Zukunft der AHV: «Meine Tochter wird wohl bis 75 arbeiten müssen»

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Zukunft der AHV«Meine Tochter wird wohl bis 75 arbeiten müssen»

20 Minuten hat Politiker gefragt: Wovon werden ihre Kinder nach der Pension im besten und im schlimmsten Fall leben?

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daw
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SVP-Nationalrat Sebastian Frehner sagt zur Zukunft der Altersreform: «Meine heute dreijährige Tochter wird aufgrund der demografischen Entwicklung deutlich länger arbeiten müssen, wenn sie noch gleich viel Rente bekommen will.»

SVP-Nationalrat Sebastian Frehner sagt zur Zukunft der Altersreform: «Meine heute dreijährige Tochter wird aufgrund der demografischen Entwicklung deutlich länger arbeiten müssen, wenn sie noch gleich viel Rente bekommen will.»

Keystone/Peter Schneider
Rosige Aussichten: SP-Fraktionschef Roger Nordmann glaubt gar, dass sich ein Ausbau der AHV finanzieren lässt.

Rosige Aussichten: SP-Fraktionschef Roger Nordmann glaubt gar, dass sich ein Ausbau der AHV finanzieren lässt.

Keystone/Peter Schneider
«Wenn die Eltern und Grosseltern viel mehr aus den Sozialwerken herausnehmen, als sie eingezahlt haben, belasten eine hohe Mehrwersteuer und hohe Lohnbeiträge ihre Kinder und Enkel», warnt GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy.

«Wenn die Eltern und Grosseltern viel mehr aus den Sozialwerken herausnehmen, als sie eingezahlt haben, belasten eine hohe Mehrwersteuer und hohe Lohnbeiträge ihre Kinder und Enkel», warnt GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy.

Keystone/Jean-christophe Bott

In Bern streiten die Räte über die Zukunft der AHV: Mit der Altersreform 2020 würden das Rentenalter für Frauen auf 65 Jahre angehoben und der Umwandlungssatz in der zweiten Säule gesenkt.

Im Nationalrat machten am Dienstag aber zahlreiche Redner klar, dass die Reform nur ein erster Schritt sei. Ein höheres Rentenalter müsse diskutiert werden, sagte etwa CVP-Nationalrätin Ruth Humbel. Doch wie soll die Altersvorsorge in einigen Jahrzehnten aussehen? Politiker skizzieren ihre Wunsch- und Horrorszenarien.

Sebastian Frehner, SVP-Nationalrat

Bester Fall: bis 75 arbeiten

«Meine heute dreijährige Tochter wird aufgrund der demografischen Entwicklung deutlich länger arbeiten müssen, wenn sie noch gleich viel Rente bekommen will. Steigt die Lebenserwartung einst auf 100 Jahre an, wird man erst mit 75 in Pension gehen – daran führt kein Weg vorbei. Geld fällt nicht vom Himmel. Die Mehrwertsteuer, die Familien schon heute massiv belastet, kann nicht beliebig erhöht werden. Es wird jedoch viel flexiblere Modelle geben als heute. Wer früher in die Pension geht, muss einfach mehr in der dritten Säule ansparen.»

Schlimmster Fall: AHV bricht zusammen

«Wenn man gleich weitermacht, wie das der Ständerat will, und einen Ausbau beschliesst, wird es jährlich Milliardenverluste in der AHV geben. Wenn der Fonds leer ist, wird man versuchen, die Mehrwertsteuer zu erhöhen. Doch unsere Kinder können das nicht nicht mehr tragen. Der Satz ‹Wer einzahlt, wird auch eine Rente bekommen› entpuppt sich als Lüge. Die Renten werden gekürzt und die Leute sich selber überlassen.»

Roger Nordmann, SP-Fraktionschef

Bester Fall: Die 1. Säule reicht

«Im Idealfall bekommen meine Kinder in 50 Jahren eine AHV, die so hoch ist, dass sie allen zum Leben reicht – ganz ohne Ergänzungsleistungen. Klar, es braucht eine starke Wirtschaft und genug jüngere Arbeitende, doch der Ausbau ist finanzierbar, denn bis in 50 Jahren wird auch der Druck auf die AHV durch die Babyboomer-Generation abnehmen. Offen ist, wie lange meine Kinder arbeiten müssen: Das hängt vom Gesundheitszustand im Alter und den Auswirkungen der Automatisierungen auf den Arbeitsmarkt ab.»

Schlimmster Fall: Privatisierung der Altersvorsorge

«Die Altersvorsorge wird nicht an die Lohn- und Preisentwicklung angepasst und zudem privatisiert. Wer nicht zu den Grossverdienern zählt und privilegiert ist, bleibt auf der Strecke. Die tiefen Erträge bei der beruflichen Vorsorge führen dazu, dass viele nicht mehr von ihrer Rente leben können. Das möchte ich meinen Kindern ersparen. In diese Richtung möchte der Nationalrat aber bereits gehen: Wird das Rentenalter um zwei Jahre erhöht und die AHV nicht ausgebaut, braucht es Jobs für die älteren Leute. Wenn diese fehlen, werden zwei Rentenjahre aus der eigenen Tasche bezahlt.»

Kathrin Bertschy, GLP-Nationalrätin

Bester Fall: kein Schuldenberg für nachfolgende Generationen

«Wer heute am Anfang des Berufslebens steht, wird im Alter mit der 1. und 2. Säule gut über die Runden kommen. Voraussetzung ist, dass die Politik jetzt auf eigenverantwortliches Sparen und nicht auf einen Ausbau der AHV setzt. Eine Generation darf nicht auf dem Buckel nachfolgender leben. Zudem wird das Rentenalter weiter flexibilisiert, und alle Familienmodelle werden gleich behandelt.»

Schlimmster Fall: Bruch mit der Solidarität

«Weil die Eltern und Grosseltern viel mehr aus den Sozialwerken herausgenommen als in sie eingezahlt haben, belasten eine hohe Mehrwersteuer und hohe Lohnbeiträge ihre Kinder und Enkel. Sie schaffen es nicht mehr, selbst für das Alter zu sparen – und müssen sich wiederum bei ihren eigenen Kindern noch massiver verschulden. Das Rentenalter steigt, die Renten sinken massiv. Der Generationenvertrag ist gescheitert.»

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