Aktualisiert 30.11.2015 16:25

Erotikclip in Gondel

«Meine ‹Perversionen› sind doch harmlos»

Camgirl Kim Mortenroe (21) hat einen Clip in einer Gondel der Zermatter Bergbahnen gedreht. Trotz fehlender Genehmigung werden diese rechtlich nicht gegen sie vorgehen.

von
num

Die Pornodarstellerin Kim Mortenroe zieht sich lasziv in einer Gondel der Zermatter Bergbahnen aus und stellt eine kurze Vorschau auf ihre Facebook-Seite. Sie schreibt dazu: «Hier ist er! Der Teaser zu dem Clip, den ich in der Schweiz in einer Gondel abgedreht habe!»

Sie drehte den Clip allerdings, ohne zuvor bei den Zermatter Bergbahnen eine Drehgenehmigung eingeholt zu haben. Diese hätten durchaus juristische Grundlagen, um Mortenroe den Spass zu verderben. Rechtsanwalt Martin Steiger sagt: «Rechtlich könnten die Zermatter Bergbahnen gegen die Dame vorgehen, da sie das Hausrecht verletzt hat.»

«Unterlassungsklage möglich»

Mit dem Kauf der Fahrkarte habe sie ausserdem die Transportbedingungen anerkannt. Zwar sei darin wohl kaum das Drehen von Erotik-Clips erwähnt, «dennoch hätte der Dreh eine vorgängige Bewilligung erfordert», sagt der Jurist. Gemäss Steiger könnten die Zermatter Bergbahnen gar noch weiter gehen: «Sie könnten mit einer Unterlassungsklage versuchen, die Verbreitung des Films zu verhindern.»

Kim Mortenroe teilt heute auf Facebook mit: «Wir haben pingelig darauf geachtet, dass mich niemand sieht. Und nun will man rechtliche Schritte einleiten?» Doch der Pornostar hat Glück: Das haben die Zermatter Bergbahnen gar nicht vor, wie Sprecher Martin Niederberger bestätigt.

«Es tut mir leid»

Man werde die Sache auf sich beruhen lassen. «Das Matterhorn ist ein weltweit bekannter Berg mit starker Symbolkraft. Daher liegt es auf der Hand, dass sich verschiedenste Personen und Brands zu Marketingzwecken mit dem Matterhorn profilieren möchten.»

Kim Mortenroe schreibt: «Sind wir doch mal ehrlich … mit meinen ‹Perversionen› liege ich doch noch im harmlosesten Bereich eures wunderschönen Landes.» Aber es tue ihr leid, sie habe niemanden verärgern wollen.

Neues Polizeireglement

Der Zermatter Gemeindepräsident Christoph Bürgin sieht die ganze Angelegenheit gelassen. Zermatt sei nun mal ein internationaler Ort, da könne es das geben. Allerdings sagt er: «Ich musste schmunzeln, dass das gerade jetzt passiert ist.» Am Dienstagabend wird in Zermatt übers neue Polizeireglement abgestimmt.

Einige Punkte daraus: Jugendliche unter 16 Jahren sollen sich nur noch bis 23 Uhr ohne erwachsene Begleitung an öffentlichen Orten aufhalten dürfen. Oder ab Mitternacht soll zudem der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit untersagt werden. Strassenprostitution soll ebenfalls auf dem gesamten öffentlichen Grund untersagt sein.

«Nur Präzisierungen»

Zermatt als neues Zentrum der Prüderie? Bürgin winkt ab. Dabei handle es sich lediglich um Präzisierungen, die andere Polizeireglemente aus anderen Dörfern längst beinhalten. Strassenprostitution beispielsweise existiere gar nicht im Dorf.

«Aber wir wollen etwas Handfestes vorweisen können», erklärt Bürgin. Und leider sei es so, dass einige Feiernde, wenn sie aus dem Dancing kommen auf der Strasse weitertrinken und lärmen würden. «Es gibt halt Leute, die schlafen wollen.»

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