21.11.2017 10:03

Lieber Phil GeldMeine Wohnung stinkt, weil der Nachbar kifft

Mias (25) Nachbar kifft täglich auf seinem Balkon. Der Cannabisgeruch dringt dabei in Mias Wohnung. Kann sie sich dagegen wehren?

Kann man sich gegen unerwünschten Cannabisrauch wehren? (Szene aus «Pineapple Express» / Sony)

Kann man sich gegen unerwünschten Cannabisrauch wehren? (Szene aus «Pineapple Express» / Sony)

Lieber Phil Geld

Mein Nachbar kifft täglich auf seinem Balkon, sodass jedes Mal, wenn ich meine Wohnung lüften möchte, der ganze Cannabisgeruch in meine Wohnung dringt. Ich habe meinen Nachbarn schon mehrmals darauf angesprochen, doch es hat sich bis dato nichts verändert. Was kann ich tun?

Liebe Mia

In der Schweiz ist das Rauchen in einer Mietwohnung grundsätzlich erlaubt. Sogar ein im Mietvertrag festgehaltenes Rauchverbot hat keine Gültigkeit. Die persönliche Freiheit in den eigenen Räumen – wozu auch der Balkon gehört – hat stets Vorrang. Deshalb stellt es sich meist als schwierig heraus, sich gegen eine Rauchbelästigung aus der Nachbarwohnung zu wehren.

Das ist aber nicht als Freipass zum rücksichtslosen Rauchen zu verstehen. Mieterinnen und Mieter sind gemäss Art. 257f Abs. 2 OR verpflichtet, auf Hausbewohner und Nachbarn Rücksicht zu nehmen. Wer in seiner Wohnung oder auf dem Balkon raucht, darf seine Nachbarn somit nicht belästigen. Mieterinnen und Mieter, die sich belästigt fühlen, können ihren Vermieter oder die Verwaltung bitten, der Sache nachzugehen.

Rauchbelästigungen können aber auch auf undichte Fenster, Türen oder Böden zurückzuführen sein. In solchen Fällen können Mieterinnen und Mieter von ihrem Vermieter die Behebung dieser baulichen Mängel verlangen.

Lässt sich gegen einen allfälligen baulichen Mangel oder gegen ein rücksichtsloses Verhalten eines Nachbarn nichts machen, können Mieterinnen und Mieter für die Dauer der Belästigung grundsätzlich eine Mietzinsreduktion verlangen. Dazu muss jedoch beim Vermieter oder der Verwaltung reklamiert werden und zwar am besten mittels Einschreiben.

Da das Gespräch mit deinem Nachbarn bis dato nichts genützt hat, rate ich dir, zunächst den Vermieter über die Problematik in Kenntnis zu setzen. Der Vermieter kann als Vermittler zwischen dir und deinem Nachbarn agieren und möglicherweise das Problem beseitigen. Nützt alles nichts, rate ich dir, dich für das weitere Vorgehen an den Mieterinnen- und Mieterverband zu wenden.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch (20 Minuten)

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