26.06.2019 12:58

Doktor Sex«Meine Wünsche beim Sex überfordern ihn!»

Kira mag Abwechslung beim Liebesspiel. Weil ihr Freund dies nicht bieten kann, betrügt sie ihn. Aber eigentlich will sie dies gar nicht. Was tun?

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Abwechslung beim Liebesspiel ist nicht jedermanns Sache.

Abwechslung beim Liebesspiel ist nicht jedermanns Sache.

iStock/Nd3000

Frage von Kira (45) an Doktor Sex: Ich habe seit sechs Monaten eine Beziehung. Der Mann ist ein sensibler Gesprächspartner und steht mit beiden Beinen im Leben. Ich hätte nie gedacht, dass es so jemanden gibt. Auch als Patchwork-Familie funktionieren wir mit unseren Kindern perfekt. Aber im Bett gibt es ein Problem.

Ich liebe ausgefallenen und etwas härteren Sex. Damit ist mein Partner total überfordert. Ich mag zwar auch seine zärtliche Art, aber der andere Teil fehlt mir schon sehr. Vor dieser Beziehung hatte ich mit einem Mann sexuell genau, was ich mir wünschte. Für eine Partnerschaft reichten die Gefühle aber nicht.

Leider betrüge ich nun meinen neuen Freund, den ich liebe, mit dem anderen. Zwar versuche ich, damit aufzuhören, aber es gelingt mir nicht. Ich war früher immer treu. Und jetzt, da ich in allen anderen Belangen rundum glücklich bin, tue ich so etwas. Ich verstehe mich selbst nicht mehr!

Soll ich die Sexbeziehung heimlich weiterführen? So nehme ich meinem Partner ja auch Druck weg. Ich würde so gern mit offenen Karten spielen, aber die Angst, ihn zu verlieren, ist einfach zu gross.

Antwort von Doktor Sex

Liebe Kira

Danke für deine Ehrlichkeit und den Mut, hier deine Zerrissenheit zu offenbaren. Ich kann deine Not und Verzweiflung gut verstehen. Das Leben ist eine stete Herausforderung, wenn man selber denkt und nicht einfach die moralischen Regeln der Gesellschaft übernimmt.

Wer über seine inneren Abgründen spricht, ruft die Sittenwächter auf den Plan. Lass dich nicht irritieren, falls du angegriffen werden solltest. Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen, wie der österreichische Kabarettist Helmut Qualtinger einmal treffend bemerkt hat.

Eure Beziehung ist noch jung. In dieser ersten Phase ist es normal, dass man sich davon verabschieden muss, mit anderen Menschen etwas zu teilen, das nun ausschliesslich in der Beziehung gelebt werden soll. Diese Trennung ist auch mit Schmerz verbunden.

Heimlich weiter mit dem anderen Mann Sex zu haben, scheint mir keine Option zu sein. Dies würde zu einem Doppelleben führen, und da du deinen Freund liebst, wird dir dies wohl kaum möglich sein.

Ich denke, Ehrlichkeit ist angebracht. Damit ermöglichst du deinem Partner, selber zu entscheiden, wie er mit der Situation umgehen will. Wenn er der sensibel-bodenständige Mensch ist, als den du ihn beschreibst, dürfte er Ressourcen haben, um mit deiner Ehrlichkeit umzugehen.

Vielleicht ist dein Freund ja bereit, mit dir zusammen seine Grenzen beim Sex zu erweitern und sich Spielarten anzunähern, die ihm heute noch fremd sind? Dies würde seinerseits jedoch eine gewisse Offenheit bedingen, seine Konzepte von Männlichkeit und Intimität in der Beziehung anders zu denken. Alles Gute euch!

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