen hatte. Die Nadel hat eine Arterie durchtrennt, sie konnte nicht mehr sprechen und nicht mehr essen», sagt Ela Ekrem aus St. Gallen.

Auch sie hätte sich vom gleichen Piercer den Bauchnabel piercen lassen, welches sie jedoch nach zwei Monaten wieder entfernen musste, weil es so stark entzündet war. «Ich ging in ein anderes Tattoostudio, wo man mir sagte, dass bei meinem Piercing nicht sauber gearbeitet wurde», so Ekrem. Der Name des Piercers vom St. Galler Studio fiel mehrfach, auch in Google-Bewertungen.

«Unser Piercer ist sehr erfahren»

Der Geschäftsführer des Tattoostudios, das auch Filialen in Zürich, Bern und Luzern hat, wehrt sich gegen die Vorwürfe: Er selber habe nie Beschwerden über das Studio in St. Gallen erhalten, obwohl es auf der Homepage des Studios einen direkten Link gebe, wo Kritik und Anregungen angebracht werden könnten. Der besagte Piercer sei sehr erfahren und leite den Standort in St. Gallen. Die Mitarbeitenden würden ihn schätzen und auch oft um Rat fragen.

«In den letzten zwölf Monaten wurden bei uns über 65’000 Piercings gestochen, über 9000 davon in St. Gallen. Es kann immer mal sein, dass Piercings oder Tattoos nicht gut verheilen, oft wird auch nicht sauber nachgepflegt.» Zudem sei es eine Masche von anderen Studios, die Arbeit der Konkurrenz schlechtzureden, um dann selber profitieren zu können. 

Studio bietet kostenlose Kontrolltermine an

«Piercings einzucremen ist im Übrigen absolut falsch. So wird genau das feuchte Milieu geschaffen, in dem sich Bakterien und Keime wohlfühlen. Man muss die Einstichwunde mit einer wässrigen Lösung desinfizieren, damit kein Eiter entsteht. Entsteht trotzdem Eiter, wurde nicht ausreichend desinfiziert. Ein Blick in die Kundenkarteikarte zeigt: Mihaela Vidovic hatte die Brustwarzenpiercings im April 2020 machen lassen.» 

Manchmal komme es vor, dass Piercing-Stäbe mit der Zeit zu eng werden, da die Brustwarzen sich nach und während des Heilungsprozesses vergrössern. Das Wechseln der Piercing-Stäbe sei gratis, sollten sie zu kurz sein und sich deshalb unangenehm anfühlen.  «Wir empfehlen darum immer Kontrolltermine nach drei, sechs und zwölf Monaten, wovon allerdings nur sehr wenige Kundinnen und Kunden Gebrauch machen, obwohl sie im Service inkludiert sind», so der Geschäftsführer. 

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