Interview mit Ru Weerasuriya: «Meine Zeit in der Schweiz bestimmt, wie ich denke»
Aktualisiert

Interview mit Ru Weerasuriya«Meine Zeit in der Schweiz bestimmt, wie ich denke»

In Sri Lanka geboren, auf­gewachsen in Genf, in den USA zuhause: Gamehotel-Gast Ru Weerasuriya erklärt, wieso es in der Schweiz an Game-­ Entwicklern mangelt.

von
Jan Graber

Ru, du durftest als erster Nicht-Japaner ein japanisches Spiel – «Okami» – von PS2 auf Wii portieren. Wie ist es dazu gekommen?

Ru Weerasuriya: Ich hatte von Beginn weg eine Liebe für «Okami» und mich auch als Jurymitglied des Academy of Interactive Arts Awards für das Game starkgemacht. Als ich den Capcom-USA-Direktor Christian Svensson kennenlernte, konnte ich ihn mit viel Bier davon überzeugen, dass wir das richtige Studio für den Job wären.

Gibt es tatsächlich diesen grossen Unterschied zwischen japanischer und westlicher Gamekultur?

Absolut; besonders im Storytelling spürt man den Unterschied: darin, wie Charaktere eingeführt werden und welche Wendungen eine Geschichte nimmt.

Hat dies die Arbeit an «Okami» erschwert?

Nein, denn wir hielten uns getreu ans Original und wollten das Game nicht neu erfinden.

Du bist in der Schweiz aufgewachsen. Beeinflusst dies deine heutige Arbeit?

Ja, sehr. Meine Ausbildung und das kosmopolitische Umfeld von Genf bestimmen, wie ich denke. Die singhalesischen Wurzeln prägen dagegen mein ästhetisches Empfinden und meine Kreativität. Ich fühle mich aber zuallererst als Schweizer.

Die Schweiz ist nicht als Nation von Game-Entwicklern bekannt. Wieso?

Die Schweiz hat zwar ein exzellentes Schulsystem und viele talentierte Köpfe, aber leider kaum Schulen für

Gamedevelopment.

Wieso bist du in die USA gezogen?

Vor allem wegen der Ausbildung: Nachdem das Art Center College of Design in La Tour-de-Peilz dichtgemacht hatte, beendete ich mein Auto-Design-Studium in Pasadena, Kalifornien.

Ru Weerasuriya ist am 25. Oktober zu Gast bei der Gamehotel-Show in der Arena Filmcity, Zürich.

«Okami»: Malen mit Wolfsgott

Obwohl «Okami» zu den innovativsten Games der letzten Jahre zählt, verkaufte sich das Spiel schlecht. Umso höher ist es dem Herausgeber Capcom anzurechnen, dass er das Spiel dennoch auf die Wii portieren liess. Der Spieler schlüpft darin ins Fell des Wolfsgottes Okami, um das von Menschen entfesselte, achtköpfige Monster Orochi und seine Hilfsdämonen zu besiegen – und zwar mittels magischen Pinselstrichen, die sich in Flammen, Schwerthiebe und mehr verwandeln. Die Stärke von «Okami» liegt einerseits in der poetisch erzählten, mit kunstvollen Grafiken unterlegten Geschichte, anderseits in der gelungenen Idee, die Wiimote als Pinsel für die magischen Striche einzusetzen. (jag)

«Okami» für Wii; Ready at Dawn, Capcom.

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