Gaslighting: So erkennst du manipulative Menschen und wirst wieder selbstbewusster
Gaslighting ist verbreiteter, als man meint: Kennst du den Begriff? Life Coach Sandra erklärt, worum es bei diesem manipulativen Verhalten geht. 

Gaslighting ist verbreiteter, als man meint: Kennst du den Begriff? Life Coach Sandra erklärt, worum es bei diesem manipulativen Verhalten geht. 

Pexels / Cottonbro
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Marco (27) fragt den Life Coach«Meine Partnerin betreibt Gehirnwäsche mit mir»

Lügen, Leugnen und Einschüchtern: Marcos Freundin betreibt sogenanntes Gaslighting. Life Coach Sandra Lutz erklärt das Verhaltensmuster und gibt Tipps für Betroffene.

von
Geraldine Bidermann

«Ich bin seit kurzer Zeit in einer Beziehung und fühle mich unsicher und nicht verstanden. Fast immer, wenn meine Partnerin und ich eine Diskussion haben, läuft es darauf hinaus, dass ich Dinge nicht richtig interpretiere oder zu persönlich nehme. Es fallen Sätze wie: Du spinnst, das ist nicht passiert, Du weisst nicht, wovon du sprichst, Du übertreibst, Das bildest du dir nur ein, oder Jetzt bin ich wieder schuld an allem. Diese Situation ist frustrierend und ich fange an, an mir selbst zu zweifeln. Wie kann ich in einer solchen Situation richtig handeln?» – Marco (27)

Antwort von Life Coach Sandra Lutz:

Lieber Marco

Herzlichen Dank für deine Ausführungen und deine Frage. Wenn die Sichtweise und Gefühle von jemandem als unecht oder übertrieben abgetan werden, spricht man von Gaslighting. 

Was heisst Gaslighting?

Gaslighting ist eine Möglichkeit, den Moment der Diskussion zu kontrollieren, den Konflikt zu beenden und auch Ängste abzubauen. Es ist eine Möglichkeit für den Gaslighter, Verantwortung abzugeben und jemand anderen verantwortlich zu machen. Obwohl wir diese missbräuchliche Taktik oft in Partnerschaften und auch Familien antreffen, kann Gaslighting auch in toxischen Freundschaften oder am Arbeitsplatz auftreten. Wenn es nicht kontrolliert wird, kann das Verhalten schwerwiegende Auswirkungen auf deine geistige Gesundheit und Produktivität haben.

Gaslighter sind per se keine schlechten Personen.

Sandra Lutz

Gaslighter sind nicht schlechte oder böse Personen per se. Personen mit solchen Neigungen möchten, dass sich die Menschen in ihrer Umgebung nach ihren Vorlieben, Überzeugungen und ihrer Vorstellung von richtig und falsch verhalten. Das liegt daran, dass jede Abweichung davon in direktem Konflikt mit ihrem überwältigenden Bedürfnis steht, Situationen, Beziehungen und Umstände zu kontrollieren.

Hier kommen vier Tipps, wie du mit Gaslighting umgehen kannst:

1. Stelle sicher, dass es sich um Gaslighting handelt

Wir sind oftmals von unserem eigenen Wissen und unserer Sichtweise überzeugt und bestehen darauf, dass wir im Recht sind. Wenn also jemand eine andere Meinung wie du vertritt, bedeutet das nicht gleich, dass es sich um Gaslighting handelt. Gaslighting ist nicht immer leicht zu erkennen, zumal es oft klein anfängt und andere Verhaltensweisen manchmal ähnlich erscheinen.

Menschen können auch unabsichtlich gaslighten. Zum Beispiel: «Ich habe jetzt keine Zeit, mit dir zu diskutieren» mag keine hilfreiche Antwort sein, sie sagt jedoch nicht aus, dass dein Gegenüber dich manipulieren will. Unterscheide also, ob es sich tatsächlich um eine Manipulation handelt, oder ob einfach deine Meinung einer anderen gegenübersteht.

Wirst du aktiv manipuliert, oder habt ihr einfach Meinungsverschiedenheiten? Versuche, den Unterschied zu erkennen. 

Wirst du aktiv manipuliert, oder habt ihr einfach Meinungsverschiedenheiten? Versuche, den Unterschied zu erkennen. 

Pexels / Magda Ehlers

2. Nimm Abstand zur Situation

Gaslighting weckt viele verschiedene Emotionen: Wut, Frustration, Sorge, Traurigkeit oder Angst – all diese Gefühle haben ihre Berechtigung. Wir sollten uns aber nicht von unseren Emotionen zu einer Reaktion verleiten lassen. Abstand nehmen und ruhig zu bleiben kann dir helfen, die Situation zu bewältigen.

Ruhe zu bewahren kann auch helfen, dich auf die Wahrheit zu konzentrieren, wodurch es weniger wahrscheinlich wird, dass die andere Sicht der Ereignisse dein Selbstvertrauen beeinflusst. Schlage in einer Diskussion vor, eine Pause einzulegen und das Thema später erneut aufzugreifen. Spazieren zu gehen oder kurz frische Luft zu schnappen, kann dabei helfen, deinen Kopf frei zu bekommen.

In der Natur relativiert sich alles. Auch wenn du keine Kühe vor der Türe hast: Schnappe kurz Luft draussen – es wird dir helfen, deine Gedanken zu sortieren. 

In der Natur relativiert sich alles. Auch wenn du keine Kühe vor der Türe hast: Schnappe kurz Luft draussen – es wird dir helfen, deine Gedanken zu sortieren. 

Pexels / Max Ravier

3. Setze dir Grenzen

Es braucht Mut und du hast vielleicht Angst, deine Partnerin zu konfrontieren. Wenn du etwas sagen möchtest, kannst du versuchen, folgende Antworten zu berücksichtigen: «Wenn du meine Gefühle, Aussagen oder Sichtweisen weiterhin herunterspielst, werde ich dieses Gespräch beenden», «Du hast einen anderen Standpunkt als ich», «Deine Gefühle sind berechtigt. Genauso wie meine», «Machen wir eine Pause und besprechen das morgen noch einmal». Versuche bei einer Reaktion auf Gaslighting mit einer selbstbewussten Körpersprache und ruhiger Stimme zu reagieren.

Bis hierhin – und nicht weiter: Setze dir Grenzen. 

Bis hierhin – und nicht weiter: Setze dir Grenzen. 

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4. Du bist nicht alleine

Diese Art von emotionaler Misshandlung kommt in allen Arten von Beziehungen vor. Es ist nicht deine Schuld, und es gibt Möglichkeiten, mit Gaslighting umzugehen. Es kann sehr hilfreich sein, mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten zu sprechen, die oder der speziell geschult ist. Ein Profi kann dir den Raum und die Sicherheit geben, den du genau in dieser Situation brauchst, um dich und dein Selbstbewusstsein wieder zu stärken. Ich wünsche dir viel Ausdauer und Liebe auf deinem Weg.

Herzlichst,
deine Sandra

Über Sandra Lutz

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Bisherige Fragen an Sandra Lutz

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine psychische Erkrankung?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

VASK, regionale Vereine für Angehörige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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