Erbstreit: «Meine Schwestern und ich streiten uns ums Erbe – was jetzt?»
Jenny und ihre Schwestern haben einen Erbstreit. Life Coach Sandra Lutz weiss Rat.

Jenny und ihre Schwestern haben einen Erbstreit. Life Coach Sandra Lutz weiss Rat.

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Jenny (38) fragt den Life Coach«Meine Schwestern und ich streiten uns ums Erbe – was jetzt?»

Jenny und ihre beiden Schwestern haben eine Liegenschaft geerbt und geraten seither ständig aneinander. Life Coach Sandra Lutz weiss, wie ein fairer Umgang in so einer Situation gelingt.

von
Gloria Karthan

«Wir sind drei Schwestern und hatten, bevor unsere Eltern gestorben sind, völlig verschiedene Lebenssituationen und nicht viel Kontakt. Nun verwalten wir zu dritt als Erbengemeinschaft die Liegenschaft unserer Eltern, die acht Wohnungen umfasst. Seither haben wir nur Streit. Jede von uns hat eine andere Strategie, den Streit zu schlichten und die praktischen Herausforderungen der Liegenschaft anzugehen. Ich habe einen Mediator vorgeschlagen, aber das war nicht gewünscht. Wie kommen wir weiter?» – Jenny (38)

Antwort von Life Coach Sandra Lutz:

Liebe Jenny,

lieben Dank für deine Frage. Das Thema Erben zieht sich durch die gesamte Weltliteratur – unter anderem fand William Shakespeare darin seine Inspiration zu seinem «König Lear».

Was ich persönlich als Hoffnungsschimmer sehe, ist, dass jede von euch den Streit schlichten möchte, ihr jedoch verschiedene Strategien dazu habt. Es ist wichtig anzuerkennen, dass eine Strategie, auch wenn diese anders als die eigene ist, nicht unbedingt falsch sein muss. Denn so wie du eine bestimmte Meinung vertrittst und auch das volle Recht dazu hast, haben genauso deine Schwestern das Recht, eine bestimmte Position zu vertreten. Auch wenn du diese vielleicht nicht nachvollziehen kannst.

Halt, stopp: Eine Mediatorin oder ein Mediator greift ein, bevor es verletzend wird.

Halt, stopp: Eine Mediatorin oder ein Mediator greift ein, bevor es verletzend wird.

lilartsy/Pexels

Eine Mediation ist meines Erachtens tatsächlich sehr hilfreich in solchen Situationen, denn sie bietet einen aussergerichtlichen Weg zur Konfliktlösung. Ein Vorgespräch mit den involvierten Parteien ist eine Investition von rund einer Stunde und es können Fragen bezüglich der Mediation geklärt werden. Der Mediator oder die Mediatorin kann ausserdem die Rahmenbedingungen einer Mediation erklären, wie zum Beispiel:

  • Alle Beteiligten machen freiwillig mit, da nur so eine Mediation erfolgreich sein kann.

  • Der Mediator oder die Mediatorin führt das Gespräch und schreitet allenfalls bei nicht produktiven Äusserungen ein.

  • Es soll ermittelt werden, was die Ziele und Interessen jeder Einzelnen von euch sind.

  • Die Lösungen für euer Problem werden von euch selber erarbeitet – ein Mediator oder eine Mediatorin bietet keine Lösungen an.

Kommt eine Mediation auf keinen Fall in Frage, fragt euch doch mal, wie es aussehen würde, wenn ihr so weitermacht wie bisher. Oder geht noch einen Schritt weiter und fragt euch: Was müsste denn passieren, damit die Situation komplett aussichtslos wird – also, dass eine Lösungsfindung ausgeschlossen ist?

Werdet euch der Konfliktpunkte klar

Was genau löst denn den Konflikt unter euch aus? Könnt ihr diesen genau benennen und sieht jede Involvierte denselben Konfliktpunkt? Versucht, die Ursachen herauszufinden. Fragt euch, warum dieser Konflikt entstanden ist und welche Rolle ihr jeweils dabei gespielt habt. Wo liegen die Unterschiede eurer Position? Um die Ursachen zu finden, solltet ihr euch die Meinung eures Gegenübers aufmerksam anhören und mit der jeweiligen anderen Position vergleichen.

Bisherige Fragen an Sandra Lutz

Führt ein Konfliktgespräch

Der erste Schritt zur Konfliktlösung besteht darin, ganz bewusst ein Konfliktgespräch zu führen. Lasst dabei die andere Person ausreden, auch wenn ihr dieser nicht zustimmt und ihr widersprechen möchtet. Anstatt euch auf Meinungsverschiedenheiten zu konzentrieren, solltet ihr Gemeinsamkeiten hervorheben, um eine Lösung zu finden, die alle Konfliktparteien zufriedenstellt.

Miteinander kommunizieren

Kommunikation ist der Schlüssel zur Konfliktlösung. Ihr könnt den Konflikt nur lösen, wenn ihr miteinander sprecht. Für eine erfolgreiche Kommunikation müssen die Konfliktpartner jedoch einige Regeln für das Gespräch aufstellen, damit das Konfliktgespräch nicht in einem Streit endet.

Die wichtigsten Gesprächsregeln sind:

Neugierig und offen sein für Neues

In manchen Fällen fällt es uns schwer, von unserer eigenen Position abzurücken und über die bisherigen Überlegungen und Gewohnheiten hinaus nach Lösungsansätzen zu suchen. Es kann sein, dass du genau wie deine Schwestern Vorurteile gegenüber einem bestimmten Konzept oder einer Strategie hast und voreingenommen bist, sodass du einer bestimmten Position oder Strategie von Anfang an skeptisch gegenüber standest.

Wenn wir uns und unseren Blickwinkel öffnen und mehr Neugierde an den Tag legen, können wir unser Leben mit mehr Leichtigkeit leben und als Menschen wachsen. Das braucht zu Beginn etwas Überwindung, wird aber sehr bald zu einer Horizonterweiterung führen.

Ich hoffe, ihr könnt euren Konflikt überwinden und findet gemeinsam eine für alle stimmige Lösung.

Herzlichst,
deine Sandra

Über Sandra Lutz

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