Doktor Sex - «Meine Schwester glaubt, ihr Mann sei unerwünscht!»
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Doktor Sex«Meine Schwester glaubt, ihr Mann sei unerwünscht!»

Seit Damians Schwester verheiratet ist, klebt sie förmlich an ihrem Mann. Zum Geburtstag hat sich die Mutter ein Treffen ohne Partner gewünscht. Seither hängt der Familienfrieden schief. Was tun?

von
Bruno Wermuth
In Damians Familie hängt der Haussegen schief: «Meine Schwester hat das Gefühl, dass wir ihren Mann nicht mögen. Dabei wollen wir nur mal mit ihr alleine Zeit verbringen!» Doktor Sex weiss Rat. 

In Damians Familie hängt der Haussegen schief: «Meine Schwester hat das Gefühl, dass wir ihren Mann nicht mögen. Dabei wollen wir nur mal mit ihr alleine Zeit verbringen!» Doktor Sex weiss Rat.

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Frage von Damian (27) an Doktor Sex

Wir haben eine Spannung in unserer Familie. Meine Schwester hat letztes Jahr geheiratet. Seither will sie nur noch etwas mit mir und unserer Mutter unternehmen, wenn ihr Mann dabei ist. Für uns ist das grundsätzlich in Ordnung, denn wir mögen ihn.

Nun hat sich meine Mutter zum Geburtstag aber einen Ausflug zu dritt gewünscht – sie, ich – ihr Sohn – und ihre Tochter. Den haben wir dann auch gemacht, aber beim Essen hat meine Schwester uns vorgeworfen, wir hätten etwas gegen ihren Mann und wollten ihn nicht dabeihaben.

Wir erklärten ihr, dass dies nicht stimmt. Aber sie meinte, wenn meine Mutter ausdrücklich zu einem Ausflug zu dritt einlade, bedeute dies eindeutig, ihr Mann sei nicht erwünscht. Verstehst du das auch so? Und ist es ein Problem, auch mal was mit ihr allein, also ohne Partner, unternehmen zu wollen?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Damian,

ich höre in Paarberatungen hin und wieder von solchen Spannungen und den daraus entstehenden Diskussionen. Manchmal enden sie in einem Zerwürfnis, aber meist können die Auseinandersetzungen friedlich beigelegt und Lösungen gefunden werden.

Wenn sich deine Mutter explizit einen Ausflug zu dritt wünscht, bedeutet dies auch aus meiner Sicht, dass der Partner deiner Schwester und auch dein Anhang, sofern es einen solchen gibt, nicht eingeladen sind.

Für sich genommen ist dies aber kein Problem!

Es ist nämlich absolut verständlich und legitim, wenn deine Mutter an ihrem Geburtstag – und übrigens auch sonst hin und wieder – ein Zusammensein im Kreis der Ursprungsfamilie möchte. Schwierig wird es allein dadurch, dass deine Schwester den Exklusivitätsanspruch persönlich nimmt und als Zurückweisung ihres Ehemannes versteht. Daher scheint es mir auch notwendig, dass sie sich vertieft mit sich und ihren Denkmustern auseinandersetzt.

Menschen haben zu Beginn von Beziehungen oft den Wunsch, Tag und Nacht mit der geliebten Person zusammen zu sein. Es scheint, als wäre deine Schwester über dieses Stadium noch nicht hinausgekommen. Wahrscheinlich steht ihr Verhalten in Zusammenhang mit ihrem Selbstwertgefühl. Da dieses hauptsächlich in der Kindheit und Jugend entsteht, spielen auch die Familie und die Position, die sie darin eingenommen hat, eine zentrale Rolle.

Du siehst, die Sache ist komplex. Es würde daher wohl Sinn machen, wenn sich deine Schwester in diesem Prozess von einer Fachperson begleiten liesse. Im Rahmen dieser Therapie könnte dann auch ein Gespräch mit der ganzen Familie stattfinden. Alles Gute!

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Bild: Gian Losinger

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Bruno Wermuth ist Einzel-, Paar- und Sexualberater mit eigener Praxis in Bern und Zürich. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sex. www.brunowermuth.ch

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