Profi-Surferin Vahine Fierro (22): «Meine Periode hat mir die Olympiade vermasselt»
Vahine Fierro ist professionelle Surferin. Sie spricht offen darüber, wie die Menstruation das Leben als Spitzensportlerin einschränkt.

Vahine Fierro ist professionelle Surferin. Sie spricht offen darüber, wie die Menstruation das Leben als Spitzensportlerin einschränkt.

Roxy
Publiziert

Profi-Surferin Vahine Fierro (22)«Meine Periode hat mir Olympia vermasselt»

Vahine Fierro ist professionelle Surferin. Das 22-jährige Nachwuchstalent aus Tahiti gibt im Interview Einblicke in ein Thema, das selten angesprochen wird.

von
Geraldine Bidermann

Vahine Fierro stammt aus Huahine, einer winzigen Insel neben Tahiti. Schon früh wurden Sponsoren auf ihr Talent aufmerksam, heute surft sie weltweite Competitions. Wir haben mit ihr über Herausforderungen, Ängste und den Einfluss vom weiblichen Zyklus auf den Spitzensport gesprochen. 

Vahine, wie bist du zum Surfen gekommen?

Wenn man wie ich von einer kleinen Insel stammt, die umgeben vom Ozean ist, verbringst du automatisch deine ganze Zeit im und ums Wasser. Alle meine Freunde surfen, tauchen oder fischen, so bin auch ich ganz natürlich zu diesem Sport gekommen. Meine Eltern sind ebenfalls passionierte Wellenreiter und haben mich schon als kleines Mädchen auf ein Boogie Board gelegt – ich wurde süchtig nach dem Gefühl, im Meer zu sein.

Du bist mit dem Ozean bestens vertraut. Was empfiehlst du Menschen, die eher Respekt davor haben?

Wasser hat eine extreme Kraft. Werde dir dessen bewusst und respektiere diese Macht – lass dich davon aber nicht einschüchtern. Höre auf deine Intuition: Ist dir eine Strömung zu stark, geh nicht raus. Treibst du bei einem Wipe-Out minutenlang unter Wellen, dann denk daran – wir Menschen sind zu sehr viel mehr fähig, als wir meinen. Dein Sauerstoff wird reichen, bleib ruhig. Und was Haifische anbelangt: Die sind eigentlich ganz nett (lacht). 

Vor einem Jahr hast du dich dazu geäussert, wie du aufgrund deiner Periode knapp die Olympia-Qualifikation verpasst hast. 

Natürlich will ich nicht alleine diesem Zustand die Schuld an meinem Ausscheiden geben. Aber die Symptome hatten definitiv eine Auswirkung auf meine Konzentration und sportliche Performance.

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Du sprichst sehr offen über diese Herausforderung. Wieso ist es dir so wichtig, diese Erfahrung zu teilen?

Ich weiss, dass viele Frauen mit ihrer Periode kämpfen, speziell im Spitzensport. Dennoch ist das Thema immer noch ein Tabu, das will ich dringend ändern.

Wie geht es dir heute?

Eine Frau hat mich auf Instagram angeschrieben, als ich über meine Beschwerden sprach. Sie ist Expertin für Chinesische Medizin, die ich nun seit einigen Monaten ausprobiere. Seitdem habe ich viel weniger Menstruationsschmerzen und kann auch wenn ich meine Tage habe voll trainieren. Es geht mir also besser denn je – mental und körperlich. Das ist nur passiert, weil ich mich getraut habe, öffentlich darüber zu sprechen! 

Im Spitzensport ist die mentale Verfassung mindestens so wichtig wie die körperliche. Wie gehst du mit sportlichen Niederlagen um?

Die nerven natürlich. Aber ich versuche immer, einen Weg zu finden, um die Welt positiv zu sehen. Ich sage mir also, dass ich eine Lektion gelernt habe und nächstes Mal an meinen Fehlern schrauben kann – ganz einfach. 

Was sind deine nächsten Ziele?

Ich will die beste grosse Schwester der Welt sein (Anm. der Red.: Vahines jüngere Schwestern Heimiti und Koha surfen ebenfalls). Zudem will ich an der Olympiade 2024 Gold holen. Die Medaille hänge ich dann neben meinem «Women Barrel of the Year in 2019 in Teahupo’o» auf. 

Du und deine beiden Schwestern sind Vorbilder für Surferinnen. Findest du, dass Frauen beim Surfen mehr respektiert werden als früher?

Viel mehr. Heute dürfen wir die Contests an denselben Orten wie die Männer bestreiten und werden von den Sponsoren gleich bezahlt. Es geht aufwärts!

Stehst du auch auf Surfen? Welches ist dein liebster Surfspot auf der Welt?


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